LESETIPP: abstrus und rührend

Martin Pfefferle, Müllheim

Von Martin Pfefferle & Müllheim

Sa, 01. August 2020

Literatur & Vorträge

Ein nur 30 Zentimeter hoher, im Dunkeln leuchtender rosa Elefant taucht im Versteck des obdachlosen Trinkers Schoch auf. Der entwickelt väterliche Gefühle für die bei skrupellosen Genexperimenten entstandene Kreatur. Martins Suters Roman "Elefant" ist so abstrus wie echt, so abgefeimt wie herzerwärmend. Es geht um die Gen-Industrie, um eine empathische Tierärztin, einen Elefantenpfleger, der den kleinen "Sabu" geradezu religiös verehrt. Im nachrichtlichen Ton verfasst ist der gut 360 Seiten lange Roman, die lakonische Sprache kontrastiert mit einer philosophischen Geschichte – auf eine wirklich gute Weise. Die Geschichte einer buchstäblichen Jagd ist dynamisch erzählt, voller Tempo. Rührend ist nicht nur das Schicksal des rosa Elefanten, sondern auch das von Schoch, das sich – soviel sei verraten – zum Guten wendet. Insofern hat das Buch auch etwas von einer Parabel oder einem Märchen, liest sich aber spannend und authentisch wie eine gute Reportage.

Martin Suter: Elefant. Roman. Diogenes, Zürich 2019. 362 Seiten, Taschenbuch: 13 Euro.