Eine zweite Zukunft

Anita Rüffer

Von Anita Rüffer

Mo, 23. Januar 2012

Liebe & Familie

Vor elf Jahren adoptierte eine deutsche Lehrerin einen minderjährigen Flüchtling aus Westafrika.

Es war ein Sommertag vor elf Jahren. An Maria Pfeiffers* Tisch im Esszimmer saß, wie seit vier Wochen jeden Mittwochnachmittag, der sechzehnjährige Junge, um mit ihr Deutsch zu lernen. Da ließ sie Vokabeln und Grammatik für einen Moment beiseite und fragte: "Welche Pläne hast du? Wie stellst du dir deine Zukunft vor?" Benga musste nicht lange überlegen. "Ich werde die Kinder des Präsidenten töten", schoss es aus ihm heraus.

Nicht, dass der schwarze Halbwüchsige besonders gewalttätig gewesen wäre. Aber irgendein Ventil brauchte er offenbar für die schrecklichen Erlebnisse, die er hinter sich hatte: die nächtliche Razzia, die Festnahme seiner Eltern, die sich in einer der Oppositionsparteien gegen den Präsidenten des westafrikanischen Landes engagiert hatten. Benga musste mit ansehen, wie einer seiner Brüder erschossen wurde. Ihm war es gelungen zu entkommen. Schlepper brachten ihn über die Grenze – mit unbekanntem Ziel. Organisiert und finanziert hatte die Flucht die Partei seiner Eltern. Über Berlin und die Landesaufnahmestelle in Karlsruhe führte ihn sein Weg in eine ...

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