Unwahrscheinlich

Lottozahlen in Südafrika: 5, 6, 7, 8, 9, Superzahl: 10 – Zufall?

Ronny Gert Bürckholdt

Von Ronny Gert Bürckholdt

Do, 03. Dezember 2020 um 18:57 Uhr

Unterm Strich

Skurril anmutende Gewinnzahlen in Südafrika treiben viele auf die Palme. Sie wittern ein Komplott. Ein Freiburger Mathematiker weiß, warum: Für derartige Zufälle sei der Mensch einfach nicht gemacht.

Die jüngsten Gewinnzahlen in Südafrika: 5, 6, 7, 8, 9. Die sechste, die Superzahl, können Sie sich denken.

Im Internet kamen prompt Betrugsvorwürfe hoch. Nie im Leben könne das Zufall sein! Auch verweisen die Skeptiker darauf, dass sich mit 20 Gewinnern ungewöhnlich viele den Jackpot teilen – um die 300.000 Euro für jeden. Das könne nur ein Komplott sein.

Logik und Geschichte

Befragen wir die Logik. Dass in Südafrika die Korruption blüht, ist kein Geheimnis; aber ohne Beleg zu behaupten, dass daher die Lottofee korrupt sein müsse, ist ein unzulässiger Schluss. Und hätten Gauner nicht unverdächtige Zahlen gewählt?

Und was sagt die Lottohistorie? Immer mal wieder wurden zumindest von Sechsen fünf aufeinanderfolgende Zahlen gezogen, wobei es dann tendenziell viele Gewinner gab. Zahlreiche Tipper lieben Reihen. Das drückt den möglichen Gewinn.

"Sehr unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich."
Ziehen wir noch die Mathematik zu Rate, in Person des Stochastikers Ernst August Freiherr von Hammerstein von der Uni Freiburg. Im südafrikanischen Fall wurden fünf Gewinnzahlen aus 50 gezogen, dann getrennt eine Superzahl aus 20. Von Hammerstein zückt den Taschenrechner: Bei 1 zu 42 375 200 liege die Chance, dabei den Jackpot zu knacken.

Und die bizarre Zahlenreihe? "Wenn die Ziehung fair ist, ist es genauso wahrscheinlich wie für jede andere beliebige der 2.118.760 Kombinationen, dass zunächst 5, 6, 7, 8, 9 gezogen wird." Aber nur in 0,0022 Prozent aller Fälle werden fünf aufeinanderfolgende Zahlen gezogen. Und dann passt auch die Sechste? In 0,0000024 Prozent aller Fälle. "Sehr unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich."

Unwahrscheinlich – oder unmöglich?

Die aufgeregten Reaktionen könne er aus menschlicher Sicht verstehen, sagt von Hammerstein: "Wenn man beim Mensch-ärgere-Dich-nicht sechs Mal hintereinander eine Sechs würfelt, muss man sich auch anhören, man habe den Würfel manipuliert."

Der Mensch sei wohl nicht dafür gemacht, damit umzugehen. Was mit nur geringer Wahrscheinlichkeit eintreten könne, werde oft von vornherein für unmöglich gehalten.

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