Leserbriefe

Arno Uhlmann

Von Arno Uhlmann (Emmendingen)

Di, 03. Dezember 2019

Emmendingen

EMMENDINGER PLAN
Betonwüste mit Katzenklappe
Zur Diskussion um das Kaufhaus-Krauss-Areal (BZ vom 25. November):
Sommer 2030. Ich stehe auf dem Parkplatz zwischen dem Wehrle Werk und dem ehemaligen Kaufhaus Krauss. Bei 40°C und in der prallen Sonne ist außer mir keiner unterwegs in dieser Betonwüste. Ein Jahr nach der Eröffnung hatte der Supermarkt schon wieder zugemacht. Es wollte sich keiner mit dem Auto in die Innenstadt quälen, wenn er doch viel schneller in all den anderen Märkten vor der Stadt einkaufen kann. Gab es damals überhaupt schon Lastenfahrräder?

Leider kam der Klimawandel schneller als der Bewusstseinswandel. Schon Ende der 2010er Jahre war das Konzept "Einkaufszentrum nur für Autofahrer" überholt gewesen. Das letzte Bisschen Grün wurde damals planiert und versiegelt, die Leute sollten parken, einkaufen und wieder wegfahren. Eine kleiner Stadtpark mit zumindest einem Anschein von Natur (ein Bachlauf, einige Bäume und Sträucher) störte da nur. Etwas Gutes gibt es aber doch, zumindest die neue Eisdiele findet bei diesen Temperaturen genügend Kunden. Durch die Katzenklappe (so wurde das "Löwentor" bald genannt) kommt man nun in den Innenbereich und fühlt sich sofort zuhause: die gleichen Läden wie in jeder anderen Stadt. Billigst-Mode, Handyshops, Döner, Ketten-Optiker, Nagelstudio, usw. Die anderen Geschäfte am Marktplatz, oft inhabergeführt, konnten den Platzhirschen nicht viel entgegen setzen. Und der kleine Kunsthandwerker, der Second Hand Laden oder die Fahrradwerkstatt konnten sich die Mieten schon gar nicht leisten. Einige Wohnungen sind zum Glück auch noch entstanden, so wurde die Innenstadt auch nachts wieder bevölkert. Allerdings würde die Aussicht auf eine Grünzone statt auf einen Parkplatz den Bewohnern sicher besser gefallen. Alles in allem wurden damals einige Chancen genutzt aber auch viele vertan. Das konnte damals ja auch keiner vorausahnen, oder?Arno Uhlmann, Emmendingen