Kinderbetreuung

Mangel an Betreuungsplätzen in Bad Säckingen verschärft sich weiter

Stefan Ammann

Von Stefan Ammann

Mi, 15. Januar 2020 um 08:40 Uhr

Bad Säckingen

Eltern drohen die Stadt auf einen Betreuungsplatz zu verklagen. Der Gemeinderat hat beschlossen, den Kindergarten auf dem Gesundheitscampus gleich für vier anstatt nur für drei Gruppen zu bauen.

Als Claudia Götz im vergangenen November die Situation bei der Kinderbetreuung im Gemeinderat vorgestellt hatte, waren die Zahlen schon alarmierend. Inzwischen hat sich die Lage weiter zugespitzt, berichtete die städtische Referatsleiterin jetzt in der jüngsten Ratssitzung. Warteten vor drei Monaten noch 72 Kinder in Bad Säckingen auf einen Betreuungsplatz für das laufende Kindergartenjahr, sind es inzwischen schon 92. Die Vorverlegung des Stichtages für die Einschulung auf den 30. Juni und weitere Zuzüge könnten die Situation in Zukunft sogar noch weiter verschärfen, warnte Claudia Götz. Sie mahnte deshalb eindringlich, den geplanten Kindergarten auf dem Gesundheitscampus im kommenden Jahr gleich mit vier Gruppen starten zu lassen.

Eröffnungstermin verschiebt sich

Ursprünglich ist das Gebäude nur für drei Gruppen geplant – allerdings mit einer späteren Erweiterungsoption auf vier Gruppen und einer Wohnung im Obergeschoss, wo Tagesmütter ihre Dienste anbieten könnten. Diese Option nun von vorne herein beim Neubau zu berücksichtigen, wäre kein Problem, erläuterte Architekt Franz Michler. Er versprach sogar, dass trotzdem der Baubeginn am 19. Februar eingehalten werden könne. Lediglich das geplante Fertigstellungsdatum Ende April 2021 würde sich mit der Erweiterung um einige Wochen verschieben. Michler rechnet mit etwa 800.000 Euro zusätzlich zu den ursprünglich veranschlagten 3,3 Millionen.Angesichts dieser Tatsachen sprach sich der Rat einstimmig dafür aus, gleich die Kindergartenerweiterung noch vor Baubeginn in Auftrag zu geben. Die "kleine Option" – für 40.000 Euro Jahresmiete einen Baucontainer für die vierte Gruppe auf dem Gelände aufzustellen – wurde nicht weiter debattiert.

Zweite Gruppe im Waldkindergarten

Eine weitere Idee, die zumindest kurzfristig Abhilfe beim chronischen Betreuungsmangel schaffen könnte, fand ebenfalls die einhellige Zustimmung im Gemeinderat. Die Stadtverwaltung will sich mit der Caritas in Verbindung setzten und klären, ob der Waldkindergarten auf zwei Gruppen aufgestockt werden könnte. Auf dem Gelände sei genügend Platz. Es bräuchte nur einen zweiten Bauwagen und eine weitere Betreuungskraft, so Claudia Götz.

Klagen von Eltern drohen

Genau solche kurzfristig umsetzbaren Ideen werden in Bad Säckingen dringend gebraucht. Sonst könnte bald noch ein wesentlich größeres Problem auf die Stadt zukommen: "Es kommen in den letzten Wochen immer mehr Eltern zu mir, die mit Klage drohen", warnte Claudia Götz. Seit 2013 gibt nämlich in Baden-Württemberg einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder ab dem ersten Lebensjahr. Ein Umstand, der im Rat einmal mehr für Unmut sorgte. "Es kann nicht sein, dass uns andere Vorgaben machen und wir werden dann am Ende verklagt", ärgerte sich CDU-Fraktionssprecher Michael Maier. Dieser Einschätzung stimmte auch Bürgermeister Alexander Guhl zu. "Es ist kaum zu vermitteln, dass wir so viel kommunales Geld für den Campuskindergarten in die Hand nehmen und dann keinerlei Förderung bekommen", klagte das Stadtoberhaupt. "Es ist ein Skandal, dass jemand anderes bestellt und wir bezahlen müssen", so der Bürgermeister.