Sterbehilfe-Drama "Gott"

Viele Zuschauer haben nach all den Argumenten dafür votiert

Wolfgang Wenz

Von Wolfgang Wenz (Lörrach)

Mi, 02. Dezember 2020

Leserbriefe

Zu: "Wem gehört unser Leben, wem unser Tod?", Beitrag von Gabriele Schoder (Kultur, 23. November)

Im ARD-Film "Gott" wurden die Probleme "selbst bestimmtes Lebensende" und "Verschreibung eines Sterbemittels" thematisiert, zunächst in einem Schauspiel, in dem Personen in einem Gerichtsverfahren agieren, anschließend in der Gesprächsrunde von "hart aber fair".

Grundlage der Erörterungen war das Urteil des BGH vom 26. Februar 2020, in dem einem selbst bestimmten Lebensende großer Freiraum zugesprochen worden war. 70,8 Prozent der Zuschauer haben nach all den Argumenten dafür votiert, dass dem gesunden alten Mann, der mit 78 Jahren nicht weiterleben will, das Sterbemittel zur Verfügung gestellt werden muss. Unbegreiflich ist die Reaktion des anwesenden Bischofs, der sich anmaßt, das Urteil des BGH als "unerhört" zu kritisieren, und sich mit seiner Glaubensforderung "Gott verfügt über das Leben der Menschen" über die Festlegungen der Richterinnen und Richter stellt.

Beunruhigend die Meinung der Repräsentantin der Ärzte, die äußert, dass die Aufgabe der Ärzte Gesundheitsfürsorge ist und nicht Mithilfe beim Lebensende. Wenn zur Vermeidung von selbst bestimmtem Sterben auf notwendige soziale Einbindung hingewiesen wird, wird ausgeblendet, dass diese in der Gesellschaft oft nicht gewährleistet wird. Mehrfach wird auf die Palliativmedizin als Alternative verwiesen. Dieser lange Sterbeprozess wird als würdevoll bezeichnet. Dieser Auffassung steht das Bild der alten Frau gegenüber, die nach einer halben Stunde nach der Einnahme eines Sterbemittels friedvoll tot in ihrem Sessel sitzt. Schlimm ist, dass Ärzte in ihrer Mehrheit sich weigern, das Lebensende als essenziellen Teil des Lebens anzuerkennen.

Es ist Zeit, dass die Geistlichen sich der Umsetzung der Mitmenschlichkeit widmen, die Jesus vorbildlich praktiziert hat. Es ist Zeit, dass die Ärzte anerkennen, dass der kurze Sterbeprozess nach Einnahme eines Mittels, das von ihnen verschrieben wurde, das eigentlich würdevolle Sterben ist. Wolfgang Wenz, Lörrach