Schmutziger Dunnschdig

Markgräfler Narren feiern den Fasnachtsauftakt im Corona-Modus

hub, ehm, sh, rast

Von Alexander Huber, Susanne Ehmann, Simone Höhl & rast

Do, 11. Februar 2021 um 19:45 Uhr

Neuenburg

Digital, distanziert und kreativ sind die Aktionen, die sich die Narren 2021 ausgedacht haben Malteserfunken, Rhiischnooge, Eselstupfer, Burgunderrätzer, Rotlaubkäuzle und Driebelbisser.

So leicht geben die Markgräfler Narren nicht auf: Es wäre doch gelacht, wenn sich Corona nicht wenigstens ein kleines Schnippchen schlagen ließe, haben sich viele Fasnächtler in der Region gedacht und dabei zum Start der "heißen Phase" rund um den Schmutzige Dunschtig allerlei kreative Aktionen ersonnen. Eine kleine Auswahl davon gibt es hier.

Kauziger Rathaussturm

Brauchtumswagen voraus! Die Rotlaubkäuzle haben einen Umzug durch Eschbach veranstaltet: "Streng coronakonform mit Autocorso", erklärte Rudolf Pfunder, der mit Jan-Hendrik Probst den Narrenzug anführte. In jedes dekorierte Auto durften nur Mitglieder eines Haushalts plus eine weitere Person sitzen und keiner durfte aussteigen. Der Umzug führte am Rathaus vorbei, um Mario Schlafke aus dem Amt zu hupen: "Auf, auf, Bürgermeister!" Auch die Eschbacher Narren haben ein Video im Kasten, mit gefesseltem Schultes und Jahresbilanz, zu sehen auf den Facebook- und Instagramseiten der Rotlaubkäuzle.



Der Rathausschlüssel ist weg

Bürgermeister Patrick Becker war chancenlos: Ein Hohlrai-Feger der Castellberger Driebelbisser überwältigte ihn am Schmutzige Dunnschtig vor dem Ballrechten-Dottinger Rathaus und nahm ihm den Rathausschlüssel ab. Zwar durfte er noch ein paar Worte an seine Bürger richten, dann aber setzten ihn die Driebelbisser für die Fasnachtstage ab – der Jubel war groß. Schon einige Tage zuvor hatten die Vorbereitungen für diesen wichtigen Tag begonnen, mit dem Schlagen des Narrenbaums im Ballrechter Wald. Zwei Hohlrai-Feger waren nötig, das närrische Symbol aufzustellen. Wer’s nicht glaubt: Hier gibt’s das Video.



Bühnendeko als Lebenszeichen

Ein Hai und zwei elegante Mannequins samt einem großen Plakat der Burgunderrätzer zieren den neuen Brunnen an der Auggener Straße in Mauchen. Sie stammen von der Bühnendekoration, die in "normalen" Zeiten für die bunten Abende gebraucht wird. Im vergangenen Jahr wurden mit dem Hai die neuen "Bächle" in Mauchen aufs Korn genommen. "Jetzt haben wir damit ein Lebenszeichen gesetzt, damit das Dorf weiß, dass es uns noch gibt", sagt Kai Fischer vom Vorstand der Burgunderrätzer, die in diesem Jahr 30 Jahre alt werden. Doch auch anderweitig war die Mauchener Truppe, die sich vor allem der Guggemusik verschrieben hat, trotz Corona fasnächtlich aktiv. Am Donnerstagabend stand eine Online-Sitzung an – mit Fotowettbewerb für die jungen Mitglieder und einem Video, das in Erinnerungen an vergangene Fasnachtsaktivitäten schwelgt.



Virtuell gestürmt

Das Rathaus in Badenweiler stürmte Eselstupfer-Vorstand Christian Schmitt am Schmutzige Dunnschdig coronakonform aus dem Homeoffice – Gerüchten zufolge ohne Hose, ein Trend, der im Lockdown in manche Heimbüros eingekehrt ist. Bürgermeister Vincenz Wissler sah ihn auf dem Bildschirm im Rathaus ohnehin nur oberhalb der Gürtellinie. Auch sonst empfand der Rathauschef den Sturm diesmal wesentlich angenehmer: "Nit wie letztes Johr wo sich in de Gänge die Narren umher trieben." Aber auch virtuell können Narren Unfrieden stiften: So schickten die Eselstupfer dem Bürgermeister Perücke und Schminke ins Rathaus und verpassten ihm ein närrisches Outfit, bevor er dann ins Exil ging.



Fasnacht mit Abstand

Die Neuenburger Narrenzunft D’Rhiischnooge haben sich am Schmutzige Dunnschdig von Corona nicht beirren lassen und traditionell um 19.11 Uhr das Rathaus gestürmt, Bürgermeister Joachim Schuster abgesetzt und die Proklamation der Fasnacht 2021 vollzogen. Zunftmeister Tobias Anlicker nahm dem Bürgermeister den Rathausschlüssel ab – ganz coronakonform mit Abstand. Für ein bisschen Fasnachtfeiern vom heimischen Sofa aus wurde das Ganze in einem Film festgehalten, der auf Rhiischnoog-TV zu sehen ist. Schnoog, Schnoog!



Facettenreicher Live-Auftritt

In die Zukunft begeben sich die Jungfunken der Malterserfunken Heitersheim bei der "Reise des jungen Funkens". Ein Jungfunke erzählt im Alter von 80 Jahren von der Fasnacht 40 Jahre zuvor. Ein Live-Auftritt, besteht aus alten Sequenzen, neuen Sequenzen, die vor dem Green-Screen entstehen, und diversen Möglichkeiten, sich als Zuschauer einzubringen. Das Foto zeigt den Erzähler, den "alten Mann", bei Dreharbeiten vor dem Green-Screen. Einige Szenen, quasi der rote Faden, seien vorgefilmt worden, erklärt Mirco Philipp von den Jungfunken, der den Live-Auftritt mit seiner Agentur MP-Events veranstaltet. Zu sehen ist das etwa eineinhalbstündige Event am Samstag, 13. Februar, ab 19.11 Uhr auf YouTube, dort zu finden unter "Malterserfunken Heitersheim".