Leserbriefe

Detlef Lingner (Lahr )

Von Detlef Lingner (Lahr )

Fr, 27. März 2020

Lahr

SEEPARK
Dass Primat der Bequemlichkeit
Zur Diskussion um die geplanten Parkplätze im Seepark und die Entscheidungsbefugnis von Oberbürgermeister Markus Ibert sind mehrere Leserbriefe eingegangen.
Mit Erstaunen habe ich die Diskussion über die Öffnung des Seeparkgeländes für Autoverkehr wahrgenommen. Der Leserbrief von Bernd Frischauf erfasst die Problematik ebenso wie die lesenswerten Anmerkungen von BZ-Redakteur Mark Alexander im "Urteilsplatz". Ich unterstütze diese Bedenken ausdrücklic, ohne sie zu wiederholen.

Stattdessen möchte ich einige Fragen aufwerfen, die bedacht werden sollten. Worin besteht der Mehrwert einer Öffnung des Parkgeländes für Autos und dem Schaffen von Parkplätzen wenige Meter von der Seeterrasse entfernt? Welchen Vorteil hat ein Gastronom, wenn er die Idylle einer Seeterrasse durch 40 Parkplätze (nicht Behindertenparkplätze) beeinträchtigt?

Die Nähe der B3 begrenzt schon etwas die Vorstellung einer grünen Oase am Seepark , doch diese Straße ist durch hohe Bäume und Büsche abgegrenzt. Soll nun der Autoverkehr auch in den Park gelassen werden? Personen, die bis an den Esstisch mit dem Auto fahren müssen, neigen dazu, auch Naturerlebnisse am liebsten aus dem Pkw zu genießen. Muss also das übrige Gelände durch zusätzliche Autoschranken geschützt werden?

Damit die Kinder auf dem angrenzenden Spielplatzgelände nicht durch Autos gefährdet werden, muss man nicht auch einen zusätzlichen Schutzzaun einplanen? Und damit genussvolles Speisen in erträglich belasteter Luft möglich bleibt, sollten nicht ausdrücklich nur Dieselfahrzeuge mit Plakette 6 auf dem Parkplatz zugelassen werden?

Wie ist der Reise-Busverkehr geregelt, welche Abgasnormen sollen gelten? Oder sollen ausgerechnet die meist älteren Busreisenden vorher ausgeladen werden und für sie der Komfort, an den Gasthaustisch gefahren zu werden, nicht gelten? Wird der Parkraum später um eine Busparkfläche erweitert oder müssen die Busse auf dem Gelände rangieren und wieder hinausfahren?

Ernsthaft: Wollen wir uns wirklich dem Primat der Bequemlichkeit und (vermeidbarer) Umweltverschmutzung unterwerfen? Die Gemeinderäte und vor allem der neue Oberbürgermeister sollten innehalten und ohne Zeitdruck über zeitgemäße, nachhaltige Konzepte nachdenken. Und vor allem, ob sie sich von einem Pächter erpressen lassen, der fürchtet, dass die besondere Lage und eine herausragende Gastronomie nicht ausreichen, um ein Publikumsmagnet zu werden.
Detlef Lingner, Lahr


Naherholung geht ohne Auto
In einer Zeit, in der man über wirklich existenzielle Dinge nachdenkt (manche tun das), fällt unserem neuen Oberbürgermeister nichts Besseres ein, als einen Pachtvertrag mit einem Pächter, der sich schon – bevor er auch nur einen Kaffee verkauft hat – selbst ins Abseits befördert hat, zu schließen.

Wenn man das Haus am See sieben Tage in der Woche öffnet und zudem noch aus der Region kommt – ist das schon ein bewundernswertes Konzept? Wenn man als Bedingung für die Unterschrift unter den Pachtvertrag 40 Parkplätze zu den bereits vorhandenen fordert, hat man meiner Meinung nach das ursprüngliche Konzept nicht verstanden.

40 Parkplätze auf dem LGS-Gelände direkt am Restaurant, wo eben erst neue Bäume gepflanzt wurden, Bäume – keine Narzissen oder Tulpen! Geht’s noch? Man sitzt auf der Terrasse und sieht da die ganzen Karossen herumstehen. Wer will so etwas?

Naherholung geht ohne Auto – Radfahrer, junge Familien mit Kindern und Kinderwagen, Spaziergänger sind das gängige Klientel. Wenn ich mit dem Auto unterwegs bin und in der Innenstadt in ein Restaurant will oder wenn ich in Oberweier in den Mühlenhof gehe, muss ich unter Umständen doppelt so weit laufen wie vom Parkplatz in der Breisgaustraße bis zum Haus am See.

Das Konzept mit 40 Parkplätzen sei nicht in Stein gemeißelt, das lässt sich noch verfeinern, wird der OB zitiert. "Verfeinern" – da wird mir fast schlecht.

Ich hoffe nur, dass man sich das nicht gerade mal so gefallen lässt und sich auch Leute, welche einen gewissen Einfluss in der Stadt haben, zu Wort melden.
Günter Schäfer, Lahr

Erholung oder Marktwirtschaft
Dass Gastronomie ein schwieriges Geschäft ist, keine Frage. Aber wir sprechen hier nicht von Geschäft, sondern von Gemeinwohl. Das Haus am See wurde nicht von einem Gastronomen mit Profitabsichten konzipiert und gebaut, sondern von der Stadt für die Stadt als gemeinschaftsförderndes Erholungsprojekt, genannt Seepark. Man muss sich entscheiden, ob man dieses Konzept durchhalten oder aufgeben will. So einfach.

Wenn man es durchhalten will, darf man es nicht dem Markt überlassen. Die Stadt muss es selbst in die Hand nehmen, so lange sie niemanden findet, der hinter dem ursprünglichen Konzept steht. Das wäre wohlverstandene Subsidiarität, eine städtische Betriebsgesellschaft zur Förderung der Volksgesundheit.

Warum macht die Stadtverwaltung nicht selbst solch einen Vorschlag? Sie wäre sogar dazu verpflichtet, wenn sie die Zukunft des Gartenschaugeländes und das Wohl ihrer Bürger höher werten würde als marktwirtschaftliche Belange.

In Wolfach gibt es seit vielen Jahren ein schönes Vorbild, das Bistro und Kaffeehaus im Flößerpark – ganz ohne Parkplätze. Helmut Schönberger, Lahr

Dieses Thema bedarf der öffentlichen Debatte
40 neue Parkplätze sollen nach dem Willen von Herrn Ibert auf dem Gelände der Landesgartenschau neben der Gaststätte entstehen. Damit würde sich das Gesicht des bei den Lahrern beliebten Geländes entscheidend verändern und unnötigerweise weitere Flächen versiegelt werden. Dieses Vorhaben stößt bei mir auf komplettes Unverständnis. Als ob die Besucher der Lokalität nicht die wenigen Schritte von dem bisherigen Parkplatz laufen könnten.

Was mich dabei besonders ärgert, ist die Tatsache, dass Oberbürgermeister Markus Ibert diese Entscheidung im Alleingang treffen will, während der Gemeinderat sich in die Zwangspause verabschieden muss.

Herr Ibert nutzt also im Schatten der Coronakrise die Abwesenheit des Gemeinderats, diese Entscheidung durch die Hintertür durchzupeitschen, während uns Bürgern wegen des momentanen Versammlungsverbots die Hände gebunden sind.

Allerdings wäre der Zorn vieler Bürger anhaltend, angesichts eines solchen Regierungsstils, der zugunsten der Interessen eines einzelnen Geschäftsmannes die Interessen der Lahrer Bürger missachtet.

Dieses Thema bedarf dringend der öffentlichen Debatte. Herr Ibert, wir appellieren deshalb an Sie: Geben Sie diesem für die Lahrer so wichtigen Projekt die notwendige Zeit und seien Sie so fair, diese derart umstrittene Entscheidung nach der Zwangspause im Gemeinderat noch einmal offen zur Diskussion und dann zur Abstimmung zu stellen.
Stephan Ullrich, Lahr



Die Zeit der Parkplätze läuft ab
Mit Befremden habe ich von den Plänen für die Parkplätze im Seepark gelesen und habe es nicht glauben können. Der Kommentar in der Badischen Zeitung und die Leserbriefe haben mir in ganzem Umfang aus der Seele gesprochen.

Das Haus am See ist von der bisherigen Parkmöglichkeit hinter der Unterführung bequem und barrierefrei in wenigen Minuten erreichbar, auch für Menschen mit Handycap, Rollstuhl oder Kinderwagen. Meines Erachtens gibt es keinen einzigen stichhaltigen Grund für den Bau von Parkplätzen an dieser Stelle. Es gibt jedoch viele Argumente dagegen:
» Der Seepark ist als Naherholungsgebiet geplant und wird als solches auch intensiv genutzt. Autos würden diese Nutzung beeinträchtigen.
Spaziergänger und auch Gäste im Haus am See können ihre Kinder ohne Bedenken in der Nähe spielen lassen, ohne Gefahr durch ankommende und abfahrende Autos.
» In der Stadt Lahr soll ein neues Verkehrskonzept erstellt werden, auch mit dem Ziel den individuellen Autoverkehr zu reduzieren. Wie passt dazu der Bau neuer Parkplätze?
Insgesamt wird in unserer Gesellschaft der Klimawandel diskutiert und eine Verkehrswende vielerorts gefordert – auch wenn diese Diskussion durch die Viruspandemie ein wenig in den Hintergrund getreten ist. Jeder zusätzliche Parkplatz steht dem Ziel der Verkehrsreduzierung entgegen.

Die Zeit der Parkplätze läuft ab, in den heutigen Zeiten sind andere, zukunftsweisende Konzepte nötig. Zudem würden diese Parkplätze viel Geld kosten, das in Lahr an vielen Stellen sinnvoller eingesetzt werden könnte – zum Beispiel für die anderen Verkehrsteilnehmer: Radfahrer und Fußgänger.

Ich pendle täglich mit dem Rad von Schwanau nach Lahr und sehe noch sehr viel Verbesserungspotenzial für den Radverkehr. Silvia Bainczyk, Schwanau