Kinderbücher

Eine, die sich in alle möglichen Insekten verwandelt

Mechthild Blum

Von Mechthild Blum

Di, 25. Juni 2019 um 18:12 Uhr

Literatur & Vorträge

"Madame Fafü": Ein Bilderbuch, dem die Illustratorin Julia Dürr ein wie in leichtem Wind schwingendes Leben einhaucht

Als Marienkäfer flog sie gern in Achterbahnen, "denn dann wußte sie nicht, wo Anfang und Ende waren und das gefiel ihr". In einer Endlosschleife wird von Astrid Walenta auch die minimalistische Geschichte von "Madame Fafü" erzählt. In immer neuen Varianten erfahren wir von Madame, die eine Geschichte von Madame erzählt, die von einer Geschichte mit Madame träumt. Eine, in der sich eine Madame mit den unterschiedlichsten Insektensprays besprüht – "Fafü" könnte lautmalerisch für diesen Vorgang stehen – und sich so in eine Hummel, Spinnen, einen Grashüpfer oder eben auch in einen Marienkäfer verwandelt. Wo ist der Anfang, wo das Ende? Oder ist es doch Madame als Erzählerin selbst, der diese Verwandlungen gelingen?

Mit feinen Bleistiftzeichnungen und bunten Stiften haucht Julia Dürr "Madame Fafü" und ihrer Umgebung in zarten Pastellfarben ein wie in leichtem Wind schwingendes Leben ein, als ob alles in ständiger Bewegung sei. Die Kontur des Hauses, die Wiese drumherum, die Insekten im Flug, selbst die Flacons der Sprays, deren Gestalt man von Parfüm- flaschen zu erkennen glaubt, und nicht zuletzt Madame in ihrem Bett, am Schreibtisch, beim Blumengießen: Die Bilder, deren Ästhetik an die 50er/60er Jahre erinnern, sind frei gezeichnet und in einer durchdachten Formensprache entwickelt, dem schwebenden Charakter der Erzählung folgend.

Zusammen mit Franziska Walther, die das Buch für den kleinen unabhängigen Verlag Kunstanstifter kongenial gestaltete, ist den drei Frauen eine Präsentation wie aus einer Hand gelungen. Das ist wirklich selten und überaus schön anzusehen.

Astrid Walenta, Julia Dürr, Franziska Walther: Madame Fafü. Kunstanstifter Verlag, Mannheim 2019. 33 Seiten, 20 Euro, Ab 4.