Nationalelf

Luca Waldschmidt und Robin Koch bekommen ein gutes Zeugnis fürs DFB-Debüt

René Kübler

Von René Kübler

Do, 10. Oktober 2019 um 18:49 Uhr

Nationalelf

Zwei SC-Spieler in der Startelf beim Klassiker gegen Argentinien: Die Begegnung in Dortmund war aus Freiburger Sicht sehr speziell. Und Bundestrainer Löw ist voll des Lobes.

Auf dem Weg aus der Kabine wirkt Luca Waldschmidt etwas orientierungslos. Eigentlich will der 23-Jährige den wartenden Journalisten in den Katakomben des Dortmunder Signal Iduna Parks Auskunft geben. Es gäbe schließlich einiges zu erzählen nach diesem 2:2 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Argentinien. Gerade für ihn, der sein erstes Länderspiel gemacht hat. Genau wie Robin Koch, sein Kollege vom SC Freiburg. Doch der Mannschaftsbus hupt bereits, weshalb Waldschmidt lieber Serge Gnabry hinterherläuft und einsteigt. Als Neuling will man die Abläufe nicht gefährden.

Zuvor auf dem Spielfeld hatte sich der Freiburger Angreifer schnell zurechtgefunden. Inmitten der glänzenden Fußballer Gnabry, Julian Brandt und Kai Havertz schien der feine Techniker Waldschmidt bestens aufgehoben. Wobei er vor allem mit etwas überzeugte, das eindeutig seiner Weiterbildung beim Sportclub zuzuordnen ist. Waldschmidts Wege führten ihn nicht selten bis tief in die eigene Hälfte, um dort die defensive Kompaktheit der deutschen Elf mit zu gewährleisten. Vor Havertz’ Treffer zum 2:0 hatte er an der Außenlinie den Gegner derart bedrängt, dass Lukas Klostermann den Ball nur noch dankend übernehmen musste und einleitend tätig werden konnte. "Luca Waldschmidt war sehr gut unterwegs, hat viele Bälle behauptet, viele Wege gemacht, eine sehr gute Partie gespielt." Die mit einem Lob verbundene Tätigkeitsbeschreibung stammt von Bundestrainer Joachim Löw. Aber Christian Streich, sein kritisch-fordernder Vereinscoach, wäre mit Waldschmidts Leistung speziell in Halbzeit eins sicher zufrieden gewesen.

Robin Koch agiert unaufgeregt und solide

Mit der von Robin Koch wohl auch. Den hatte die deutsche Personalmisere zunächst nachträglich in den Kader und wegen des kurzfristigen Ausfalls des Berliners Niklas Stark umgehend in die Startformation gespült. Erst mittags vor dem Spiel habe er davon erfahren, verrät der SC-Abwehrspieler hinterher. Was er in diesem ganz besonderen Fall nicht als Nachteil empfunden hat. Denn wenn, wie Koch selbst es ausdrückt, "ein Riesentraum" in Erfüllung geht, kann es mit der Gelassenheit schnell mal vorbei sein. "Vielleicht war es besser so, da blieb wenig Zeit, nachzudenken oder nervös zu werden", mutmaßt der 23-Jährige. So habe er einfach versucht, sich auf das Spiel zu fokussieren und es zu genießen. Und hinterher? Mit seiner Leistung durfte Koch insgesamt zufrieden sein. Nur einmal, vor dem 1:2-Anschlusstreffer durch Alario, hatte er nicht souverän gewirkt, ansonsten – wie in Freiburg – im Zentrum der Dreierabwehrkette unaufgeregt und solide agiert.

"Das freut auch die Bundesliga, dass Spieler des SC Freiburg, Spieler von kleineren Vereinen in der Nationalmannschaft spielen können." Kai Havertz
Dass er sich nun Nationalspieler nennen darf, nimmt Koch ebenfalls mit der ihm eigenen Ruhe zur Kenntnis. Wobei es auch mit der Rasanz der Ereignisse zu tun haben könnte. "Ich erlebe den Moment, kann es aber nicht richtig realisieren", erklärt er. "Vielleicht fühlt es sich mit ein bisschen Abstand noch besser an."



Koch und Waldschmidt sind in der Ära Löw die Sportclub-Debütanten sechs und sieben. Bei keinem anderen Verein hat sich der deutsche Coach in den vergangenen sechs Jahren so häufig mit neuen Akteuren versorgt wie beim Sportclub. Eine Entwicklung, die auch andere Nationalspieler bemerkenswert finden. "Ich weiß nicht, ob es oft vorkommt, dass zwei Spieler des SC Freiburg eingeladen werden und dann noch von Anfang an spielen", sagt Kai Havertz. Das sei etwas Besonderes. Waldschmidt und Koch attestiert der Leverkusener sehr gerne eine gute Leistung. "Das freut auch die Bundesliga, dass Spieler des SC Freiburg, Spieler von kleineren Vereinen in der Nationalmannschaft spielen können."