Zukunft der Mobilität

Deutsche Automobilkonzerne setzen auf neue Monopolisierungsstrategie

Hermann Forneck

Von Hermann Forneck (Lörrach)

Mi, 12. Februar 2020

Leserbriefe

Zu: "Strom tanken wird teurer", Beitrag von Bernward Janzing (Wirtschaft, 31. Januar)

Ionity, das Joint-Venture-Unternehmen von BMW, Daimler, Ford und VW, Audi und Porsche erhöht ab dem 31. Januar 2020 die Preise auf das Zweieinhalbfache des Haushaltsstroms. Die Begründung entspricht dem von Donald Trump inzwischen etablierten Kommunikationsstil, bei dem die Adressaten einfach nur noch auf den Arm genommen werden: Man müsse marktkonforme Preise etablieren und die Investitionen und den Unterhalt finanzieren. Nun bezieht Ionity den benötigten Strom sicher günstiger als ein Privathaushalt und dürfte mit der jetzt eingeführten Preisstruktur mindestens das Vierfache der Einkaufskosten von seinen Kunden einnehmen. Das mag nicht gegenwärtig, aber sicher bei Erfolg der E-Mobilitätsstrategie, langfristige und dauerhafte Einnahmen erbringen, die weit über den Investitions- und Unterhaltskosten liegen.

Kurzfristig finanzieren die Bundesrepublik und die Länder mit erheblichen Mitteln die Infrastruktur für Ladesäulen. Mit den jetzt eingeführten Preisen wird die gesamte deutsche E-Mobilitätspolitik konterkariert. Den deutschen Automobilkonzernen scheint dies gleichgültig zu sein. Sie setzen offenbar auf eine neue Monopolisierungsstrategie: Wer unsere Autos nicht kauft, wird mit happigen Stromkosten bestraft. Damit wird die Macht zwischen privaten Konsumenten und deutschen Autokonzernen zu Ungunsten der Verbraucher verschlechtert. Man kauft nicht nur ein Auto, sondern muss sich für dessen Lebenszeit an einen Konzern binden. Hermann Forneck, Lörrach