Tag gegen Gewalt an Frauen

Ministerium: Jede dritte Frau erlebt mindestens einmal Gewalt

kna

Von kna

Do, 25. November 2021 um 14:23 Uhr

Ausland

Anlässlich des "Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen" am Donnerstag hat das Entwicklungsministerium auf anhaltende Missstände auf dem afrikanischen Kontinent aufmerksam gemacht.

Das Entwicklungsministerium hat Gewalt gegen Frauen als eine der häufigsten Menschenrechtsverletzungen weltweit bezeichnet. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit investiere rund 15 Millionen Euro, um Gewalttaten wie weibliche Genitalverstümmelung besser zu verhindern, erklärte das Ministerium am Donnerstag in Berlin zum Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Auch würden Gewaltopfer medizinisch, rechtlich und psychosozial betreut.

"Weltweit erlebt jede dritte Frau in ihrem Leben mindestens einmal körperliche oder sexualisierte Gewalt. Die Corona-Krise hat die Lage dramatisch verschärft: Durch die Lockdowns ist häusliche und sexuelle Gewalt gegen Frauen angestiegen. Experten rechnen mit bis zu 30 Millionen weiteren Fällen", betonte Minister Gerd Müller (CSU).

"Bildung und Gleichberechtigung sind der Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben von Frauen" Gerd Müller
Wegen der Hunger- und Wirtschaftskrise in Teilen der Welt würden schätzungsweise 13 Millionen Mädchen zu Kinderheiraten gedrängt. Deutschland unterstütze den Kampf gegen Gewalt an Frauen mit weiteren 15 Millionen Euro, insbesondere über Frauenrechtsorganisationen. "Denn Bildung und Gleichberechtigung sind der Schlüssel für ein selbstbestimmtes Leben von Frauen", so der Minister.

Auch das katholische Hilfswerk Misereor sieht in der Corona-Pandemie ein großes Problem: Frauen seien wegen Ausgangsbeschränkungen mit ihren Peinigern "buchstäblich eingesperrt", betonte Betina Beate, Abteilungsleiterin Lateinamerika. Sie zeigte sich zudem besorgt über zunehmenden Frauenhass im Internet. "Es steht zu befürchten, dass das Phänomen weltweit noch weiter um sich greift". Durch die Anonymität in Sozialen Medien könnten Täter Frauen "ohne Scheu angreifen, zum Beispiel indem sie ihnen physische und sexuelle Gewalt androhen".

Auch dagegen gebe es zu wenige Maßnahmen und Gesetze für Prävention und Opferschutz. "Ganz zu schweigen davon, wie selten die Täter wirklich überführt und bestraft werden", so Beate.

Istanbul-Konvention sollen durchgesetzt werden

Das Deutsche Institut für Menschenrechte begrüßte, "dass die neue Bundesregierung beabsichtigt, eine ressortübergreifende politische Strategie gegen Gewalt an Frauen zu entwickeln. "Diese ist dringend erforderlich", erklärte Institutsdirektorin Beate Rudolf in Berlin. Die Strategie solle sich an dem Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt (Istanbul-Konvention) ausrichten, zu deren Umsetzung Deutschland seit 2018 verpflichtet sei.

Zur Umsetzung der Konvention gehöre eine nachhaltige Finanzierung des Hilfesystems, das allen Frauen, auch Frauen mit Behinderungen und Frauen ohne deutsche Sprachkenntnisse, gut zugänglich sein solle. Zudem müsse die medizinische, rechtsmedizinische und psychosoziale Akutversorgung nach sexualisierter Gewalt für alle Betroffenen sichergestellt werden. "Bewusstseinsbildende Maßnahmen für potenzielle Täter und Täterinnen sowie gendersensible Jugendarbeit sind ebenfalls geboten. Zu Recht greift der Koalitionsvertrag der Ampel-Koalition diese Handlungsfelder auf", hieß es.

Das Institut begrüßt eine im Koalitionsvertrag angekündigte "vorbehaltlose und wirksame Umsetzung" der Istanbul-Konvention. Neben einer staatlichen Koordinierungsstelle brauche es dafür auch eine unabhängige Monitoring-Stelle.