Live aus dem Tonstudio: Konzertreihe startet mit Jazz-Standards

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Di, 06. April 2021 um 17:58 Uhr

Friedenweiler

Die Gareth Reaks Combo brachte in der Reihe Konzertvielfalt auf höchstem Niveau die Atmosphäre der amerikanischen Jazzclubs ins Studio im Hochschwarzwald und von dort ins Internet.

Schon einige Stunden vor der Premiere herrschte im Studio emsige Geschäftigkeit: Ton-, Licht- und Kameratechnik mussten eingerichtet und aufeinander abgestimmt werden. Sämtliche an der Produktion beteiligten Akteure hatten zuvor negative Corona-Schnelltests nachgewiesen und dies galt auch für die vier Band-Mitglieder um Bandleader Gareth Reaks. Dieser war von Kindesbeinen aufs Engste mit dem speziellen Feeling des amerikanischen Jazz im vergangenen Jahrhundert vertraut, denn seine Eltern spielten beide in einer Dance-Band und traten regelmäßig in Clubs und Music-Halls auf.

Er selbst ist mit seiner samtigen Stimme und seinem virtuosen Vibraphon-Spiel Backbone der nach ihm benannten Combo. Die drei anderen Mitglieder, Olga Krasotova (Piano), Andres Buchholz (Kontrabass) und Eric Karle (Schlagzeug) sind auch Vollprofis. Alle unterrichten sie Privatschüler sowie an den Jugendmusikschulen Breisach, Freiburg oder Hochschwarzwald und spielen einzeln noch in anderen Formationen. Gareth Reaks unterrichtet Sängerinnen und Sänger privat in Gehör- und Stimmbildung.

Obwohl alle dem Live-Event entgegenfieberten, kam zu keinem Zeitpunkt Hektik auf. Im Gegenteil: Alle Beteiligten strahlten professionelle Ruhe, Kompetenz und höchste Konzentration aus. Tontechniker, Studiobesitzer und Initiator Michael Thoma und seine Crew legten noch letzte Hand an das speziell für das Konzert notwendige Feintuning der nagelneuen Studiotechnik an, während Kameramann Johannes Federle seine mobile Steady-Cam vorbereitete, mit der er sich bei der Aufnahme frei im Raum bewegen kann. Zusätzlich sind für die Konzertreihe mehrere stationäre Kameras im Einsatz, die auch vom Regieraum aus beweglich gesteuert werden können. Parallel dazu besprach Moderator Michael Schwörer mit Gareth Reaks und Andres Buchholz die Fragen und den Aufbau seiner Moderationen, die übrigen Bandmitglieder checkten zusammen mit den Tontechnikern an den Mischpulten die Klangfarbe ihrer Instrumente und die Lautstärken ihrer Kontrollmonitore.

Und dann erfüllten die ersten zur Probe angespielten Stücke der Combo die Studioräume. Sie stammten allesamt aus dem Great American Songbook, einer großen Sammlung von Songs und Melodien des sogenannten goldenen Zeitalters der Jazz-Standards, vielfach geschrieben für den Broadway oder die Filmproduktionen von Hollywood von Komponisten wie George Gershwin, Cole Porter oder Duke Ellington. Wer kennt nicht die Interpretationen von Stars wie Ella Fitzgerald, Nat King Cole, Louis Armstrong, Frank Sinatra oder Marilyn Monroe.

Dann der Countdown, gezählt von zehn abwärts – und man war online! Nach der kurzweiligen Anmoderation von Michael Schwörer spielte die Combo als erstes Stück den Jazz-Standard "Tangerine" von Chet Baker und Paul Desmond. Sofort und bei allen folgenden Titeln erwies sich das Quartett durch seine hochprofessionellen und einfühlsamen Interpretationen als würdige Hüter und Pfleger dieses hochklassigen Musikgenres. Alle Bildinformationen der verschiedenen Kameras liefen im Regieraum zusammen und wurden dort live durch Schnitte und Überblendungen zu einer für die Zuschauer zu Hause im Wohnzimmer spannenden Bildfolge zusammengesetzt. Bald erreichten die gemeldeten Clicks die Höchstzahl 350, bei einer Spitze von 100 Zuschauern gleichzeitig. Dies ist ein guter Anfang für die gesamte Woche, aber angesichts der hohen Qualität der Künstler sicher noch ausbaufähig.

Heute, Mittwoch, ab 19 Uhr bietet das klassische Schlagzeug-Duo Henry Heitzmann und Cesar Masano Cavalotti Musik von Sebastian Bach bis Steve Reich, angereichert durch jazzige Improvisationen. Zugang über mehr.bz/konzertvielfalt oder sessionone.de/konzert-vielfalt. Noch bis 11. April gibt es jeden Abend ein Live-Konzert.