Leserbriefe

Stefan Meier (Bad Säckingen)

Von Stefan Meier (Bad Säckingen)

Fr, 11. Oktober 2019

Bad Säckingen

CHAOS AN DER GRILLSTELLE
Blinde Zerstörungswut nicht tolerieren
Zum Leserbrief "Wo bleibt Verständnis für die Jugendlichen?" von Christoph Schneider, BZ vom 8.10.2019. Der Autor ist Vorsitzender des Vereins StadtOasen:

Sehr geehrter Herr Schneider, ich gebe ihnen völlig recht, es braucht Plätze und Orte, wo Jugendliche ihre Freizeit verbringen können. Und eigentlich gehört auch ein Grillplatz wie am Rheinufer dazu. Doch die Frage ist, wie man seine Freizeit an solchen Orten verbringt? Mit Alkoholkonsum und anschließender Zerstörung von öffentlichem und privatem Eigentum oder friedlichem Feiern und respektvollem Umgang gegenüber Mensch, öffentlichem Allgemeingut und privatem Eigentum und Natur? Leider zeichnen Sie hier ein völlig falsches Bild vom Umgang mit der Grillstelle am Rheinufer. Was auf dem Bild zu sehen ist, ist der Grillplatz mit abgebrannten Strohballen und Bauholz aus dem Gemeinschaftsgarten des Vereins StadtOasen, in dem nachhaltig engagierte Bürger in vielen ehrenamtlichen Stunden einen öffentlich zugängigen Bildungsort geschaffen haben. Die jugendlichen Besucher des Grillplatzes verwüsten regelmäßig nicht nur die Grillstelle selber, sondern klauen und zerstören nachts das Eigentum des Vereins StadtOasen, der sich für das Allgemeinwohl einsetzt. Und wenn Sie mal am Samstag oder Sonntagmorgen an der Grillstelle vorbeigehen würden, dann würden Sie auch die totale "Vermüllung" bemerken.

Selbst Mülleimer werden hier aus dem Betonfundament gerissen und im Rhein versenkt. Was hat das mit jugendlichem Feiern zu tun? Regelmäßiges Ansprechen der Jugendlichen von Vereinsmitgliedern fruchtet wenig. Trotz vorher getätigter Zusagen der Jugendlichen, wird im "nächtlichen Alkoholrausch" Bauholz geklaut und mutwillig Zäune und Bäume zerstört und das Grillplatzordnungsschild angezündet. Der Bauhof muss regelmäßig am Sonntagmorgen die Verwüstungen am Grillplatz beseitigen. Das sind keine Kavaliersdelikte mehr.

Es muss Plätze und Orte für Jugendliche geben, ja da gebe ich ihnen recht. Und die gibt es auch. Man kann sich als Jugendlicher z. B. dem Verein StadtOasen anschließen, mithelfen, gesunde Lebensmittel zu produzieren und etwas für das nachhaltige Leben in Bad Säckingen tun und dabei kommt auch das Feiern und Grillen auf dem wunderschönen Gelände nicht zu kurz.

Es gibt ein breitgefächertes Angebot an Vereinen und kulturellen Bildungseinrichtungen, wie z. B. ein Jugendtheater, wo man auch seine Aggressionen in verschiedenen Rollen ausleben kann, ohne dabei Dinge oder die Umwelt zu zerstören. Aber bitte hören wir auf, die zunehmende Aggression und Respektlosigkeit vor dem Eigentum der Allgemeinheit zu verharmlosen. Grillen und Feiern gehören zur Jugend, aber blinde Zerstörungswut, Diebstahl und Respektlosigkeit im Umgang mit öffentlichem Eigentum muss man als Gesellschaft nicht tolerieren. Woher das kommt? Darüber kann man sicherlich spekulieren und bedarf einer eigenen Diskussion.

Wer nicht mit den ihm von der Allgemeinheit zur Verfügung gestellten (Grill-)Plätzen umgehen kann, dem hilft wie bei einer "Sucht" oft nur der totale Entzug und somit auch die Schließung eines solchen Grillplatzes. Vielleicht muss etwas erst verloren werden, um zu merken, dass man es hätte besser behandeln sollen.
Stefan Meier, Bad Säckingen