LESETIPP: Krieg und Sehnsucht

Dominik Bloedner

Von Dominik Bloedner

Sa, 01. August 2020

Literatur & Vorträge

Saint-Malo im Jahr 1944. Die alliierten Truppen rücken auf die von der deutschen Wehrmacht besetzte Küstenstadt vor, die Résistance bekämpft das Nazi-Regime mit ihren Mitteln hinter der Front. Mittendrin sind die blinde Marie-Laure, die aus Paris geflohen ist, und der technisch begabte, weißblonde Waisenjunge Werner aus dem Ruhrgebiet, der den Auftrag hat, den Sender der Widerständler mit Peilgeräten aufzuspüren. Das Schicksal will es, dass beide aufeinander treffen. Der US-Amerikaner Anthony Doerr, Jahrgang 1973, zeichnet in seinem 2015 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Roman den Lebensweg der beiden einsamen Seelen nach: wie sich ihre Biografien schon vorher kreuzen und wie Werner und Marie-Laure mit ihren Handicaps und Sehnsüchten umgehen. "Alles Licht, das wir nicht sehen" ist ein wunderschönes und bewegendes Stück Literatur – auch ohne Happyend.

Anthony Doerr: Alles Licht, das wir nicht sehen. Roman. Aus dem Englischen von Werner Löcher-Lawrence. btb-Verlag, München 2014. 520 Seiten, 11 Euro.