Storchendrama

Mehrere Nachwuchsstörche sind in Kirchzarten zu Tode gekommen

Gerhard Lück

Von Gerhard Lück

Mi, 27. Mai 2020 um 16:30 Uhr

Kirchzarten

Von fünf auf dem Turm der Kirche St. Gallus geschlüpften Störchen leben nur noch zwei. Sie sollen ihre Geschwister massiv attackiert haben. Hintergrund könnte die erschwerte Futtersuche sein.

Seit mehr als 21 Jahren kümmert sich Storchenmutter Waltraud Maurer um das Wohl der Störche auf dem Turm der Kirche St. Gallus in Kirchzarten. Am verlängerten Himmelfahrts-Wochenende musste sie am Webcam-Bildschirm beim Alten Rathaus ein bisher nie erlebtes Drama anschauen. Vor Wochen noch hatte sie voll Freude miterlebt, dass es insgesamt fünf Eier im Horst auf dem Kirchturm gab. Nachdem aus fünf Eiern erfolgreich Storchennachwuchs geschlüpft war, lebte der fünfte Jungstorch allerdings nur einen Tag. Er sei von Anfang an zu schwach gewesen.

Die übrigen vier Jungstörche entwickelten sich prima, obwohl Waltraud Maurer beim täglichen Blick auf den Bildschirm das Gefühl hatte, dass die Futtersuche für die Storcheneltern immer schwieriger werde. Schermäuse, Schlangen oder Käfer gehörten zu den wichtigsten Nahrungsmitteln, seien aber immer seltener zu finden. Warum nun am vergangenen Wochenende der dritte Jungstorch den vierten in der Geburtsfolge massiv attackierte, ist Waltraud Maurer ein Rätsel. "Zeitweise musste ich beobachten, dass auch der zweite Jungstorch Hiebe verteilte", berichtet sie voll Schrecken.

Einen Tag später seien nur noch die zwei ältesten Jungstörche zu sehen gewesen. "Das dritte Störchle ist wohl von den Alten aus dem Horst geworfen worden und lag tot beim Friedhofsbrunnen." Völlig unverständlich sei für sie, dass die Reste des vierten Störchles am Rand des Horstes lagen – von ihm hätten die anderen gefressen.

Futtersuche soll immer schwieriger geworden sein

Die erfahrene Storchenkennerin Waltraud Maurer meint, dass es für die Störche immer schwieriger sei, ausreichend Futter für die ganze Storchenfamilie zu finden. Oft seien die Altstörche gezwungen, zu zweit zur Nahrungssuche auszufliegen, obwohl die Jungen die Anwesenheit eines Elternteils bräuchten. Diese Erfahrung werde insgesamt hier in der Region gemacht, wie sie von anderen Engagierten aus dem Verein Weißstorch Breisgau erfahre.

Der gemeinnützige Verein betreue mehr als 140 Horste in der Region und betreibe in Reute eine Pflegestation, in der Jungstörche, deren Eltern verunglückt seien, aber auch Altstörche gepflegt würden. Dafür und für die Betreuung der Horste um Umland seien dringend Spenden nötig. Leider habe sie jetzt nur zwei Patenschaften für die Kirchzartener Jungstörche vermitteln können.
Den Verein Weißstorch Breisgau finanziell unterstützen kann man mit einer Spende auf das Konto bei der Sparkasse Freiburg (IBAN: DE 09680501010002147851).