Leserbriefe

Markus Ehret

Von Markus Ehret (Freiburg)

Fr, 23. Oktober 2020

Leserbriefe Breisgau

GESUNDHEITSAMT

"Das ist jetzt schon volles Chaos"
Zu "Müllheimer Arzt kritisiert Gesundheitsamt" in der BZ vom 14. Oktober:
Liebes BZ-Team, diesen Artikel habe ich mit Interesse gelesen! Wir hatten am Freitag, 8. Oktober, eine Geburtstagsfeier, bei der 17 Personen anwesend waren, die Oma wurde 78 Jahre alt. Am Samstag bekamen wir von einem Mitfeiernden einen Anruf, dass er positiv auf Corona getestet wurde, woraufhin wir uns alle in Selbstquarantäne begeben und das Kontaktformular des Gesundheitsamtes ausgefüllt haben. Am Sonntag habe ich dann beim ärztlichen Notdienst angerufen, wie wir uns jetzt verhalten sollen. Auskunft: Zuhause bleiben und auf das Gesundheitsamt warten, was wir auch alle taten. Am Montag habe ich dann mittags beim Hausarzt angerufen, wie es denn jetzt weiter gehen soll. Krankmeldung? Abstrich? Das dürfe er nicht, da ich ja nicht krank sei! Also warten aufs Gesundheitsamt. Am Dienstag habe ich nochmals beim Gesundheitsamt angerufen: Auskunft – wir sollen warten, bis sie sich bei uns melden. Heute ist Mittwoch, und ich habe noch immer keine Krankmeldung, keine Info vom Amt. Auch die positiv auf Covid-19 getestete Person hat bis heute keinerlei Info, wie sie sich verhalten soll. Keiner der 17 Anwesenden, darunter zwei Arzthelferinnen beziehungsweise Krankenschwestern und zwei Feuerwehrleute, hat bis heute irgend eine Info vom Amt. Wenn wir alle nicht so viel Selbstverantwortung hätten, wären wir alle wie immer arbeiten und einkaufen gegangen und hätten so ganz locker 100 Personen anstecken können! Wir, inklusive der positiv getesteten Person, sitzen weiterhin hier in der Hoffnung, vom Gesundheitsamt kontaktiert zu werden. Keiner von uns hat bis heute ein Schreiben, dass er seinem Arbeitgeber vorlegen kann – dieses sollte ja bekanntlich am dritten Tag vorliegen. Das ist jetzt schon volles Chaos. Markus Ehret, Freiburg

"Laxer Umgang mit unserer Gesundheit"
Immer wieder liest man über die katastrophale Bearbeitung der Corona-Fälle in unseren Gesundheitsämtern. Auch über das zwischenzeitlich aufgestockte, jedoch immer noch unter Empfehlung liegende Personal im Gesundheitsamt Freiburg wurde schon mehrfach berichtet. Leider nennen Sie nie konkrete Zahlen! Ist das Absicht? Interessant wäre doch mal zu wissen, wie viele Mitarbeiter es vor Corona im Freiburger Gesundheitsamt gab und für wie viele Menschen diese verantwortlich waren und wie viele es denn heute sind. Die Frage von Kevin Ortlieb ist berechtigt: Wie will man so eine Pandemie in den Griff kriegen? Vor allem vor dem Hintergrund, dass wir alle seit Monaten einschneidende Maßnahmen hinnehmen müssen, ist dieser laxe Umgang mit unserer Gesundheit von Seiten der Gesundheitsämter nicht hinnehmbar.

Stephanie Dietrich, Badenweiler

"Vom Gesundheitsamt im Stich gelassen"
Bravo, Herr Ortlieb! Endlich einmal ein Bericht seitens eines Arztes, bei dem ich als Betroffene eines schwereren Verlaufs einer Coronainfektion jedes Wort in diesem Artikel bekräftigen möchte! Vom Gesundheitsamt fühlte ich mich während meiner Erkrankung, die mehrere Monate dauerte, völlig im Stich gelassen, obwohl ich mich um regelmäßige Kontaktaufnahme bemüht habe. Keine Kontaktverfolgung, keine weiteren Coronatests zur Bestätigung, dass kein Infektionsrisiko mehr besteht. Ich sollte selbst entscheiden, ob ich wieder gesund sei. Kein weiterer Anruf seitens des Gesundheitsamtes.

Dass sogar die Arztpraxen, die an vorderster Linie mit potenziellen Coronapatienten in Berührung kommen, viel wertvolle Zeit für eine dringende Kontaktaufnahme verschwenden müssen, finde ich einen weiteren Skandal. Aus den benachbarten Landkreisen weiß ich, dass deren Gesundheitsämter sehr zuverlässig und schnell arbeiten, die Kontaktverfolgung zügig funktioniert, bei akuter Erkrankung täglich angerufen wird. Nur im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald ist man seit Beginn der Pandemie "völlig überlastet und kann das alles nicht leisten". Ein Skandal! Yvonne Spindler, Müllheim
BREISGAU-S-BAHN

"Sich zu beschweren, ist nutzlos"
Zu "Uniklinik fordert pünktliche Züge" in der BZ-Ausgabe vom 13. Oktober:
Die geschilderten Probleme bestehen nicht nur in den Morgenstunden. Das verteilt sich oft über den gesamten Tag. Gerne auch am Wochenende, wo man seitens der Breisgau-S-Bahn der Meinung ist, das dann Zugausfälle eher toleriert werden. Lokführer, die offenbar nicht über geeignete Qualifikation betreffend der Strecke verfügen, kommen noch dazu. Da wurde den Fahrgästen am Bahnhof in Gottenheim durchgesagt, man möge im hinteren Teil des Zuges einsteigen, da der erste Teil Richtung Eichstetten weiterfahre. Tatsächlich ist aber der erste Wagen dann mit den Fahrgästen, die in Richtung Eichstetten wollten, nach Breisach gefahren. Dieser Fehler muss doch dem Lokführer schon bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof aufgefallen sein. Die Folge: Nahezu alle Fahrgäste hatten bis zu eine Stunde Verspätung bis zum Zielbahnhof.

Sicherlich könnte man schmunzeln über diesen Fehler, aber leider häufen sich Fehler bei der Breisgau-S-Bahn seit der Inbetriebnahme dieses Jahr nach der Bauphase. Kaum ein Tag, an dem es nicht zu Verspätungen kommt, kaum eine Woche, in der es nicht zu Zugausfällen kommt. Sich darüber zu beschweren ist nutzlos, die Probleme sind anhaltend, und die Betreiber der Breisgau-S-Bahn unfähig, einen zuverlässigen Zugbetrieb auf den Strecken von Freiburg nach Breisach und von Freiburg nach Endingen den Fahrgästen zu bieten. Jürgen Kroll, Ihringen

"Ohne Abstand auf engstem Raum"
Leider besteht das Problem mit ausfallenden beziehungsweise überfüllten Zügen nicht nur zwischen Freiburg und Breisach, auch die Höllentalbahn ist seit dem Umbau oft davon betroffen. Man steht zu den Hauptverkehrszeiten eingepfercht von Freiburg bis Neustadt, darunter ältere Menschen, Jugendliche und Schüler. Bei Coronaausbrüchen werden stets Partys und Feiern als Ursache angeklagt; kein Mensch weiß, mit wem er im Zug "gekuschelt" hat – ohne Abstand und auf engstem Raum, bei keiner bis sehr schlechter Belüftung!

Birgit und Roland Hermann,Titisee-Neustadt

SENIORENZENTRUM
"Wo ist der Unterschied zu einem Großcaterer?"
Zu "Bewohner sind verunsichert" in der BZ-Ausgabe vom 15. Oktober:
Zunächst Danke für Ihre ausgewogene Berichterstattung, auch wenn ich mit Verwunderung die Stellungnahmen des Leiters des Caritasverbandes Breisgau Hochschwarzwald, Jochen Kandziorra, zur Kenntnis genommen habe, der es versteht, Sachverhalte umzudeuten, zu verkürzen und schönzureden. Der Kern des Problems ist folgender: Der Caritasverband hat damals vom Landkreis ein defizitäres Heim samt Kapelle übernommen und spielt nun die Rolle des eiskalten Sanierers, der zuvorderst am Personal spart.

Wen wundert die Verunsicherung der Bewohner? Die Essensversorgung erfolgt nun aus Ehrenkirchen, obwohl eine voll funktionsfähige Küche vor Ort existiert. Wo ist der Unterschied zu einem sonstigen Großcaterer? Vermutlich hat man bei diesem zumindest eine Wahlmöglichkeit. Dass es diese im Oskar-Saier-Haus geben soll und das Essen auf Wunsch auch vegetarisch angeboten wird, war nun doch eine neue Nachricht, die ich aus dem Artikel erfuhr und kaum glauben kann.

Die Senioren des nicht mehr so genannten Betreuten Wohnens sind so sehr von der Qualität des Essens vergrault, dass sie mit den Füßen abstimmen und auch bessere und nicht teurere Alternativen gefunden haben. Ob die Strategie aufgeht, an dieser Stelle Personalkosten einzusparen und über die große Produktionsmenge der Zentralküche die Stückkosten der Mahlzeiten zu senken, ist vor dem Hintergrund des angestrebten Wohngruppenkonzepts zumindest fraglich.

Bereits vor Corona war das Dach des Speisesaals undicht und für die Essensgäste die bereitgestellten Eimer ein gewohnter Anblick. Kurz: Die Essenssituation und die soziale Situation hat sich nicht nur coronabedingt deutlich verschlechtert. Corona kam zupass, um den Speisesaal zu schließen und seit über einem Dreivierteljahr ist hier nichts geschehen. Es ist in der letzten Zeit auch nicht nur der alte und neue Einrichtungsleiter gegangen, sondern auch viele erfahrene Mitarbeiter in der Sozialbetreuung, Pflege und Verwaltung. Wie vor dem Hintergrund, zumindest in Kirchzarten, die große Zahl von Auszubildenden der generalistischen Ausbildung herkommen soll, bleibt ein Rätsel. Im Gegenteil, der Personalabfluss findet weiter dramatisch statt. Der aufopferungsvolle Einsatz der Pflegemitarbeiter kann dies nicht auffangen.

Schon vor Corona wurden Angebote wie Gedächtnistraining oder Ausfahrten zurückgefahren. Statt Personalkosten zu senken, kann man natürlich auch die Einnahmen erhöhen und die Nebenkosten des ehemaligen betreuten Wohnens so weit in die Höhe treiben, dass die Bewohner dies nicht mehr leisten können. In Kombination mit sinkenden Leistungen graust es einen bei dem Gedanken, dass man eines Tages selbst in eine solche Situation kommen kann.

Vielleicht ist es bezeichnend, dass in diesem Heim der Caritas die Kapelle geschlossen bleibt. Senioren nun über die Bahngleise jagen zu wollen, befremdet mich. Keine Andacht ist in der Kapelle möglich, der spirituelle Halt wird genommen und die Vereinsamung nimmt zu.

Wenn man die 3,5 Millionen Euro statt in ein untaugliches Essenskonzept in hauseigenes Küchen-, Reinigungs- und Pflegepersonal sowie Seelsorge und Infrastruktur gesteckt hätte, hätten die Mitarbeiter lange Zeit gut bezahlt werden können und den Menschen vor Ort wäre durch persönlichen Bezug sicher weit mehr gedient gewesen – dies wäre im Wortsinn caritas.Michael Kugel, Kirchzarten "Eine der wenigen Freuden im Alltag"
Das Essen für alte Menschen, die im Altenheim leben müssen – insbesondere in den Zeiten von Covid 19 – ist eine der wenigen Freuden und Unterbrechungen in ihrem eintönigen Alltag. Meine Mutter (90) lebt seit drei Jahren im Oskar-Saier-Haus. Das Essen schmeckte ihr bis zur Umstellung immer gut; aber seit es aus der Zentralküche kommt, klagt sie sehr häufig. Es gibt nur selten Salat oder Frischkost; die Speisen sind wenig gewürzt und schmecken fad. Da hilft auch das Herumgerede von Herrn Kandziorra über "Essenversorgungsstruktur" und "Produktqualität" wenig. Es sollte ja vor allem billiger werden.

Wenn man bedenkt, dass die Kosten im Oskar-Saier-Haus etwa 500 Euro über dem Durchschnitt der Altenheimkosten Baden-Württembergs liegen, frage ich mich schon, wo sich das in besserer Versorgung mit gutem Essen (oder mehr Pflegepersonal?) niederschlägt. Abgesehen davon führte die Umsetzung der Coronaverordnung dazu, dass wir unsere Mutter von Mitte März an 80 Tage lang nicht besuchen konnten; da gab es in anderen Heimen durchaus phantasievollere und menschlichere Regelungen.

Marion Reimer, Köln "Da geht es sehr um die Sparsamkeit des Trägers"
Das Oskar-Saier-Haus hatte einen ganz besonderen Heimleiter, Raphael Kirchherr, der für alle Menschen, die mit dem Heim zu tun hatten, ein immer bereiter Ansprechpartner war. Er hat mit seiner kompetenten, freundlichen Art das Heim zu einem wirklichen Heim für die Bewohner und deren Angehörige gemacht. Die Erklärungen zu seinem Weggang, die Mitgliedern und Vorstand des Fördervereins gegeben wurden, sind für uns nicht nachvollziehbar. Personalmangel gab es schon immer im Heim, aber so schlimm, wie es jetzt ist, war es noch nie. Da geht es auch sehr um Sparsamkeit des Trägers. Im Haus gibt es zwei langjährige, fleißige Mitarbeiterinnen, von denen ich weiß, dass sie noch einen Vertrag mit dem vorherigen Träger haben. Sie werden entlassen, weil sie angeblich etwas zu viel verdienen. Dann darf man auch nicht jammern, kein Personal zu bekommen.

Heidemarie Havenstein, Kirchzarten
"Keine Rücksicht auf besondere Bedürfnisse"
Ihren Bericht zur neuen Essensversorgung des Oskar-Saier-Hauses möchte ich etwas relativieren. Ich finde es befremdlich oder vielleicht auch unanständig, dass man durch die Erwähnung des Begriffs Spitzengastronomie den Eindruck erweckt, dass hier eine Verbesserung eingetreten ist. Vielleicht hätten Sie bei Ihrer Recherche auch die Betroffenen hören sollen. Offensichtlich ist die Küche des Oskar-Saier-Hauses der Betriebswirtschaft zum Opfer gefallen. Im Gegensatz zu früher sind nur noch ganz wenige Personen in der Küche beschäftigt, deren Aufgabe es ist, den Inhalt der von Ehrenkirchen angelieferten Schlauchverpackungen aufzuwärmen.

Mein Vater war in dem Pflegeheim, sowohl vor als auch nach der Essensumstellung. Fakt ist, dass die Qualität des Essens sich deutlich verschlechtert hat. Insbesondere hatten wir auch den Eindruck, dass, im Gegensatz zu früher, keine Rücksicht auf die besonderen Bedürfnisse der betagten Bewohner genommen wurde. Diese haben naturgemäß keine große Lobby, aber auch die diesbezügliche Kritik der Angehörigen wurde von der Heimleitung nicht zur Kenntnis genommen beziehungsweise abgebügelt.

Ob sich dieser Zustand bei der angestrebten Erhöhung des Essensausstoßes um mehr als 200 Prozent verbessern wird, wage ich zu bezweifeln. Pflegerisch hatten wir im Großen und Ganzen einen sehr guten Eindruck von dem Haus, was insbesondere auch an dem Einsatz der pflegenden Mitarbeiter lag. Mit der Auslagerung der Küche hat sich der Caritasverband, meiner Auffassung nach, keinen guten Dienst erwiesen.
Manfred Franz, Oberried-Hofsgrund


EX-BÜRGERMEISTER
"Es kann der Frommste nicht in Frieden leben..."
Zu "Harald Reinhard versucht es nun in Steinmauern" in der BZ vom 1. Oktober:
Herr Donner, endlich berichten Sie wieder einmal vom ehemaligen Bürgermeister aus Buchenbach. Haben Sie abermals etwas aufgespürt, wie in der Schule: "Herr Lehrer, ich weiß was!" Wir alle haben schon gespannt auf eine Neuigkeit von Ihnen gewartet, um erneut einen interessanten, aber vor allem mit unterschwelliger Belustigung gespickten Beitrag zu lesen. Ihre Schlauheit ist bewundernswert. Ein Sprichwort, das lautet: "Es kann der Frommste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt".

Elisabeth Benz, Buchenbach-Unteribental