Energiepolitik

Seine Argumentation vertritt nur scheinbar die Interessen der Endverbraucher

Christian Berlage

Von Christian Berlage (Offenburg)

Sa, 01. August 2020

Leserbriefe

Zu: "Die perversen Effekte der deutschen Energiepolitik", Gastbeitrag von Lüder Gerken (Politik, 18. Juli)

Centgenau versucht Herr Gerken zu zeigen, dass das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ein teurer Unsinn sei. Seine einseitige Argumentation vertritt aber nur scheinbar die Interessen der Endverbraucher. Dass wir heute über 42 Prozent Strom aus alternativen Energiequellen haben, verdanken wir zum großen Teil dem EEG und dem Vorläufer von 1991.

Die Stromerzeugung geschah damals fast ausschließlich in Großkraftwerken, die aufgrund ihrer Kosten nur von etablierten Stromkonzernen gebaut werden können. Die großen Fünf hatten sich den deutschen Markt aufgeteilt, und um diese Vormachtstellung zu verteidigen, wurden 1993 ganzseitige Werbeanzeigen mit Sprüchen wie "Sonne, Wasser oder Wind können auch langfristig nicht mehr als 4 Prozent unseres Strombedarfs decken" in allen großen Tageszeitungen gedruckt.

Die beiden entscheidenden Punkte des EEG (garantierte Abnahme und garantierter Preis des erzeugten Stroms) sind kein, wie Herr Gerken schreibt, marktpolitischer Unsinn, sondern im Gegenteil unbedingt erforderlich: Strom aus alternativen Energien (außer Wasserkraft) werden zumeist von Stadtwerken, kleinen Unternehmern oder Privatleuten erzeugt, denen die großen Stromerzeuger den Zugang zu ihrem Verteilernetz oftmals verweigerten oder stark erschwerten. Ohne die Abnahmegarantie wären die kleineren Kraftwerke regelmäßig aus dem Markt gedrängt worden. Der garantierte Strompreis sinkt dabei von Jahr zu Jahr, erwartet wurde, dass die Anlagen mit steigender Anzahl an Effizienz gewinnen.

Natürlich kommt es vor, dass an wind- und sonnenreichen Wochenenden mehr Strom als benötigt erzeugt wird. Hier würde es derzeit helfen, wenn anstelle von trägen Kohle- und Kernkraftwerken besser regelbare Gaskraftwerke eingesetzt würden. Dauerhaft müssen Möglichkeiten geschaffen werden, Energie in großen Mengen zu speichern.

Zynisch empfand ich Gerkens Hinweis auf Handel mit CO2-Emissionsrechten, der ein politisch festgelegtes Niveau zu geringsten Preisen deckeln soll. In der Praxis hat es wenig bewirkt. Das klimapolitisch tatsächlich erfolgreiche EEG wird aber von ihm bekämpft. Zu Lasten von uns allen. Christian Berlage, Offenburg