Corona-Hilfen

Man sollte das Geld ans Pflegepersonal verteilen

Gereon Janzing (Friedenweiler-Rötenbach)

Von Gereon Janzing (Friedenweiler-Rötenbach)

Mi, 13. Januar 2021

Leserbriefe

Zu: "Ökonomen: Corona-Krise kostet 212 Milliarden Euro", Agenturmeldung (Politik, 28. Dezember)

Vieles lese ich gern in der BZ. Aber was soll man bitte mit so einem nichtssagenden Artikel anfangen? Sachlich müssten zwei Fragen geklärt werden: Wer hat konkret Geld verloren, und wer ist Nutznießer? Denken wir daran, dass Geldausgeben ein Nullsummenprozess ist. Das Geld verschwindet nicht aus dem Gesamtsystem, sondern geht von einer Person auf eine andere über. Wegen Corona haben manche weniger Einnahmen, das stimmt, manche haben entsprechend weniger Ausgaben, was sie nicht unbedingt ärmer macht. Der Staat hat weniger Steuereinnahmen, auch das ist richtig.

Aber es klingt in den Medien in aller Regel so, als wäre das Geld insgesamt weniger geworden, was einen eklatanten Mangel an systemischem Denken offenbart. Das Geld ist nur weniger in Bewegung. Innerhalb von Ökosystemen gibt es, wie jeder ökologisch Interessierte weiß, maximal logistisches Wachstum. Wie kann man 48 Jahre nach den "Grenzen des Wachstums" immer noch das Wirtschaftswachstum so verklärt darstellen? Gibt es immer noch nicht genug Artenschwund und immer noch nicht genug Mikroplastik in der Umwelt?

Außerdem muss man annehmen, dass der deutsche Staat zu viel Geld hat, wenn er einem Unternehmen wie TUI Milliarden in den Rachen schiebt. Es gibt gewichtige Gründe, dieses Unternehmen nicht zu beschenken. Erstens hat es keines seiner Kreuzfahrtschiffe unter deutscher Flagge. Zweitens hat Deutschland das Pariser Klimaabkommen unterzeichnet und ist so nicht berechtigt, Kreuzfahrtschiffe mit Milliardengeschenken zu fördern. Wäre es nicht menschenfreundlicher, die Milliarden unterm Pflegepersonal zu verteilen, an Menschen, die in dieser Krise für Billiglohn einen unschätzbaren Mehrwert für die Gesellschaft leisten? Gereon Janzing, Friedenweiler-Rötenbach