Wertzeichen

Matrixmarke der Post sorgt für Verwirrung

Valentin Heneka

Von Valentin Heneka

Fr, 10. Juni 2022 um 15:47 Uhr

Wirtschaft

Seit 2021 gibt die Post Briefmarken mit Matrixcode heraus. Dadurch wird die Sendung verfolgbar. Fehlt der Code, kann die Post Schadensersatz fordern, wie der Fall einer BZ-Leserin zeigt.

Anna Zubeil war überrascht: Der Brief an ihren Sohn, den die BZ-Leserin aus Lörrach drei Wochen zuvor verschickt hatte, war ausreichend frankiert – trotzdem kam er zurück. Und nicht nur das: In einem beiliegenden Schreiben teilt die Deutsche Post Zubeil mit, dass sie im Wiederholungsfall nicht nur das fehlende Porto, sondern auch 50 Euro Schadensersatz zahlen müsse. Was war passiert?

Im Schreiben der Post heißt es, dass Zubeil eine Briefmarke mit einem Matrixcode verwendet habe. Wenn dieser unbrauchbar gemacht werde, handle es sich nicht mehr um eine gültige Frankierung. Tatsächlich ist auf einem Foto von Zubeils Briefumschlag zu erkennen, dass die verwendete Briefmarke an einer Seite abgerissen war. Von einem Matrixcode hatte Zubeil aber noch nie gehört.

Jeder Matrixcode ist ein Unikat

Bei der Post sind Matrixcodes nichts Neues: Seit den frühen Nullerjahren werden sie in Form von Internetmarken oder durch Frankiermaschinen auf Sendungen aufgebracht. Im Februar 2021 hat die Post zudem eine neue Generation von klassischen Briefmarken eingeführt. Neben einem Bildmotiv ist darauf ein länglicher Matrixcode zu sehen. Wie ein QR-Code besteht er aus einem schwarz-weißen Kästchenmuster. Während QR-Codes aber grundsätzlich quadratisch sind, können Matrixcodes auch rechteckig sein – das spart Platz. Kürzlich teilte die Post mit, bereits mehr als eine Milliarde Matrixmarken verkauft zu haben. Seit 2022 tragen alle neu verkauften Briefmarken Matrixcodes, bereits gekaufte Marken behalten jedoch ihre Gültigkeit.

In erster Linie dienen die Codes der Post für interne Zwecke. Aber auch die Kundschaft kann sie nutzen: Scannt man den Code vor dem Versand mit der Post- und DHL-App ein, kann man später nachschauen, ob die Sendung bereits in einem Briefzentrum bearbeitet wurde. Wer für ein Einschreiben mit Sendungsverfolgung bezahlt, kann die Sendung bis an ihr Ziel verfolgen.

Da jeder Matrixcode ein Unikat ist, gelten die Marken als fälschungssicher. Eine Briefmarke mehrfach zu verwenden, soll nicht mehr möglich sein. Während ein Einschreiben früher mit einem zusätzlichen Aufkleber markiert werden musste, wird der Hinweis, dass es sich um ein Einschreiben handelt, jetzt digital mit dem Code verknüpft. Wird der Code in einem Briefzentrum gescannt, erkennen Maschinen, dass neben dem Porto auch ein Einschreiben bezahlt wurde. Die Codes helfen also der Post, Sendungen automatisiert zu verarbeiten.

Die Post empfiehlt, nur vollständige Marken aufzukleben

Sind die Codes nicht sichtbar, müssen Menschen kontrollieren, warum eine Sendung aussortiert wurde, sagt die Post. "Dieser Prüfaufwand und die erforderlichen Maßnahmen nehmen zusätzlich sowohl zeitliche als auch personelle Ressourcen in Anspruch", teilt Postsprecherin Sonja Radojicic auf BZ-Anfrage mit. Ob sich der Aufwand wirklich mit 50 Euro beziffern lässt, bleibt offen. Laut Post steht es Betroffenen frei, einen niedrigeren Schadenswert nachzuweisen – was sich in der Praxis jedoch schwierig gestalten dürfte.

BZ-Leserin Anna Zubeil jedenfalls ist froh, dass es die Post bei einer Verwarnung belassen hat. Sie habe den Code für unwichtig gehalten, sagt sie der BZ. Kein Einzelfall: Laut Post komme es immer wieder vor, dass Kundinnen und Kunden den Code in der Annahme entfernten, er gehöre nicht zur Marke. Um zu vermeiden, dass Sendungen zurückkommen oder gar Schadensersatz verlangt wird, empfiehlt Postsprecherin Radojicic, nur vollständige Marken aufzukleben. Das gelte auch für Marken ohne Matrixcode. Beschädigte Marken bis zu einem Portowert von 50 Euro könnten in vielen Postfilialen gegen gleichwertige Marken getauscht werden.

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