"Es war ein schönes Berufsleben"

Christa Maier

Von Christa Maier

Sa, 18. Mai 2019

Löffingen

Die Löffinger Kindergartenleiterin Lore Fehrenbach verabschiedet sich nach 45 Jahren als Erzieherin in den Ruhestand.

LÖFFINGEN. Ganze Generationen von Kindern hat Kindergartenleiterin Lore Fehrenbach betreut . Nach 45 Jahren ist jetzt Schluss - sie geht in den Ruhestand. "Ihre" Kinder, Eltern, Erzieher und Gemeindevertreter gestalten heute Nachmittag beim Frühlingsfest des Kindergartens Maximus in der Dreischluchtenhalle ihren Abschied. "Soll ich Dir das Lore-Lied vorsingen?", fast hätte ihr ein Kind die vorbereitete Überraschung vorweggenommen. Ansonsten hielten ihre Schützlinge in Bezug auf die heutigen Abschiedsfeierlichkeiten dicht, erzählt sie lachend.

Keinen anderen Beruf hätte sich Lore Fehrenbach vorstellen können. Schon als kleines Mädchen sei sie immer mit Kindern "Scheese" gefahren. Ihre Tante habe ihr damals prophezeit: "Du wirst mal Kindergärtnerin". Und das sei sie dann auch geworden. Einer zweijährigen Ausbildung an der katholischen Fachschule in Freiburg folgte ein Praktikum im Kinderheim Schloss Friedenweiler. Das Anerkennungsjahr absolvierte sie im Kindergarten Fischbach bei Friedrichshafen. Ihre erste Stelle als Erzieherin trat sie im katholischen Kindergarten in Freiburg-Haslach an, sie 1981 in den Kindergarten nach Seppenhofen. Als dort eine zweite Gruppe eingerichtet wurde, übernahm sie die Leitung.

Die Verständigung

mit den Eltern

ist heute oft schwierig

Lore Fehrenbach
1996, während ihrer parallel absolvierten Ausbildung zum Fachwirt für Organisation und Führung, ließ sich die gebürtige Löffingerin von der Stadtverwaltung zur Übernahme der Kindergartenleitung in Löffingen überreden. Den Schritt hat sie nie bereut. Viele Veränderungen, die sich an den Bedürfnissen der Familien orientiert haben, hat sie seither mitgetragen: Beispielsweise die ersten flexiblen Betreuungszeiten, die mit dem Frühdienst um 7.45 Uhr begannen und dem Spätdienst um 12.15 Uhr endeten. "Heute sind die Betreuungszeiten weitaus flexibler, das längste Angebot besteht zwischen 7 Uhr und 16.30 Uhr und wird gut angenommen", sagt sie. Daher gibt es auch täglich ein Essensangebot, das von 30 Kindern wahrgenommen werde. Dafür wurde vom Kindergartenträger, der Stadt Löffingen, eigens ein Raum zum Frühstücken und Mittagessen sowie eine Küche eingerichtet. Die Kleinkindpädagogik für Kinder ab einem Jahr ist ein weiteres Angebot des Kindergartens. Die beiden Gruppen und jeweils zehn Plätzen sind permanent belegt, wobei auch Eltern aus den Ortsteilen darauf zurückgreifen.

Die Türen der einzelnen Zimmer stehen heute offen, so dass die Kinder heute viel ausgeglichener seien und es zu weniger Konflikten komme als in geschlossenen Räumen. Auch gibt es die Möglichkeit, bei Einhaltung bestimmter Regeln in andere Gruppen mit anderen Schwerpunkten zu wechseln. Früher hatte jede Gruppe ihre Bau- und Puppenecke und einen Essbereich. Heute werden in jedem Zimmer unterschiedliche Interessen abgedeckt. Der viertägige Waldtag gehöre ebenfalls zum permanenten Angebot.

Alle Erzieherinnen haben eine Zusatzausbildung in unterschiedlichen Bereichen, was den individuellen Bedürfnissen der Kinder zugutekomme. Der Orientierungsplan mit seinen Dokumentationen bringe heute viel mehr Verwaltungsarbeit als früher. Hoffnung auf Arbeitserleichterung gerade im Anmeldebereich hat sie durch das neue Programm "Kita-Profi" und die Kindergarten-App, die viel Schriftkram ersetze.

Die veränderten und oft auch schwierigeren Lebensverhältnisse, viele Scheidungskinder und auch die Verständigungsprobleme seien die Herausforderungen in der heutigen Zeit. Von den 125 Kindern haben 50 ausländische Wurzeln. "Die Verständigung mit den Eltern ist oft schwierig", sagt Lore Fehrenbach. Wertvoll sei dabei die Internationalität der Erzieherinnen, von denen einige aufgrund ihrer russischen, türkischen und französischen Abstammung die Kommunikation mit den Eltern erleichtern. Dankbar ist sie über die vom Land bezuschusste Sprachförderung für auffallende Kinder, die von zwei entsprechend ausgebildeten Erzieherinnen übernommen wird. Großen Wert legte sie auf ein gutes Verhältnis zu den Mitarbeiterinnen. Von den rund 30 Mitarbeiterinnen sind bis auf vier Vollzeitkräfte alle Teilzeitkräfte und Wiedereinsteigerinnen. Drei FSJlerinnen seien eine große Unterstützung.

Auch wenn sie als Leiterin keine Gruppe mehr betreute, so war ihr wichtig, den Bezug zu ihren Schützlingen nicht zu verlieren. So ließ sie es sich nicht nehmen, einmal wöchentlich mit den Kindern in der Forscherwerkstatt zu experimentieren oder die religiöse Erziehung zu übernehmen. "Es ist ein schöner Beruf und es war ein schönes Berufsleben", sagt Lore Fehrenbach. Der Handlungsspielraum, den ihr die Stadt gewährte, trage zu ihrem positiven Resümee bei. Jetzt freue sie sich auf mehr Freizeit. Durch ihr Haus mit Ferienwohnung und ihren Garten habe sie keine Bedenken, dass es ihr langweilig werde.