Mehr Kinder psychisch krank

Christine Storck

Von Christine Storck

Fr, 15. November 2019

Offenburg

Kreisjugendamt informierte den zuständigen Jugendhilfeausschuss des Kreistages.

ORTENAU. Psychische Erkrankungen nehmen zu, auch unter Kinder und Jugendlichen. Zwischen 2011 und 2018 hat die Fachstelle Eingliederungshilfe im Kreisjugendamt rund 300 Prozent mehr Fälle bearbeitet als zuvor, berichtete Amtsleiter Heiko Faller jetzt dem Jugendhilfeausschuss des Kreistags. Das Gremium gab in seiner Sitzung grünes Licht für zusätzliche 2,65 Stellen ab Januar und die Aufstockung der Sachgebietsleitung auf eine Vollzeitstelle.

Der Fachdienst Eingliederungshilfe ist dafür zuständig, den Anspruch von psychisch auffälligen jungen Menschen auf Eingliederung und Teilhabe festzustellen – eine Tätigkeit, die spezialisiertes Wissen der Mitarbeiter erfordert. "Psychische Störungen gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter", sagte Heiko Faller. Etwa 20 Prozent seien betroffen. Die Ursachen seien vielfältig: familiäre Konflikte, Trennungen, psychische oder schwere körperliche Erkrankungen der Eltern, sozioökonomische Benachteiligung, aber auch Risikofaktoren wie Frühgeburt oder Rauchen in der Schwangerschaft. "Die Spezialisierung des Fachdienstes ist wichtig."

66 Prozent der ambulanten Eingliederungshilfen sind Schulbegleitungen – allein diese sind zwischen 2015 und 2018 um 17 Prozent gestiegen und werden 2019 voraussichtlich rund 2,8 Millionen Euro verschlingen, schätzt die Kreisverwaltung. Die Mehrzahl der begleiteten Schüler besuchen die Grund- und Werkrealschule, es gibt laut Faller aber auch Gymnasiasten, die diese Hilfen in Anspruch nehmen.

"Durch gute Diagnostik und konsequente Steuerung des Fachdienstes konnte die Begleitdauer 2019 um etwa zwei Stunden pro Woche gesenkt werden", sagte er. Allerdings seien viele Regelschulen nach wie vor nicht auf die Inklusion von seelisch behinderten Schülern eingerichtet. Teilweise werde Beschulung ohne Schulbegleitung sogar abgelehnt. Der Fachdienst habe wegen der stark gestiegenen Fallzahlen, besonders im ambulanten Bereich, mittlerweile eine Kapazitätsgrenze erreicht. Deshalb sei mehr Personal nötig. Zu den ambulanten Hilfen zählen neben Schulbegleitungen auch Autismustherapie, soziales Kompetenztraining und Integrationshilfen in Kindertagesstätten.