LESETIPP: immer zwischendrin

Bernd Fackler, Redaktion Waldkirch

Von Bernd Fackler & Redaktion Waldkirch

Sa, 01. August 2020

Literatur & Vorträge

"Das Elsass? Klar, kenn’

kenn’ ich, sind wir oft" – sagen viele Südbadener über den nahen Nachbarn. Wer aber auch die Elsässer kennen will, nein, da reichen Colmar und Riquewihr nicht. Vor 150 Jahren begann der Deutsch-Französische Krieg. Im August vor 100 Jahren wurde Jean Egen(sberger) geboren, in Lautenbach im Oberelsass. "Die Linden von Lautenbach" heißt sein bekanntestes Buch, Millionenauflage, mit Mario Adorf verfilmt. Stark autobiografisch erzählt der Roman vom Leben der Elsässer in diesen Jahren von 1870 bis 1920 und noch danach. Der kleine Jean, auf elsässisch Schangala, erzählt von den Menschen zwischen Rhein und Vogesen, zwischen Deutschland und Frankreich. "Dr Hans im Schnoogeloch"(der nicht weiß, was er will) wurde zu ihrer "Nationalhymne": Hin- und hergeschoben zwischen Deutschen und Franzosen, das war oft für sie ganz schwer, doch Egen beschreibt es mit sehr viel Humor. Und als der Schangala größer wird, weiß er: Die Deutschen sind doch keine "niederen Säugetiere", wie er als Kind dachte. Auch sein Vater Joseph, der Seppala, hat nicht ganz Recht, als er sagt: "Weißt Du, Schangala, was den Franzosen am meisten fehlt? Dass sie nicht Elsässisch reden!"

Jean Egen: Die Linden von Lautenbach. Aus dem Französischen von Claude-Gérard Benni. Rowohlt. 248 Seiten, 10 Euro.