Leserbriefe

Ralf Zschache

Von Ralf Zschache (Wieden)

Do, 17. Oktober 2019

Schopfheim

MOTORRADLÄRM
Hobby-Rennfahrer raus aus Erholungsgebieten
Zum BZ-Bericht "Tourismusverein will Hilfe in Sachen Motorradlärm" vom 2. Oktober:
Die Motorradsaison im Schwarzwald ist vorbei. Jetzt kommt sie wieder: die Ruhe! Zunehmend werden die Straßen durch den Naturpark und das Biosphärengebiet Schwarzwald jetzt nicht mehr von verbrennungsmotorisierten Zweirädern befahren, so dass eine unüberhörbare Dezibel-Zahl dankenswerterweise abnimmt. Nun können die Anwohner und Erholung suchenden Gäste wieder aufatmen und den Lebensraum Schwarzwald genießen. Darauf müssen sie im wärmeren Halbjahr insbesondere an allen sonnigen Tagen verzichten, gerade an Wochenenden, Feiertagen und Feierabenden. Dann nämlich holen viele ihr Freizeitvehikel aus der fernen Garage, umhüllen sich mit Helm und Schutzkombi und erfreuen sich daran, das Gleichgewicht der Mensch-Maschine-Verschmelzung zu beherrschen. Viele Kraftradfahrer genießen ihre Tour in gelassenem Tempo durch die Natur: in Harmonie mit Menschen und Tieren am Straßenrand.

Doch andere lieben besonders die Schieflage und die laute Vibration ihres motorisierten Untersatzes: So könnten sie "den Kopf wieder freibekommen" und ihn mit Konzentration auf Kurven und dem "satten Sound" ihres Fortbewegungsapparats wieder auffüllen. Das scheint mit viel Beschleunigung und hohem Tempo am besten zu gelingen – selbst wenn auf diese Art schon viele ihr Leben verloren. Offenbar verstärkt sich ein derartiger Nervenkitzel, wenn man hintereinander herfährt. So erzeugt mancher Motorradschwarm nicht selten den Schreck, da rolle ein Panzer an. Dabei sind es doch nur ein paar teure Hobbygeräte, deren Eigentümer schon mal verbotenerweise Schalldämpfer aus- und elektronische Schallverstärker einbauen.

Es heißt: Die Straße sei für alle da. Aber auch Straßen in Naturparks und von der Unesco ausgezeichneten Biosphärengebieten? Hier stehen das Ruhe-Bedürfnis von Urlaubern und Anwohnern den Lärm-Interessen von Hobby-Rennfahrern konträr gegenüber. Gokarts und Rennautos haben ihre Spielwiese längst auf fernab ausgewiesenen Motodromen.

Es wird Zeit, dass auch solche Kraftradfahrer aus Natur-Erholungsgebieten ausgewiesen werden, die ihre Freiheit und Freizeit in Dezibel messen. Nur so können Anwohner und Gäste den Schwarzwald genießen – und zwar auch an den schönsten Tagen des Jahres.

Ralf Zschache, Wieden