Münstertal

Diese Höfe betreiben Rinderzucht nach ökologischen Richtlinien

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Sa, 01. Juni 2019 um 06:57 Uhr

Münstertal

Junge Familien betreiben moderne Rinderzucht in Münstertal. Dabei halten sie sich an ökologische Richtlinie und setzen auf engen Kontakt zu ihren Kunden auf allen modernen Kanälen.

Landwirtschaft hat Zukunft. Besonders dann, wenn man sie mit Leidenschaft, Know-how und Direktvermarktung verbindet. Das zeigen die beiden jungen Landwirtsfamilien Anke und Thomas Riesterer vom Schindelmatthof und Dagmar und Harald Riesterer vom Hansemichelhof auf etwa 1000 Metern im Münstertäler Ortsteil Stohren.

Saftige Wiesen, grasende Rinderherden

Seit kurzem bietet sich auf dem Schauinsland wieder das typisch-idyllische Schwarzwaldbild: Saftige Wiesen, grasende Rinderherden, stolze Schwarzwaldhöfe. Lange mussten die Rinder auf dem Stohren in diesem Frühjahr warten, bis sie endlich hinaus auf die Weide konnten. Wegen mehreren späten Wintereinbrüchen mussten sie bis Mitte Mai mit Heu, Silofutter und dem weitläufigen Laufstall vorlieb nehmen. Der bietet zwar viel mehr Luft und Platz, als ein Anbindestall herkömmlicher Schwarzwälder Bauart, kann aber trotzdem gegenüber der Weide nicht mithalten.

Etwas oberhalb des Schindelmatthofes, der mit seinem riesigen Stall samt Fotovoltaik unübersehbar in einer kleinen Senke unterhalb der Schauinsland-Passstraße liegt, grast ein Großteil der etwa 90-köpfigen Herde, teils Limousin-Fleischrinder, teils Fleckvieh und Kreuzungen. "Die Gipfelstürmung, der Weideauftrieb, ist jedes Mal ein Fest, zu dem wir unsere Kunden einladen", sagt Anke Riesterer, "wenn die Kälber, den Schwanz nach oben gestellt den Berg hinauf springen, ist das eine reine Freude!"

Seit 2015 hochwertiges Rindfleisch

2013 entschied sich das Ehepaar – sie Automobil-Kauffrau (31), er gelernter Metzger (40) und 12 Jahre selbständig in der KFZ-Elektronik – die Landwirtschaft von Thomas Riesterers Vater auf dem Schindelmatthof fortzuführen und von Milchwirtschaft auf Rinderzucht umzustellen. Nachdem zahlreiche Baumaßnahmen umgesetzt wurden, produziert die Familie, zu der auch der eineinhalbjährige Sohn Valentin gehört, seit 2015 hochwertiges Rindfleisch vom Bergweiderind im Vollerwerb.

Der Hansemichelhof liegt an der Landstraße in der Nähe des Gasthauses Gieshübel. Harald Riesterer (32) wuchs auf der Hof auf und wusste schon als 14-Jähriger, dass er den Hof weiterführen wollte, hatte immer schon gerne in der Landwirtschaft mitgearbeitet. Dennoch lernte er den Beruf des Zimmermanns, arbeitet auch nach wie vor an vier Tagen in seinem Beruf. Seine Frau Dagmar (34) ist Bankkauffrau, kümmert sich momentan um die zweijährige Ronja und ist mittlerweile begeisterte Bäuerin. Wie ihre Nachbarn übernahmen die beiden den Hof 2015 und setzen ebenfalls auf Rinderzucht, allerdings auf die von Hinterwälder Rindern.

"Wir sind schon lange Hinterwälder-Zuchtbetrieb." Harald Riesterer
"Wir sind schon lange Hinterwälder-Zuchtbetrieb. Diese alte Südschwarzwälder Rasse ist einfach perfekt an die rauen und kargen Lebensbedingungen hier oben angepasst", sagt Harald Riesterer "Hinterwälder sind kleiner, leichter und einfacher zu handeln als andere Rinder, sie kalben leichter." 30 Kühe, 30 Kälbchen sowie Zuchtbulle Basti, das ist die Herde des Hansemichelhofs, der eine Fläche von 55 Hektar mit Weiden und Mähflächen bewirtschaftet.

Die des Schindelmatthofes ist mit 60 Hektar etwas größer. Deren Jungvieh, die einjährigen Rinder, weidet regelmäßig auf Flächen unten in Münstertal. Die Bauern vom Schindelmatthof kennen jedes ihre Tiere mit Namen, für die Namen ist Chefin Anke zuständig. Sie war dieser Tage wieder namensgebend tätig: In der Abkalbebucht im Stall trinkt das frischgeborene Kälbchen Glenn bei seiner Mutter Greta. Die gesamte Weidezeit zwischen Mai und November laufen zwei Bullen in der Herde mit, um die Jahreswende und im April und Mai kommen die Kälbchen auf die Welt. Eine anstrengende Zeit für die Landwirte, die die werdende Mutter vor Geburt alle zwei Stunden überwachen und entsprechend wenig Schlaf bekommen. Eine Kamera im Stall hilft.

Hauptsächlich Kalbfleisch

Derart schlaflose Zeiten kennen auch Dagmar und Harald Riesterer, bei denen die Abkalbung ähnlich abläuft. Auf dem Hansemichelhof wird hauptsächlich Kalbfleisch produziert. Zunächst nur für die Gastronomie auf dem Schauinsland wie das Hotel Halde und das Gasthaus Zähringer Hof, inzwischen auch auf Bestellung in Zehn-Kilo-Paketen für Direktkunden. Die Kälber sind zwischen neun und zwölf Monaten alt, wenn sie geschlachtet werden, und damit älter als üblich. Ihr Fleisch ist dunkler und geschmacklich intensiver als herkömmliches Kalbfleisch. Geschlachtet wird im Winterhalbjahr und zwar immer erst, wenn ein Rind verkauft ist. Und ganz in der Nähe, damit die Tiere möglichst wenig Stress haben. Zum Schlachten geht es nur 15 Minuten durch den Wald bis zur Metzgerei Gerteisen in Sölden.

Einen ähnlich kurze Weg haben die Tiere vom Schindelmatthof, die entweder bei der Metzgerei Lebtig in Bad Krozingen oder beim Freiburger Schlachthof nach etwa zwei Jahren ihr Leben lassen. "Ich fahre die Tiere selbst, in aller Ruhe, da kommt kein Tiertransporter, mit einem Fahrer, der Stress macht", sagt Thomas Riesterer. Als gelernter Metzger zerlegt er das Fleisch selbst, hat so die direkte Kontrolle, wie sich Zuchtfortschritte und unterschiedliche Fütterung auf die Fleischqualität auswirken.

Feinfaserig marmoriertes Rindfleisch

Der Metzger schwärmt von dem feinfaserigen marmorierten Rindfleisch, das er dank langsamem Wachstum der Tiere, doppelt so viel Zeit wie bei konventionell erzeugten Rindern und Futter mit hohem Bergkräuteranteil produziert. Der Schindelmatthof ist Bioland-zertifiziert, was strengere Richtlinien mit sich bringt als das EU-Bio-Siegel, nachdem auf dem Hansemichelhof gearbeitet wird. Viele Kunden des Schindelmatthofes sind Feriengäste, die bekommen ihr Rindfleisch per Post.

Mit der Beweidung der Flächen auf dem Schauinsland tragen die Landwirte dazu bei, die Flächen offen und das typische Schwarzwaldbild zu erhalten. Ganz wichtig ist beiden Familien der direkte Kontakt zum Verbraucher. Für den sind vor allen die Frauen zuständig, die das mit Herzblut und Sachverstand tun. Anke Riesterer hat sogar das Logo für den Schindelmatthof und den Slogan "Alles Kuh-te kommt von oben" entwickelt. Geschickt bespielen sie die Sozialen Medien und geben über ihre Websites vertieften Einblick in ihren Hof, ihre Produktionsweise und ihre Philosophie. Wer Rindfleisch von einem der Höfe kaufen möchte, bestellt dies telefonisch oder per Email und wird benachrichtigt, sobald geschlachtet wird. Die Abholung auf dem Hof am Schauinsland wird für viele dann zu einem schönen Familienausflug, mit Hofbesichtigung, Kälbchen streicheln und dem guten Gefühl, das Fleisch von Tieren zu essen, die ein gutes Leben hatten.

Weitere Fotos und Infos unter mehr.bz/stohren-rinderzucht schindelmatthof.de hansemichelhof.de