Leserbriefe

Thomas Wunderle

Von Thomas Wunderle (Binzen)

Mi, 27. April 2022

Bad Säckingen

FUSION BEI VOLKSBANKEN
Vom Fusionsrückzieher nicht überrascht
Zum Abbruch der Fusionsgespräche der Volksbank Rhein-Wehra mit der Gestalterbank (BZ vom 16. April).
Schon immer haben Banken und Sparkassen fusioniert. Es hat den Anschein, dass der Fusionsdruck weiter zugenommen hat. Macht der Druck durch immer mehr Wachstumsziele und immer mehr größere Einheiten zu bilden, die Vorstände zu gehetzten Treiber? Hätten die Volksbank und deren Mitarbeiter denn von der Fusion zur "Gestalterbank" überhaupt profitiert? Rein rechtlich übernimmt in der Regel ja die größere die kleinere Bank – wurden alle Mitglieder und Vertreter im Vorfeld informiert?

Wenn ein gut geführtes Haus wie die Volksbank Rhein-Wehra ihre Eigenständigkeit aufgibt, ist das sehr, sehr emotional. Digitalisierung hin oder her – die Beziehung Bank – Kunden besteht aus persönlichen Gesprächen, wenn auch digital unterstützt, das Vertrauen ist heutzutage immer noch ein wichtiges Gut.

Ich bin wirklich nicht überrascht, dass es hier den Fusionsrückzieher gibt. Respekt für die Entscheidung! Aus meiner Sicht haben gerade kleinere Bankinstitute den Vorteil mit der örtlichen, regionalen Verwurzelung, kennen Ihre Kundenklientel vor Ort, und haben mit kurzen Wegen am "Point of Sale" in allen finanziellen Fragen grundlegende Servicevorteile. Wie soll ein regional verwurzeltes Institut vor Ort funktionieren, wenn möglicherweise Stabsabteilungen, Verwaltungsbereiche in großer Entfernung über den Schwarzwald und die Ortenau verlegt werden. Der stärkere oder größere Fusionsteilnehmer bestimmt ja zumeist, wo die Fachbereiche in einer neu fusionierten Bank angesiedelt werden. Eine Fusion hat ja – ehrlicherweise – schon den Zweck, Ressourcen zu bündeln. Kommunen verlieren auf Sicht wichtige Steuerzahler. Was wäre mit den Abteilungen in Bad Säckingen passiert, wäre die Fusion tatsächlich gekommen? Auch für Kunden bringt eine überregionale Fusion nicht nur Vorteile, der Kosten- und Rationalisierungsdruck wird größer und auch spürbar. Es ist löblich, wenn ein Vorstand einen Rückzug eingesteht, und alles so lässt wie es ist, auch wenn die Begründung Fragen aufwirft. Die weltwirtschaftliche Lage ist schon länger volatil, die tatsächlichen Gründe für eventuell gescheiterte Gespräche werden nicht genannt.

Es gibt in Südbaden zahlreiche abgeschlossene Fusionsbeispiele die perfekt vorbereitet wurden und wo auch tatsächlich für Mitarbeitende und Kunden Mehrwerte generiert wurden. Eine Fusion kann durchaus funktionieren und mit Akzeptanz belohnt werden, wenn diese beispielsweise mit umliegenden, regionalen Nachbarinstituten erfolgt.

Thomas Wunderle, Binzen