Neues Gesetz

Azubis im Kreis Lörrach verdienen jetzt schon meist mehr als die Mindestvergütung

Daniel Gramespacher

Von Daniel Gramespacher

Di, 04. Juni 2019 um 07:00 Uhr

Lörrach

Vom kommenden Jahr an gibt es Mindestvergütung für Azubis. Die Kreishandwerkerschaft sieht das gelassen. Die Nachwuchsgewinnung bleibt aber eine Herausforderung.

Die Kreishandwerkerschaft (KHW) Lörrach steht der Einführung der Mindestausbildungsvergütung offen entgegen. Das Handwerk habe durchschnittlich viel höhere Ausbildungsvergütungen als künftig verlangt und erfülle heute bereits die für Ende 2023 vorgesehenen 620 Euro Mindestlohn im Durchschnitt, lassen der neue Kreishandwerksmeister Martin Ranz und der neue Geschäftsführer Daniel Herkommer auf Anfrage wissen.

Mehr als Bankkaufleute
Nach Angaben von KHW und Handwerkskammer Freiburg liegt die Ausbildungsvergütung nach Tarifverträgen im ersten Lehrjahr im Schnitt bei rund 748 Euro, im zweiten bei 861 Euro, im dritten bei 1004 Euro und – wo es eines gibt – im vierten bei 1056 Euro. Vergleichsweise niedrige Vergütungen erhalten demnach etwa Bäcker, Ofen- und Lüftungsbauer sowie Maler und Lackierer. Besonders gut bezahlt werden Stuckateure und Zimmerer. Die kommen im zweiten Lehrjahr auf 1200 Euro pro Monat, im dritten auf 1475 Euro. Das ist mehr als nach IHK-Angaben Bankkaufleute (1038 und 1100 Euro) oder Einzelhandelskaufleute (880 und 1010 Euro) erhalten.

Friseure noch unter Minimum
Noch knapp unter der vorgesehenen Mindestvergütung liegen einzig die Friseure. Doch auch hier sehen Ranz und Herkommer eine positive Entwicklung. Peter Hauth, Obermeister der Friseur-Innung Lörrach und Vorstandsmitglied im Fachverband für Friseur und Kosmetik Baden-Württemberg, habe maßgeblich dazu beigetragen, dass die Vergütung des ersten Lehrjahres von 420 Euro seit 2018 auf 500 Euro erhöht wurde. Für 2019 sind es 510 Euro. Derzeit laufen Verhandlungen für die Vergütungen von 2020 an. Ranz und Herkommer gehen davon aus, dass die Mindestvergütung 2020 bei den Friseuren ebenfalls eingehalten werden kann. Laut Hauth zahlt diese Branche bereits heute mehr als vorgegeben, um Auszubildende zu bekommen.

Die Handwerkskammer Freiburg erstellt die Arbeitsverträge für Auszubildende. Ein Lohn unter den Tarifverträgen ist nur mit bestimmten Voraussetzungen und Genehmigung der Handwerkskammer möglich. In Einzelfällen würden auch höhere Vergütungen bezahlt, um an geeignete Personen zu kommen, merken Herkommer und Ranz an.

Von Innung zu Innung verschieden
Über die Lehrlingssituation in den Handwerksbetrieben im Kreis Lörrach ließen sich keine generelle Aussagen machen, betont Herkommer. Die Situation sei je Innung unterschiedlich, da manche Ausbildungsberufe attraktiver sind. Eher keine Probleme haben etwa die Schreiner. Aber auch innerhalb der Gewerke gibt es Unterschiede. Zwar reden alle vom Fachkräftemangel. Gleichzeitig gibt es aber nach wie vor junge Leute, die keinen Ausbildungsplatz in einem Gewerk finden, das generell über Nachwuchsmangel klagt, weiß Herkommer.

Alle Möglichkeiten ausschöpfen
Letztlich müssten Lehrmeister und Lehrling zueinander passen. Das Handwerk müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen, die zur Verfügung stehen. Aktuell seien dies die Olympiade der Talente, die Ausbildungsbörsen in Schopfheim und Weil am Rhein, das Format Ausbildungsbotschafter, bei dem Azubis in Schulen Werbung machen für ihren Beruf sowie Praktikumsplätze. Herkommer macht vor allem ein Kommunikationsproblem aus, das es anzugehen gelte. An Möglichkeiten, etwa die Website http://www.handwerk.de mit Videos zu einzelnen Berufen, mangele es nämlich nicht, diese seien nur zu wenig bekannt.