UNTERM STRICH: Keine Nachricht von Min

Karl-Heinz Fesenmeier

Von Karl-Heinz Fesenmeier

Mi, 06. November 2019

Kolumnen (Sonstige)

Wie Steppenadler russische Forscher fast ruiniert hätten / Von Karl-Heinz Fesenmeier .

Der Mensch will ja immer alles ganz genau wissen. Homo sapiens halt. Sein Wissensdrang macht naturgemäß auch vor Tieren nicht Halt. Manche domptiert er, andere domestiziert er, viele verspeist er – und dank der Digitalisierung kann er nun endlich ganz viele besendern. Das macht tierisch Spaß! Denn da verpassen Menschen in ihrer Eigenschaft als Tierfreunde, -schützer und -forscher dem Tier einen Sender – und sehen auf ihrem PC immer, was das gerade so treibt.

Dabei kann es allerdings zu bösen Überraschungen kommen, die man vorher gar nicht so auf dem Sender hatte. Russische Vogelkundler können ein Lied davon pfeifen. In Sibirien statteten sie bedrohte Steppenadler mit Sendern samt SIM-Karten aus und waren gespannt, von wo überall sie von den Raubvögeln Nachrichten bekommen. Ihre Idee könnte auch Helikopter-Mütter begeistern: Die Sender schicken in regelmäßigen Abständen automatisch eine SMS zum Handy, so dass man alles auf dem Schirm hat.

Nun hat allerdings das Adlermännchen "Min" wochenlang gar keine Nachricht gesendet, berichtet ein russischer Wissenschaftler der dpa. Dann plötzlich erreichten die schon besorgten Ornithologen ganz viele auf einmal – aus dem Iran. Die seien alle hängengeblieben, als "Min" zum Überwintern nach Indien geflogen sei und den Sommer über im Steppenstaat Kasachstan verbracht habe, hieß es. Die Freude über die SMS-Flut währte nicht lange, denn den SMS kamen bald die Rechnungen des Mobilfunkbetreibers hinterhergeflogen – mit horrenden Roaminggebühren. Immerhin schickten die Vogelkundler 13 Adler auf die Reise. Forscher, die Tierwanderungen beobachten, wie die vom Konstanzer Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie kennen das Problem. Doch bald könnte es für sie eine Lösung namens "Icarus" geben – ein satellitenbasiertes deutsch-russisches System ohne Roaming-Gebühren, das im Dezember zur Raumstation ISS geschickt werden soll. Das könnte dann auch was für Helikopter-Mütter sein.