Leserbriefe

Julius-Peter Langer (Murg-Niederhof)

Von Julius-Peter Langer (Murg-Niederhof)

Do, 26. August 2021

Murg

THEMA KLIMASCHUTZ
Fertige Murger Mitte ist die Bilanz des Schreckens
Zu mehreren BZ-Berichten über die Murger Mitte und Hauptstraße, zuletzt am 7. August
Jetzt – endlich ist sie vollbracht, die Fertigstellung der Murger Mitte mit der Eröffnung des neugestalteten Boulevards mitten hindurch durch das so dezentrisch gelegene Herz der Gemeinde Murg. Nicht nur bei Mathematikern und Geometrikern wirft die Definition für "Mitte" Fragen auf. Die Parameter für diese Murger Formelfindung setzen sich aus einer Vielzahl von Unbekannten zusammen, mit denen es letztlich möglich war, ein millionenschweres Dingsda, gegossen in Beton und gestaltet in fragwürdiger Funktionalität, derart auf den Weg zu bringen.

Nachhaltig, da fallen einem gleich die vielen beispiellos vorreiterischen Aktionen in der Gemeinde Murg ein. Der Bürgerbus, das Naturerlebnisbad, der festangestellte Klimaschutzmanager, um nur einige zu nennen – doch, die Gemeinde Murg hat die Zeichen des klimatischen Wandels erkannt und wandelt im Aktionismus ganz nah auf Gretas Spuren. Oder doch nicht, ist es nicht eher ein plakatives Possenspiel? Beim Gang durch die nahezu fertiggestellte Murger Mitte sucht man verzweifelt nach Spuren, die das Klima retten könnten. Zig Quadratmeter an versiegelter und verdichteter Fläche, Beton und Pflaster in allen Farben der Tristesse und dazu reihenweise Einschränkungen für die zunehmende zu funktionierende Mobilität in unserer Gesellschaft.

Die CO2-Bilanz rund um den Bau, die Gestaltung, die Investition in die Murger Mitte dürfte eher eine Bilanz des Schreckens sein. Die baulichen Umtriebe, die verwendeten Materialien, die verkehrsbedingten Umstände – das alles hat auf der nach oben unbeschränkten CO2-Skala zu einer Mehrbelastung geführt, für deren Ausgleich es keine Möglichkeit der Kompensation gibt. Finanziert mit den Millionen der Steuerzahler, um diese im Nachgang erneut in Form von angedachten Abgaben rund um das CO2-Orakel belangen zu können. Genau übrigens jenes CO2-Orakel, welches uns von der grünen Ökopartei mantraartig bei jeder sich bietenden Gelegenheit als das Schreckensszenario schlechthin verkündet wird. Diese grüne Ökopartei hat maßgebend im Regierungspräsidium sowie in der Landesregierung jene Zuschüsse für den Bau der Murger Mitte auf den Weg gebracht, ohne diese der Bau derselben gar nicht machbar gewesen wäre. Als übergeordnetes Korrektiv hätte man erwarten können, dass sich diese grünen "Geldgeber" bei der Verwendung der Mittel an ihr grünes ökologisches Gewissen erinnern. Mitnichten haben sie es getan, stattdessen haben sie unkontrolliert Steuermittel für eine aus ökologischer Sicht unsinnige Maßnahme freigegeben.

Dass die Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde als Regulativ unseres Planeten der Menschheit die Grenzen der Machbarkeiten aufzeigen, das scheint eine der Unbekannten in dieser Murger Formel zu sein. Immer wieder und ganz besonders aktuell zeigen uns die Elemente, mit welch brachialer Gewalt und Macht sie den Menschen abstrafen, wenn er die Spielregeln ihres Zusammenwirkens ignoriert. Diesen Spielregeln hat man bei der Planung und Gestaltung der Murger Mitte ein unverzeihliches Schnippchen geschlagen. Statt nachhaltig an die Macht der Elemente zu denken, wurde eine Quelle der Nachhaltigkeit für Betriebs- und Unterhaltskosten, der Emissionen und nicht zuletzt eine für zusätzliche Gefahren und Belastungen aus verkehrstechnischer Sicht geschaffen.

Was sich das Flüsschen Murg wohl beim Anblick dieser ufernahen Gestaltung denken mag? Während es sich auf den Höhen des Hotzenwaldes lieblich plätschernd durch sanftes Grün schlängelt, um danach wild rauschend, manchmal still lauschig durch sein romantisches Tal zu strömen, erreicht es den Kernort Murg, um diesen hastig schnell und ohne Unterbruch zu durchfließen, um in den Fluten des Rheins verschwinden zu können – Symbolik genug für einen Anblick, der ihm offensichtlich nicht gefällt.
Julius-Peter Langer, Murg-Niederhof