Motorsport

Max Dilger: Ein Bahnsportler im Kurzarbeitermodus

Uwe Schwerer

Von Uwe Schwerer

Mo, 16. November 2020 um 14:42 Uhr

Motorsport

Der Max Dilger aus Sulz fuhr in diesem Jahr lediglich 16 Rennen im Speedway und auf der Langbahn. Die WM-Qualifikation für 2021 hat er sich gesichert.

. "Sagen wir mal, mit zwei blauen Augen." Max Dilger lacht, dabei ist der Hintergrund durchaus ernst. Es geht um die Frage, wie der professionellen Motorradfahrer diese besondere Saison im Bahnsport überstanden hat. Der 31 Jahre alte Sulzer hatte, wie könnte es anders sein, auch unter der Pandemie zu leiden. Denn das Programm an Speedway- und Langbahnveranstaltungen war in dieser Saison, die vor einigen Tagen zu Ende gegangen ist, ziemlich überschaubar.

Seit 2009 ist Dilger, der als Fünfjähriger erstmals auf ein Rennmotorrad gesetzt wurde, als Berufsfahrer auf den Bahnen in Europa unterwegs. Auch die Frage, ob er schon mal so eine Saison erlebt habe wie die vergangene, steuert auf eine offensichtliche Antwort zu. "Zum Glück noch nicht. Ich hoffe, es kommt auch keine mehr in dieser Art. Ich hatte in diesem 16 Rennen und sonst sind es zwischen 35 und 45."

Was noch übrig blieb: Dieses Jahr hat der Sulzer an der Langbahn-EM teilgenommen. Wegen Corona wurde diese lediglich mit einem Tagesfinale in Südfrankreich ausgetragen. Dort bretterte Dilger auf den fünfter Platz. "In den Vorläufen habe ich einen Sturz und einen Plattfuß gehabt. Am Schluss haben mir dann ein paar Punkte für eine Platzierung weiter vorne gefehlt." Die Langbahn-Weltmeisterschaft wurde zu einer verkürzten Serie, bei der am Ende zwei Grand Prix stattfanden. Dilger wurde Achter.: "Ich habe in den Vorläufen gut gepunktet, habe aber dann jedes Mal das Halbfinale vergeigt. Das Wichtigste aber war, dass ich die Qualifikation für die WM 2021 geschafft habe."

In Deutschland fielen die Wettbewerbe der 1. Liga mit den Brokstedt Vikings und der 2. Bundesliga mit den Black Forest Eagles des MSC Berghaupten aus. Aber in der polnischen Liga war er unterwegs für das Team Kolejarz Rawicz. Einmal trat er als Gast in der französischen Liga auf. "Normalerweise wäre mit Sicherheit noch etwas dazugekommen. Mit einem Team der dänischen Liga gab es Verhandlungen." Doch die Krise hat Vieles verhindert. Dilger fuhr noch einige offene Speedway-Rennen. Der Speedway-Paar-Cup in Landshut am 29. Oktober aber war die einzige offizielle Meisterschaft in Deutschland. Dort verpasste er zusammen mit Erik Bachhuber den Podestplatz um einen Punkt. Dann war die Saison vorbei.

Der Berufssportler muss mit finanziellen Einbußen leben

Dilger der Berufssportler, muss mit finanziellen Einbußen leben. "Ich habe es noch nicht genau ausgerechnet, aber ich habe wohl im Vergleich zur vergangenen Saison weniger als 50 Prozent verdient. Dazu kam, dass ich etwas mehr als in den vergangenen Jahren investiert. Ich war nicht ganz zufrieden mit dem Maschinenmaterial und habe im Winter einiges erneuert und ausgetauscht." Die wirtschaftliche Lage traf auch Dilgers Sponsoren, die nicht so viel zusetzen konnten wie in den vergangenen Jahren. "Da ist erstmal die Firma am wichtigsten, da gibt man für Sponsoring und Werbezwecke etwas weniger aus", so der Bahnfahrer. "Normalerweise kostet eine Saison 60 000 bis 70 000 Euro. Aber weniger Rennen bedeutet auch weniger Kosten. Ich habe noch keinen Strich unter die Bilanz gemacht."

Über sechs Maschinen verfügt der Sulzer: zwei für die Langbahn und vier für Speedway. Sie sind mit Motoren von Giuseppe Mazzotta aus Italien und Rahmen von Stuha aus Tschechien aufgebaut. Seinem technischen Stab gehören sechs Schrauber an – "keine hauptberuflichen Motorradmechaniker, sondern alles Quereinsteiger, technisch sehr begabt, mit großem Interesse an Motorrädern." Dilger hat ein rotierendes System installiert. Meistens sind zwei von sechs bei einer Reise mit im Team. Einer, der ihn praktisch seit Beginn seiner Karriere begleitet, ist Michael Wiehl Villingen-Schwenningen. Die Entlohnung der Schrauber erfolgt auf Honorarbasis.

Dilger fährt sowohl auf der Langbahn als auch auf dem kürzeren Speedway-Oval. "Die Unterschiede zwischen den beiden Disziplinen sind für den Laien kaum erkennbar. Aber ich muss mich schon sehr umstellen, weil das Motorrad deutlich anders ist", sagt der Fahrer. "Man muss beide Motorräder anders bewegen. Im ersten Training braucht man dann schon eine Weile, bis man dann das Gefühl für das andere Motorrad wieder hat." Hat er eine Priorität? "Eigentlich ist es egal. Aber ich komme vom Speedway, ich bin jahrelang nur Speedway gefahren, deswegen ist das vielleicht die Nummer 1 a für mich." Speedway ist international deutlich stärker und populärer, während die Langbahn-Szene sich auf einige Länder wie Deutschland, Frankreich, die Niederlande und Großbritannien beschränkt.

Die Verhandlung für das kommende Jahr laufen, zum Beispiel mit dem Verein der polnischen Liga, "aber es gibt noch keinen offiziellen Kalender, es sind wohl sechs Grand Prix auf der Langbahn geplant, die dann in die WM-Wertung fließen", so vermutet er.

In der Winterpause kümmern sich Dilger und seine Schrauber stets um das Material. Schon alle sechs Motorräder sind auseinandergebaut, sie liegen bei Dilgers in Sulz im Schuppen.

Nun hat er wieder mehr Zeit für sein zweites wichtiges beruflichen Standbein in der Versicherungsbranche. Er arbeitet, wenn der Sport ihm die Zeit dazu lässt, für ein Büro in Schutterwald.

Die Pause nutzt Dilger nicht nur, um sich technischen Herausforderungen und Organisationsfragen zu widmen, sondern auch um eine physische Altlast zu beseitigen. Vor einigen Tagen legte er sich wegen einer alten Kreuzbandverletzung in einer Klinik in Markgröningen unters Messer. Der Eingriff sei geglückt, das Knie in Ordnung gebracht, teilte Dilger mit. Die neue Runde kann also kommen. Fragt sich nur ob und wie sie kommt.

Zur Person: Der 31-jährige Max Dilger wurde in Lahr geboren und lebt in Lahr-Sulz. Er ist 1,74 Meter groß, wiegt 68 Kilogramm. Auf Facebook informiert er regelmäßig über sein Leben (dilger-racing.de), Neuigkeiten über das Renngeschehen gibt es auf http://www.speedweek.com
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