Wenn die Verwaltung im Zelt campiert

Sabine Ehrentreich

Von Sabine Ehrentreich

Fr, 22. Februar 2019

Lörrach

Beim Zunftabend 2019 ist unter anderem die Rathaussanierung Thema – und vieles mehr / Die Protektorin ging bei der Premiere fremd.

LÖRRACH. Ja, auch die Kanzlerin hatte ihren Auftritt – als Weinprinzessin älteren Jahrgangs, die den Tüllinger Weinmarkt mit ihrem Besuch beehrt. Ansonsten bleibt der Zunftabend 2019 thematisch schön vor der Haustür, und das ist auch gut so. Sage keiner, das kommunale Geschehen werfe keinen Stoff ab für Satire. Vom "Lö"-Loch über den Seniorensommer, die Post oder das Steigenberger-Hotel bis zur Rathaussanierung und dem Burghof waren viele Themen so frech und derb aufbereitet, wie das die Fasnacht darf.

Oberzunftmeister Andreas Glattacker hieß die Gäste in der ausverkauften Alten Halle in Haagen willkommen – umringt von Repräsentanten der Lörracher Fasnacht, die ein prachtvoll buntes Bild abgaben. Entschuldigen ließ sich Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic, die Protektorin ist – und in Köln weilte. Sie fange, bemerkte Glattacker, dort beim Karneval schon mal "klein an", um dann in die wahre Fasnacht einzutauchen. Auf der Bühne war sie später präsent – Thomas Wagner sorgte dafür.

Bühne frei, erster Akt: Merkel (Karl-Heinz Sterzel) und Seehofer (Klaus Ciprian-Beha), zwei Auslaufmodelle der Bundespolitik, setzen ihre vertrauten Scharmützel auf dem Tüllinger Weinmarkt fort. Die Szene ist so liebevoll gestaltet wie die alle an diesem Abend, woran Kulissenmaler Wolfgang Krell seinen wesentlichen Anteil hatte. Vorhang zu, Musik The Nightshadows, Soloauftritt vor dem Vorhang, dann erneut Bühne frei – der Rhythmus des Abends. Als Solisten kommen Vertreter der Parteien und Fraktionen zum Zug, schließlich steht die Kommunalwahl bevor. So begibt sich etwa Thomas Wagner als Ulrike Krämer auf CDU Zuhör-Tour, und Hansi Gempp beklagt als Vreni Hirt den Gemeinderats-Ruhestand.

Vergleichsweise ungeschoren bleiben die Weiler, dafür kommen die Schweizer groß raus. Zwei von ihnen drücken sich etwa vor der Rezeption des Steigenberger-Hotels herum, wo Philipp Buser als zugewanderte Arbeitskraft seinen Dienst versieht. Die beiden Eidgenossen spekulieren auf Sonderangebote und haben den grünen Zettel gleich dabei. Auch ein neues Postamt stellen die Narren auf die Bühne – "G’schickt" heißt diese Nummer im schönsten Doppelsinn. Das Amt passte in die Baulücke, die das letzte Telefonhäuschen hinterließ. Dass Lörrachs Rathaus saniert oder gar abgerissen werden muss, wer weiß, weckte natürlich auch die närrische Kreativität. Sie verlegten das Ausweichquartier der Verwaltung in eine indianische Zeltstadt. Häuptling "Schneller Entscheid" Lutz, Monika "Langes Elend" Neuhöfer-Avdic und Peter "Der mit dem Pfennig fuchst" Kleinmagd gehen ihren Geschäften nach, kurz mal umkreist von einem grünen Fessmann-Trämli auf Rollschuhen. Da "mufflert" es dann auch dezent. Warum es auf dem Marktplatz denn so ruhig sei, will einer wissen. Ach ja, es ist ja gerade "Stimmen". Später wird dann Beleg dafür erbracht, dass das Festival mit wenig Geld zu machen ist – wenn man Akteure der Brauerei Lasser als "Pilz-Köpfe" zum musikalischen Einsatz bringt. Nicht nur hier beweisen die Narren ihre große Lust an Gesangseinlagen.

Bei einer Senioren-Stadtrundfahrt wagen sich Supermann Lutz (Glattacker) und Klaus Dullisch (Andreas Kuck) sogar in die Außenbezirke, sprich Ortsteile. Natürlich sind auch die Märtwiiber Hansi Gempp und Klaus Ciprian-Beha wieder im Einsatz. Es wäre noch viel zu sagen zu diesem langen Abend, zu dem viele ihren Teil beitragen – etwa auch die Zundelgirls oder gelegentlich die Souffleuse. Viele Besucher werden sich noch einen Eindruck verschaffen. Die Zunftabend-Saison hat ja erst begonnen.