Leserbriefe

Volker Ellwanger

Von Volker Ellwanger (Lenzkirch)

Mi, 09. Dezember 2020

Leserbriefe Hochschwarzwald

WINDGFÄLLWEIHER

Das Ende der Idylle?
Zum Artikel "Die Natur braucht eine Stimme", Seite 15, vom 2. Dezember
Am Windgfällweiher sind in den letzten Jahren durch eine bislang ungewohnte Anzahl von Besuchern unhaltbare Zustände entstandenen. Mit anderen Worten, dem im Landschaftsschutzgebiet liegenden Windgfällweiher fehlt die touristische Infrastruktur: Parkplätze, Toiletten, Liegewiese. Ein besonderes Problem bildet dabei wohl die enorme Zunahme von Wohnmobilen.

Endlich sehen sich die zuständigen Gemeinden in der Pflicht zur Abhilfe. Es wird nachgedacht. Um Ordnung und Struktur in das Geschehen zu bringen könnte man alles Fehlende schaffen. Gesprochen wird von einem Areal mit über 100 Stellplätzen für Wohnmobile nebst der dazugehörenden Infrastruktur. Mit der prognostizierten Zunahme des Wohnmobiltourismus wird auch die damit einhergehende Rendite erwartet. Der Besitzer des angrenzenden Waldes soll wohlwollend sein Plazet zum Verkauf der dafür benötigten Fläche gegeben haben.

Ein Rummelplatz mehr in der Gegend? Ja, leider. Aber man muss doch auch die touristischen Entwicklungen der Gemeinden und der Region weiterdenken. Sind so die Zeichen der Zeit?
Weiterdenken heißt auch Erhalt der Heimat für die in und um den Windgfällweiher lebende Fauna und Flora. Weiterdenken heißt auch der geschädigten Natur und dem See die Idylle zurückzugeben, die trotz B 500, Dreiseenbahn, kleinem Schwimmbad und Gasthaus viele Jahrzehnte unbeeinträchtigt blieb. Weiterdenken heißt auch Rück- nicht Ausbau zum Wohl der Menschen, denen Natur Wunder und nicht Event bedeutet. Es ist schon lange kein (grünes) Geheimnis mehr: Im falschen Umgang mit unserem wertvollsten Erbe - der Natur - gibt es nur Verlierer.

"... und füllet die Erde und macht sie euch untertan." Genesis 1/28.
Von zerstören hat er nichts gesagt.
Volker Ellwanger , Lenzkirch
70 JAHRE STADTRECHTE
Gefälschte Stadtansicht
Zum Artikel "Seit 70 Jahren wieder Stadt", Seite 17, vom 4. Dezember

Man nehme eine Stadtansicht aus dem Jahre 1861, man füge eine Ansicht des Kirchturms aus den 1830er Jahren ein und man behaupte, die Ansicht sei von 1790. So oder ähnlich ist der Gewerbeschullehrer Karl Ehret (1897-1974) vorgegangen, als er 1936 für das Heimatmuseum sein Gemälde schuf, das in der Badischen Zeitung als ein "Stich" bezeichnet wird, der den Ort "um 1790" zeige. Die Wahrheit ist, dass es eine solche Ansicht nie gab. Denn hier werden Gebäude miteinander kombiniert, die niemals gleichzeitig existierten. Ehret bediente sich aus zwei historischen Ansichten, einem Stich eines unbekannten Künstlers von etwa 1833/35 und einem Ölgemälde des Malers Glunk von 1861. Das 1832 errichtete Rathaus mit seinem Türmchen gab es 1790 noch nicht und auch die heutige "Linde" war noch nicht gebaut. Umgekehrt wurde der Kirchturm mit seinem achteckigen Turmhelm 1845 abgerissen, während 1790 noch ein barocker Zwiebelturm in den Himmel ragte.

Ehrets Gemälde ist zwar hübsch anzuschauen, aber letztlich ein Stück Geschichtsfälschung. Schade, dass das Bild bis heute unkritisch verwendet und im Heimatmuseum kommentarlos gezeigt wird. Nur weil da "1790" drauf steht, ist da noch lange nicht das Städtchen "um 1790" zu sehen. Fotos und Bilder sollten nicht einfach nur zur Illustration verwendet, sondern als historische Quelle ernst genommen werden. Es gilt, sie zu beschreiben, zu analysieren und in ihren historischen Kontext einzuordnen.
Jörg Waßmer, Berlin