Wahlkreis 281 (Freiburg)

Matern von Marschall (CDU) will zurück zur Schuldenbremse

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Do, 09. September 2021 um 12:00 Uhr

Freiburg

Matern von Marschall ist der CDU-Kandidat im Wahlkreis Freiburg bei der Bundestagswahl. Für die BZ hat er die aus seiner Sicht sieben größten Herausforderungen und mögliche Lösungen benannt.

Matern von Marschall (59)

Sein kompletter Name lautet Matern Freiherr Marschall von Bieberstein. Der gebürtige Freiburger hat Romanistik und Geschichte in Köln, Sevilla und Madrid studiert und als Verlagskaufmann gearbeitet. 2003 gründete er zusammen mit Corinna Zimber in Freiburg den Audiobuch Verlag. 2009 wurde der in March-Neuershausen lebende von Marschall Ortsvorsitzender der CDU March, vier Jahre später zog er als direkt gewählter Abgeordneter für den Wahlkreis 281 (Freiburg) in den Bundestag ein. Das Direktmandat konnte er auch 2017 wieder erringen. Er ist unter anderem Mitglied des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, des Auswärtigen Ausschusses sowie im Bundestag Mitglied im Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung. Von Marschall ist verheiratet und hat zwei Kinder.
E-Mail: [email protected]

Sieben Dinge, die wir jetzt angehen müssen und meine Vorschläge dazu:

  • Folgen der Pandemie: Vor allem Kinder hat es in der Pandemie hart getroffen, weil sie ihre Freunde nicht sehen könnten. Es gibt dabei unterschiedliche Notlagen: In der einen Familie konnten Eltern aufgrund ihrer beruflichen Situation daheimbleiben und mehr für ihre Kinder da sein, in anderen Familien waren Kinder daheim allein.
  • Wir sollten die Familien stärken und insbesondere die Kinder, die sehr gelitten haben. Das muss gesamtgesellschaftlich im Vordergrund stehen. Da gibt es zwar Spannungen mit arbeitsmarktpolitischen Themen, aber das muss man aushalten. Zielgenau helfen! Und nicht mit dem Gießkannenprinzip!

  • Generationengerechtigkeit: Deutschland hat im Vergleich zu allen anderen Staaten mit am meisten in der Pandemie helfen können. Das ging, weil der Staat finanziell gut dastand. Zur Bewältigung der Krise mussten wir eine erhebliche Neuverschuldung auf uns nehmen. Das war in Ordnung, aber die Tilgungspläne werden uns belasten.
  • Wir brauchen eine solide Finanzpolitik und müssen so schnell es geht zur Schuldenbremse zurückkommen. Alle Parteien links der CDU reden einer Neuverschuldung das Wort – ich bin dagegen. Auch, dass wir jetzt die Steuern erhöhen, das würde der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen schaden.

  • Grenzüberschreitender Klimaschutz: Der Aufbau eines grenzüberschreitenden Netzes für saubere Energie – Wasserstoff – muss ergänzt werden durch grenzüberschreitenden Schienenverkehr. Das heißt auch, dass wir die Rheintalbahn für den Güter- und Personenverkehr endlich fertigstellen müssen.
  • Ich möchte, dass wir mit Frankreich zusammen ein Wasserstoff-Innovationszentrum hier am Oberrhein entwickeln. Und wir brauchen einen hochrangig angesiedelten Beauftragten für die deutsch-französische Zusammenarbeit, sonst wird unser europäischer Motor nicht gut laufen.

  • Belebung der Innenstädte: Bei vielen Einzelhändlern ist die Situation dramatisch, weil sie keine Nachfolger finden. Attraktive Innenstädte sind eine Zukunftsaufgabe, aber auch ein attraktiver ländlicher Raum, das muss man zusammen sehen: Stadt und Land gemeinsam.
  • Die Einzelhändler in Freiburg leben davon, dass auch Leute aus Bötzingen in die Stadt kommen und da einkaufen. Aber sie müssen auch parken können, und nicht zu exorbitanten Summen. Umgekehrt wollen wir auch, dass das Land zum Leben in der Stadt beiträgt – ich begreife das als Auftrag zur Vermittlung.

  • Digitalisierung: Im Vergleich zu Unternehmen sind Verwaltungen langsam bei der Digitalisierung, Planungsprozesse dauern viel zu lang, jede Kleinigkeit wird geregelt. Das geht so nicht.
  • Bürger sollten keine nervigen Amtsgänge mehr machen müssen. Für Unternehmen sollten Planungsunterlagen vollständig digital, einsehbar und damit transparent sein. Wir brauchen dazu einheitliche Standards.

  • Globalisierung: Wenn wir nicht beitragen, die Probleme der Welt in ihren Ursprungsländern zu lindern, kommen die Probleme zu uns.
  • Wir müssen Außen-, Entwicklungs- und Sicherheitspolitik zusammen denken und europäisieren. In wichtigen Dingen müssen wir als Nation auch bereit sein, Souveränität abzugeben.

  • Krisenfester werden: Wir als Exportnation sollten Lieferketten und Wirtschaftspolitik kritisch betrachten. Mich hat erschüttert, als ich hörte, was eine Besetzung Taiwans durch China bedeuten würde.
  • Wir müssen sorgsam drauf achten, ob unsere Lieferbeziehungen auch funktionieren. Manches müssen wir unter dem Eindruck der Krisen, die hinter uns liegen, ausbalancieren.


Matern von Marschall im BZ-Fragenwirbel


So kam ich zur Politik

Schon in der Familie haben wir kontrovers politisch diskutiert, mein Vater hat das sehr gefördert. Als ich 2002 nach Freiburg zurückkam, hat mich der damalige Vorsitzende der CDU March am Schlafittchen gepackt, und relativ bald war ich Ortsvorsitzender. 2012 stand die CDU dann vor der Frage: Was machen wir mit dem Wahlkreis Freiburg? Ich hatte den Eindruck, man solle auch nach langen Jahren der Dürre nicht kleinmütig sein, sondern mutig rangehen. Am Ende war der Trend ausschlaggebend und ich holte das Direktmandat. Gegen den Trend kommt man nicht an, diese Demut lernt man mit den Jahren.

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