Lufthansa am Boden

Rolf Obertreis

Von Rolf Obertreis

Di, 22. September 2020

Wirtschaft

Trotz Staatshilfe verharrt die Fluglinie in der Krise / Mehr Jets werden stillgelegt, mehr Jobs gestrichen.

. Die Lufthansa tritt wegen der Folgen der Corona-Pandemie noch massiver auf die Kostenbremse. Nicht 100, sondern 150 der noch 760 Jets werden dauerhaft ausgemustert. Die Flotte der 14 Doppelstock-Flieger vom Typ Airbus A380 bleibt am Boden, wie auch 16 Maschinen vom Typ A340-600. Damit endet die Ära des A 380 bei Lufthansa. Zudem fallen mehr Stellen weg als bisher bekannt.

Nur im Falle einer unerwartet raschen Markterholung könnten einige Großraum-Flieger wieder aktiviert werden, hieß es am Montag. Dies hat einschneidende Folgen für die Beschäftigung: Bei einem Abbau von 22 000 Vollzeitstellen wird es nicht bleiben. Es dürften mindestens mehrere Tausend dazukommen. Experten rechnen mit 26 000 der aktuell weltweit noch 128 000 Arbeitsplätze.

Der Vorstand beschloss den verschärften Sparkurs am Montag. Hauptgrund ist die enttäuschende Entwicklung der Buchungszahlen. "Die Aussichten für den internationalen Luftverkehr haben sich in den vergangenen Wochen deutlich eingetrübt", teilte die Lufthansa mit. Neben den Einreisebeschränkungen in vielen Ländern gibt es mittlerweile auch im innereuropäischen Verkehr Probleme, weil die Infektionszahlen in Spanien und Frankreich massiv steigen. Nachdem sich im Juli und August eine leichte Erholung auf etwa 25 Prozent des Vorjahresniveaus gezeigt hatte, rutschten die Buchungen im September wieder ab.

Für Oktober liegen der Lufthansa nach eigenen Angaben bisher nur zehn Prozent der Buchungen des Vorjahres vor. Aktuell verbrenne die Lufthansa in 90 Minuten eine Million Euro, hieß es vergangene Woche. Bleibt es dabei, reiche das Geld und damit auch die Staatshilfe des Bundes nur noch 18 Monate. Nur die Staatshilfe aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Belgien in Höhe von zusammen neun Milliarden Euro hatte den Kollaps des hoch verschuldeten Unternehmens verhindert. Bisher hatte der Vorstand erwartet, im vierten Quartal etwa die Hälfte des Vorjahresflugplans fliegen zu können. Jetzt geht er nur noch von 20 bis 30 Prozent aus. Die mittelfristige Flottenplanung wird angepasst. Sechs A380 waren im Frühjahr außer Dienst gestellt worden. Manche nimmt Airbus zurück. Jetzt kommen die übrigen acht Doppelstock-Flieger sowie die Langstrecken-Jets vom Typ A340-600 dazu. Dies erfordert Wertberichtigungen in Höhe von 1,1 Milliarden Euro. Sie belasten das Ergebnis im dritten Quartal.

Zum Sparplan gehört auch, die Zahl der Führungspositionen bis zum ersten Quartal 2021 um ein Fünftel zu reduzieren. Die Verwaltungsflächen in Deutschland werden um 30 Prozent reduziert. Trotz der Einschnitte hofft Lufthansa-Chef Carsten Spohr, die Zahl der Kündigungen begrenzen zu können. Dabei setzt er in den Verhandlungen mit den Gewerkschaften unter anderem auf Teilzeitmodelle mit Einkommenseinbußen. Ziel ist, den aktuellen Mittelabfluss von einer halben Milliarde Euro im Monat auf im Schnitt 400 Millionen in den Wintermonaten 2020/2021 zu begrenzen. Im Verlauf des nächsten Jahres will Lufthansa dann wieder Einnahmen erwirtschaften.