Harte Lockdowns

Maßnahmen europäischer Staaten gegen die zweite Corona-Welle

dpa

Von dpa

So, 15. November 2020 um 20:06 Uhr

Ausland

Ausgangsbeschränkungen, Schul- und Geschäftsschließungen: Österreich verhängt im Kampf gegen das Coronavirus einen harten Lockdown an. Auch andere Länder verschärfen ihre Corona-Regeln.

"Jeder soziale Kontakt ist einer zu viel": Mit dieser Begründung hat Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz am Samstag einen neuen harten Lockdown mit Ausgangsbeschränkungen rund um die Uhr sowie Schul- und Geschäftsschließungen verkündet. Grund sind die ungebremst steigenden Infektionszahlen trotz eines vor zwei Wochen verhängten Teil-Lockdowns samt nächtlicher Ausgangssperre. Auch andere EU-Länder verschärften ihre Corona-Regeln.

"Treffen Sie niemanden. Verbringen Sie die Freizeit ausschließlich mit den Menschen, mit denen Sie auch im Haushalt leben", appellierte Kanzler Kurz bei der Bekanntgabe der neuen Beschränkungen, die ab Dienstag gelten und vorerst bis zum 6. Dezember befristet sind. Mit den Maßnahmen sollten die Infektionszahlen gesenkt und Weihnachten gerettet werden. Die Regierung will außerdem Corona-Massentests zumindest bei Teilen der Bevölkerung durchführen. Vorbild sei die Slowakei, die an zwei Wochenenden einen Großteil ihrer 5,5 Millionen Einwohnern getestet und Zehntausende Corona-Infizierte in Quarantäne geschickt hatte. Schnelltests seien mittlerweile in millionenfacher Stückzahl am Markt verfügbar, so Kurz. Über die genauen Pläne wolle die Regierung im Lauf der Woche informieren.

Österreich dehnt Ausgangsbeschränkungen auf den Tag aus

Gemessen an der Einwohnerzahl hat Österreich laut der österreichischen Nachrichtenagentur APA weltweit derzeit die höchste Rate an gemeldeten Corona-Neuinfektionen. Die Verschärfung der Maßnahmen sei auch deshalb notwendig, weil Infektionsketten immer schlechter nachverfolgt werden könnten, sagte Kurz bei einer Pressekonferenz in Wien. Mehr als drei Viertel der Neuinfektionen könnten von den Behörden nicht mehr zurückverfolgt werden.

Die Ausgangsbeschränkungen, die derzeit bereits in der Nacht gelten, werden ab Dienstag auf den ganzen Tag ausgedehnt. Ausnahmen gibt es nur noch für den Weg zur Arbeit, zum Arzt oder zum Einkaufen und für Sport und Spaziergänge im Freien. Der gesamte Handel muss schließen, Ausnahmen gelten nur für Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Drogerien, Banken und Postämter.

Wegen der steigenden Corona-Zahlen spitzte sich die Situation in Österreichs Krankenhäusern zuletzt zu. Viele Krankenhausmitarbeiter seien bald "am Ende ihrer Kräfte", warnte Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Am Freitag wurden in dem 8,8-Millionen-Einwohner-Land fast 10 000 Neuansteckungen binnen 24 Stunden gemeldet, am Samstag waren es knapp 7100 neue Corona-Fälle.

Ausgangssperren in Portugal, Rote Zonen in Italien

Auch Griechenland kündigte die Schließung seiner Grundschulen, Kindergärten und Krippen bis Ende des Monats an. Mittel- und Oberstufen sind bereits geschlossen. Seit Ende Oktober hat sich die Zahl der täglichen Todesfälle in dem Land vervierfacht. Die Zahl der täglichen Neuinfektionen hat sich verdoppelt und lag zuletzt bei rund 3000. Von insgesamt 1143 Betten auf den Intensivstationen waren am Freitag 830 belegt.

In Portugal gilt seit Samstag für 70 Prozent der Bevölkerung eine Ausgangssperre ab 13 Uhr an den Wochenenden. Italien stufte wegen hoher Infektionszahlen die Toskana und Kampanien als "rote Zone" ein. Insgesamt sind damit rund 26 der 60 Millionen Einwohner Italiens von strikten Corona-Auflagen betroffen. Besonders schlimm ist die Situation derzeit in der kampanischen Regionalhauptstadt Neapel, wo die Krankenhäuser schon so überfüllt sind, dass Patienten in ihren Autos behandelt werden müssen oder in Rettungswagen mit dem Tode ringen. Mittlerweile haben sich mehr als eine Million Menschen in dem Land infiziert, mehr als 44 000 Infizierte sind gestorben.

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