Nachwuchs

Jungstörche in Hugstetten bekommen zu Forschungszwecken Ringe angelegt

Elena Hunn

Von Elena Hunn

Do, 23. Mai 2019 um 18:40 Uhr

March

Auf dem Hugstetter Kirchturm wird in diesem Jahr im Breisgau der erste Storchennachwuchs beringt. Plastik und Regen gefährden die Vögel, deren Flugroute das Max Plack Institut nun verfolgen kann.

Hoch hinaus auf den Hugstetter Kirchturm ging es am Donnerstag für Gustav Bickel vom Verein Weissstorch-Breisgau, wo die ersten Storchenjungen im Breisgau beringt wurden.

Sanft hält Gustav Bickel ein Junges fest, das mit dem Schnabel nach ihm pickt – die beiden Jungtiere wissen sich bereits zu wehren. "Die Nummer auf dem Ring ist so beliebig wie ein Autokennzeichen" sagt Bickel. Da das Jahr 2019 ein ungerades ist, wird der er am linken Bein der Störche angebracht. Ein Klacken ertönt, als die beiden Ringhälften einrasten – nun sind die beiden Storchenjungen mit der Nummer A6M00 und A6M01 beringt.

Das Max Plack Institut verwaltet die Daten

Die Daten werden dann an die Zentrale, das Max Plack Institut für Ornithologie in Radolfszell, weitergegeben. Weniger Ringe als es Jungtiere gibt, hat Bickel dieses Jahr geliefert bekommen. Dies liegt zum Teil an den Kosten von drei Euro pro Stück, aber auch am Zeitaufwand. Storchenbetreuer ist ein Ehrenamt und der Verein ist auf Spenden angewiesen. Von ursprünglich fünf Jungen haben es in Hugstetten zwei geschafft " Das ist der Lauf der Natur", sagt Stefan Graner von der Feuerwehr March, der sich gemeinsam mit Hans Müller um die Störche in Hugstetten kümmert.

Wie in Hugstetten schaffen es meist nur die ersten zwei Vögel – ihre jüngeren Geschwister sind schwächer und können sich beim Kampf um das Futter nicht behaupten. "Die Storchenjungen, die eingegangen sind, werden von ihren Eltern aus dem Nest geworfen oder im Nest vergraben" ,so Bickel.

Plastikstücke und Starkregen gefährden die Jungtiere

Obwohl die Brut schon geschlüpft ist, hört der Nestbau für die Storcheneltern nicht auf. Sie bringen weiterhin Gräser, Steinchen und Äste von ihren Ausflügen mit – auch Plastikstückchen finden Bickel und Graner immer wieder in den Nestern. Bickel zupft ein Stück Gummi aus den Ästen hervor: "Wäre dieses Stück etwas kleiner, hätten die Jungen es für einen Wurm gehalten und gefressen", sagt er.

Die regnerischen Zeiten wie den letzten Wochen können auch gefährlich werden. Durch ständig zugetragene Nestpolsterung und den Kot der Tiere verdichtet sich mit der Zeit der Boden des Nestes, so dass das Wasser nicht versickern kann und die Jungstörche ertrinken. Aus diesem Grund sind in Kirchzarten und Ebnet Verluste zu beklagen – die gesamte Brut von fünf und vier Jungen ist dort eingegangen.

" Wir wollen die Störche so artgerecht wie möglich halten." Gustav Bickel
"Die beiden sind schon älter, sie haben schon ein richtiges Gefieder, an dem das Wasser abperlen kann, sagt Bickel mit Blick auf die Hugstetter Störche. Jüngere Tiere haben nur Flaumfedern, die das Wasser aufsaugen. So kühlen sie bei Dauerregen aus und erfrieren. Sollte man die Störche da nicht schützen und sie aus dem Nest nehmen? " Wir wollen die Störche so artgerecht wie möglich halten", sagt Bickel dazu. Bei etwa 130 Nestern, die er im Breisgau betreut, könne man dies auch gar nicht umsetzten. Und da die Storchenpopulation wächst, sei der Verlust zu verkraften. "Früher gab es das auch schon", fügt Hans Müller hinzu, "das ist natürlich."

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