Mit Musik heben die Zuhörer ab

Christine Ehlenbröker

Von Christine Ehlenbröker

Di, 13. Oktober 2020

Friesenheim

Auf einer imaginären Flugreise präsentierte der Musikverein Schuttern Melodien und Gesang.

. Beim Herbstkonzert des Musikvereins Schuttern Harmonie ist am Sonntagnachmittag fast alles gewesen wie gewohnt: die hohe Qualität der musikalischen Darbietungen, der Ort, das Orchester. Das Frühlingskonzert war der Pandemie zum Opfer gefallen, dennoch unterhielten die Musiker die Einwohner, indem sie die Proben im Freien abhielten oder an verschiedenen Stellen Platzkonzerte gaben.

Im Herbstkonzert ging es jetzt mit den Moderatoren Maren Heitzmann und Alessandro Haid als Flugbegleiter auf eine imaginäre Weltreise im Flugzeug. Als das Handgepäck verstaut war, alle angeschnallt und die Sitze in die vorgeschriebene Position gebracht waren, begann das Programm noch auf dem Rollfeld. Nach "Adventure Island", einem Marsch und einer italienischen Lustspiel-Ouvertüre folgte "Dublin Pictures." Dazu wusste Chefstewardess Maren eine Anekdote: "Warum sind in Dublin die Haustüren alle in verschiedenen leuchtenden Farben bemalt?" Erklärung: Früher irrten sich irische Männer, die aus dem Pub nach Hause wankten, oft in der Haustür und landeten in einem fremden Bett. Um dies zu vermeiden, sorgte man dafür, dass die Pubgänger sich wenigstens an der Farbe der Haustür orientieren konnten.

"Gabriellas Song" aus dem Film "Wie im Himmel" sang Bernadette Leberl voller Hingabe und mit gut geschulter Stimme. Nach dem Marsch "Semper Fidelis" von John Phillip Sousa, "Böhmischer Zauber", einer Polka von Andy Schreck, und "Impressions of Pop" folgte die "Blues Brothers Revue": In dem zugrunde liegenden Film von 1980 geht es um zwei Brüder, die schnell viel Geld auftreiben müssen, um die Schließung des Waisenhauses, in dem sie aufgewachsen sind, abzuwenden. Anstatt es auf die krumme Tour zu versuchen, trommeln sie ihre ehemaligen Bandmitglieder zusammen, die in alle Winde verstreut unterschiedlichen Berufen nachgehen. Zu einem Erfolg wurde der Film auch durch die Auftritte berühmter Bluesmusiker wie John Lee Hooker, Aretha Franklin, Ray Charles oder James Brown.

Eddi Haid als Sänger wollte auch niemand missen, so bot er ein italo-deutsches Duett mit Maddy Eichhorn: "Vivo per lei" von Andrea Bocelli. Dem Zugabenapplaus des Publikums kam das Orchester ebenfalls nach, mit einer Polka, und Eddi Haid sang zum endgültigen Finale "Ich wollte nie erwachsen werden" aus dem Musical Tabaluga.

Aus dem begeisterten Schlussapplaus der Besucher und Besucherinnen schien Dank zu klingen, dass Konzerte – wenn auch in abgespecktem Rahmen – wieder möglich sind. Ihr Hygienekonzept hatten die Musiker und Musikerinnen hervorragend und konsequent umgesetzt: Sie betraten die Halle direkt von außen, saßen in Abstand und es gab ständige Frischluftzufuhr. Eine Pause mit Sekt gab es nicht. Die Zahl der mit großem Abstand aufgestellten Besucherstühle war auf knapp 70 begrenzt – und sie waren nahezu alle besetzt.