Europapark

Miss Germany hat Mut zur Lücke

Michael Saurer

Von Michael Saurer

So, 24. Februar 2019 um 20:30 Uhr

Panorama

Die Stuttgarterin Nadine Berneis ist die neue Miss Germany. Ihre Eloquenz überzeugte die Jury – trotz eines kleinen körperlichen Makels.

RUST/FREIBURG. Die Schönste im Land kommt wieder aus dem Südwesten. Nachdem mit Anahita Rehbein bereits im Vorjahr die amtierende Miss Baden-Württemberg zur Miss Germany gewählt wurde, schaffte es auch in diesem Jahr eine Schwäbin ganz an die Spitze. Beim Finale des Miss-Germany-Wettbewerbs am Samstagabend im Europapark in Rust konnte die 28-jährige Stuttgarterin Nadine Berneis die Gunst der vierköpfigen Jury gewinnen – trotz eines Makels.

Das neue Format
Seit Jahren schon schraubt der Veranstalter des Schönheitsevents, die Miss Germany Corporation, an dem Format der Miss-Wahl. Frischer soll es werden, moderner und vor allem vom Muff vergangener Tage befreit, als sich junge Frauen mit koketten Blicken die Gunst der Jury zu holen versuchten.

So einschneidend wie in diesem Jahr waren die Veränderungen aber noch nie. Zum einen wurde das Mindestalter auf 18 Jahre angehoben und auch verheiratete Frauen oder solche mit Kindern zur Wahl zugelassen. Zum anderen verzichtete man auf das sonst übliche Defilee im Bikini oder Badeanzug. "Die Frauen sollen durch Natürlichkeit, Ausstrahlung und ihren Charakter beeindrucken", sagt Veranstalter Ralf Klemmer der BZ.

Die Jury
Auch die Jury wurde radikal verändert. Vor einigen Jahren waren es noch 20 mehr-oder-weniger Prominente, die ihr Votum abgeben konnten, 2018 nur noch acht – und in diesem Jahr sogar nur noch vier. Das waren der frühere CDU-Politiker Wolfgang Bosbach, die Popsängerin Sarah Lombardi, der Stylist Boris Entrup und die Choreographin und Schauspielerin Nikeata Thompson. Jeder der vier sollte einen bestimmten Aspekt besonders im Auge haben, sagte Klemmer bei der an die Wahl anschließenden Pressekonferenz. Thompson etwa die Eleganz der Choreographien oder Bosbach den gesellschaftlichen Aspekt, also Eloquenz, Intelligenz und Souveränität. Kein Platz mehr war für ein sonstiges Dauermitglied der Jury: den Schönheitschirurgen Werner Mang. Dieser hatte sich noch bei der Wahl im Vorjahr den Unmut auf Sozialen Medien zugezogen, als er etwas abschätzig über Cellulite bei den Kandidatinnen sprach. Doch dies sei nicht der einzige Grund gewesen, ihn nicht mehr in die Jury zu holen, betont Mitveranstalter Max Klemmer gegenüber der BZ. "Er war eben immer sehr auf den Körper fixiert und hat viel Wert auf die Schönheit gelegt. Ein klassischer Schönheitschirurg passt einfach nicht mehr zu unserer Veranstaltung."

Die Show
Pyrotechnik, funkelnde Lichtkegel, die durch den Raum strahlten, ein attraktives Rahmenprogramm – wie immer lieferte der Europapark ein nahezu perfektes Ambiente für eine solche Veranstaltung. Durch den Abend führte wie auch in den Vorjahren der TV-Moderator Alexander Mazza. An seiner Seite stand zum ersten Mal die Sportreporterin Laura Wontorra.

Zwischen den einzelnen Wertungsrunden traten verschiedene Künstler auf. Neben Artisten des Europaparks, trat auch der amerikanische Popsänger Ignacio Uriarte von der Band Lions Head auf.

Die Kandidatinnen
Auch hier wurde kräftig verschlankt. In den Vorjahren traten jeweils weit über 20 Kandidatinnen an. Neben den Gewinnerinnen der Bundesländer, gab es noch Kandidatinnen, die von Sponsoren ins Rennen gebracht wurden sowie Frauen, die es auf etwas undurchsichtige Weise bis ins Finale geschafft haben – etwa die Miss Ostdeutschland oder die Miss Internet. Das sollte in diesem Jahr anders sein.

Tatsächlich traten am Samstag genau 16 Frauen an – eine für jedes Bundesland. Die Spannbreite war dabei groß – sowohl was das Alter, als auch die Körpergröße angeht. So war die kleinste Teilnehmerin, die Miss Mecklenburg-Vorpommern Lena Rottloff, gerade einmal 1,53 Meter groß, während Nadine Berneis, die Miss Baden-Württemberg, stattliche 1,81 Meter maß. Diese war mit 28 Jahren auch die älteste Teilnehmerin, während die Miss Sachsen-Anhalt, Celine Peschek, erst 19 Jahre alt war. Beruflich waren unter den Kandidatinnen acht Studentinnen – aber auch eine Elektronikerin und eine Journalistin.

Die Gewinnerin
Tatsächlich setzte sich am Ende bereits zum zweiten Mal in Folge die Miss Baden-Württemberg durch. Die 28-jährige Nadine Berneis sei die älteste Gewinnerin in der Geschichte der Miss-Germany-Wettbewerbe, sagte Ralf Klemmer während der Pressekonferenz. "Und wohl die einzige mit Zahnlücke", schob die freudestrahlende Gewinnerin schmunzelnd nach. Tatsächlich klafft eine kleine Lücke zwischen ihren Frontzähnen.

Die gebürtige Dresdnerin kam erst vor elf Jahren nach Baden-Württemberg, um eine Polizeiausbildung zu beginnen. Heute ist sie Polizeihauptmeisterin und arbeitet im Bereich der Cyberkriminalität. Die Wahl-Stuttgarterin legte bereits bei den Interview-Runden ein leidenschaftliches Plädoyer für ihr Bundesland ab. Auf die Frage Bosbachs, warum jemand nach Baden-Württemberg kommen sollte, sagte sie: "Wegen dem Bodensee, dem Schwarzwald, dem Allgäu, wegen Karlsruhe, Stuttgart und Heidelberg. Es ist einfach wunderschön hier."