Podium

Der Lehrermangel im Landkreis Lörrach gefährdet zunehmend die Unterrichtsqualität

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

So, 05. Mai 2019 um 15:23 Uhr

Lörrach

Ein Podium des Kreisverbands der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft mit regionalen Vertretern der Politik befasste sich mit dem Mangel an Lehrkräften.

Grundsätzlich gäbe es viele Möglichkeiten, das Lehramt attraktiver zu gestalten, um langfristig genug Bewerberinnen und Bewerber für den Beruf zu bekommen. Diese müssten nur genutzt werden. Das ist laut einer Mitteilung des Kreisverbands der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) das Fazit eines Podiumsgesprächs mit Ricarda Kaiser vom Landesvorstand der Lehrergewerkschaft, den regionalen Landtagsabgeordneten Josha Frey (Grüne) und Rainer Stickelberger (SPD) sowie dem Vorsitzenden des CDU-Kreisverbands Jürgen Rausch zum Lehrkräftemangel in der Lörracher Neumattschule am Donnerstag. Während für die Lehrkräfte vor allem die Belastung durch zum Teil fachfremden Vertretungsunterricht und übervolle Klassen im Vordergrund stehe, äußerten Eltern in der Eingangsrunde Sorgen um die Bildungschancen ihrer Kinder, wenn zu viel Unterricht ausfalle oder fachfremd unterrichtet werden muss.

Mangelverwaltung statt Schulentwicklung

Schulleitungen wiederum sehen einen Großteil ihrer Arbeitskraft in die Mangelverwaltung anstelle die Schulentwicklung fließen. Befristet beschäftigte Lehrer schließlich fühlen sich als "Feuerwehrleute" verheizt. Die drei Podiumsteilnehmer aus der Politik kritisierten durchweg aktuelle oder vergangene Versäumnisse unterschiedlicher Landesregierungen. Wobei die Frage, wer die Verantwortung für die Misere trägt, unterschiedlich gesehen wurde. Einigkeit bestanden habe indes in dem Punkt, dass die Unterrichtsqualität durch den Lehrkräftemangel gefährdet sei, schildert die GEW. Deren Vertreterin Ricarda Kaiser stellte das Ausmaß des aktuellen Lehrkräftemangels dar. Am stärksten betroffen sind die Sonderpädagogischen Bildungseinrichtungen, gefolgt von den Grundschulen. Aber auch an den Sekundarschulen (Werkreal-, Gemeinschafts- und Realschulen) sowie den Beruflichen Schulen können nicht alle Stellen besetzt werden. Besonders gravierend sei die Lage im Landkreis, wo 2018/19 rund ein Viertel der offenen Stellen nicht mit ausgebildeten Kräften besetzt werden konnte. Im Vergleich der Bundesländer stehe Baden-Württemberg in der Schüler-Lehrer Relation an letzter Stelle. Einen Spitzenplatz habe das Land dagegen beim Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund, denn es liege hinter Bremen mit mehr als 40 Prozent auf Platz zwei.

Mangel an Integrationskonzept

Fundamental mangele es an einem Integrationskonzept, das über reinen Sprachunterricht hinausgehe. Kaiser monierte, dass insgesamt zu vieles Stückwerk bleibe. So würden zum Beispiel nach wie vor nicht genug Studienplätze bereitgestellt. Neue Studienplätze für das Grundschullehramt etwa entstünden durch Umschichtung von Studienplätzen für den Sekundarstufenbereich. "So wird das Problem nur verschoben", kritisiert Kaiser laut der Mitteilung. Schließlich wechselten Grundschüler nach vier Jahren in die Sekundarstufe. Zu einem Gesamtkonzept gehöre nach Ansicht vieler Anwesenden aber auch, den ländlichen Raum attraktiver zu machen – zum Beispiel durch Zulagen –, einen Quereinstieg in das Lehramt zu ermöglichen, die Arbeitsbelastung zu senken und das Lohnniveau an andere Bundesländer anzupassen.