Coronavirus

Markgräflerland Klinik in Bad Bellingen schließt wegen Coronavirus

Ralf Strittmatter

Von Ralf Strittmatter

Do, 19. März 2020 um 18:49 Uhr

Bad Bellingen

Aufgrund von neun bestätigten Coronainfektionen hat die Markgräflerland Klinik in Bad Bellingen am Donnerstag ihren Betrieb eingestellt.

Die Markgräflerland Klinik Bad Bellingen, Reha-Klinik für orthopädische und rheumatische Erkrankungen, hat ihren Betrieb seit Donnerstag, 19. März, bis auf Weiteres eingestellt. Grund dafür sind neun bestätigte Coronafälle – fünf Patienten und vier Mitarbeiter. Die Ansteckungen gehen auf einen Teilnehmer an der Fastenwoche der evangelikalen Freikirche "Porte Ouverte" im elsässischen Mulhouse zurück.

"Unser Betrieb lief bis vergangenen Freitag auf Volllast", sagt Verwaltungsleiter Hans Runge auf Nachfrage. Dann kam der Anruf vom Gesundheitsamt Lörrach, dass ein Patient, der am 28. Februar aus der Klinik abgereist war, positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Laut Runge seien daraufhin alle Gruppentherapien ausgesetzt und mögliche Kontaktpersonen ermittelt worden.

Ein Patient hat sich in Mulhouse angesteckt

Von einem Mitarbeiter und zwei Patienten, die Kontakte mit dem Erkrankten hatten, sei wiederum ein Patient positiv auf Corona getestet worden. "Auch dessen Kontakte wie Tischpartner wurden ermittelt und in Quarantäne nach Hause entlassen", sagt Runge. Vier Mitarbeiter der Klinik hätten sich ebenfalls bei dem Patienten mit Corona angesteckt, wovon drei bereits wegen Symptomen nicht mehr zur Arbeit kamen.



Angefangen haben soll diese Kette bei einer Feier der evangelikalen Freikirche "Porte Ouverte" in Mulhouse, an der 2000 Menschen teilnahmen und die in Frankreich als Ursprung zahlreicher Coronaerkrankten gilt. Laut Angaben des Gesundheitsamts Lörrach hat sich der erste erkrankte Patient der Markgräflerland Klinik dort am 23. Februar mit dem Coronavirus infiziert. Laut Runge sollen insgesamt sieben deutsche Teilnehmer an der Fastenwoche der Freikirche im Elsass ausfindig gemacht worden sein, die alle positiv auf die Lungenkrankheit getestet wurden.

Rund 100 Patienten wurden in häusliche Quarantäne entlassen

Bereits vergangenen Sonntag haben Runge zufolge elf Patienten freiwillig die Markgräflerland Klinik verlassen. Am Montag habe das Klinikpersonal bei Mitarbeitern und Patienten rund 20 Tests abgenommen und ins Labor nach Freiburg geschickt. Die Bestätigung der neun positiven Tests erhielt das Reha-Krankenhaus am Dienstag. Und noch ein sechster Patient soll sich laut Runge am 4. März mit Corona infiziert haben: "Dessen Frau hat uns informiert, dass ihr Mann mit schweren Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert wurde." Zwischenzeitlich sind auch die übrigen rund hundert Menschen, die in Bad Bellingen zur Reha nach einer Knie- oder Hüftoperation behandelt wurden, in häusliche Quarantäne entlassen worden. "Bei vielen können wir nicht sicher sagen, ob sie Corona haben oder nicht", sagt Runge. Um eine mögliche Weiterverbreitung zu vermeiden, sei ihnen die Heimfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln untersagt worden, woraufhin die Entlassenen selbstständig Fahrgemeinschaften bildeten.

"Derzeit werden die hundert Abreisen noch administrativ abgewickelt", sagt Runge. Für die 98 Mitarbeiter versuche er nun, Kurzarbeitgeld zu beantragen. Die Klinik will den Betrieb frühestens in zwei Wochen wieder aufnehmen. Um das vorzubereiten, sagt Runge, sei zumindest in der Verwaltung immer jemand als Ansprechpartner vor Ort.

Die Markgräfler Klinik ist keine kommunale Einrichtung, sondern gehört einem privaten Betreiber vom Bodensee. Trotzdem hat Bad Bellingens Bürgermeister Carsten Vogelpohl bezüglich der Schließung der Einrichtung aufgrund der Coronafälle bereits mit Verwaltungsleiter Hans Runge und der Landrätin des Landkreises Lörrach Marion Dammann gesprochen. Man überlege nun, ob das Krankenhaus und sein Personal in der Coronakrise anders genutzt werden könne, so Bürgermeister Vogelpohl.