LESETIPP: Schweres im leichten Ton

Sabine Ehrentreich, Red. Lörrach

Von Sabine Ehrentreich & Red. Lörrach

Sa, 01. August 2020

Literatur & Vorträge

Die kanadische Schriftstellerin und Journalistin Miriam Toews ist in Deutschland nicht sehr bekannt – aber ihre Bücher sind eine Entdeckung. Dies gilt vor allem für "Das gläserne Klavier". Der Roman handelt von zwei Schwestern. Die eine, Elfrieda, ist eine international erfolgreiche Konzertpianistin mit liebendem Ehemann und ohne finanzielle Sorgen. Die Ich-Erzählerin, Yoli, ist chaotisch, chronisch pleite und hat mehrere gescheiterte Ehen hinter sich. Doch es ist Elfrieda, die ihrer schwersten Depressionen wegen ihrem Leben dringend ein Ende setzen will, und es ist Yoli, die alles tut, um sie davon abzuhalten – mit welchem Ausgang, sei hier nicht verraten. Die Thematik ist an sich schwer. Das Besondere an dem Buch ist, dass es den Lesenden dennoch nicht erdrückt, sondern gestärkt zurücklässt. Es strahlt eine enorme Lebenskraft aus, verzichtet auf Pathos und hat trotz alledem viel Witz. Ihre Authentizität bezieht die Geschichte auch aus den autobiografischen Anteilen. Miriam Toews wuchs im kanadischen Mennoniten-Milieu auf. Das spielt in "Das gläserne Klavier" eine untergeordnete, in anderen Titeln dieser Autorin eine tragendere Rolle. Man erhält Einblick in das Spannungsfeld zwischen der Unterordnung unter die rigiden Regeln einer Sekte und dem Aufbegehren gegen sie.

Miriam Toews: Das gläserne Klavier. Roman. Aus dem Englischen von Monika Barks. Berlin Verlag, Berlin 2016. Nur noch als E-Book erhältlich, 12,99 Euro.