"Mit schönerer Landschaft punkten"

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Fr, 24. Januar 2020

Bad Bellingen

Agentur stellt Gemeinderat Bad Bellingen ein Tourismuskonzept vor und sieht auch in Sachen Werbung noch Luft nach oben.

BAD BELLINGEN. Bad Bellingen gehört nach wie vor zu den Orten mit dem stärksten Tourismusaufkommen im Landkreis Lörrach – aber sich ändernde Vorlieben bei Reisenden und Kurgästen sind an der Gemeinde nicht spurlos vorbeigegangen. Die Übernachtungszahlen gingen in den vergangenen Jahren zurück. Deshalb hatte der Gemeinderat im Sommer 2018 ein Tourismuskonzept in Auftrag gegeben, dessen Abschlussbericht nun im Gemeinderat durch Dirk Monath von der Tourismusberatung Futour vorgetragen wurde.

Ziel ist es, das touristische Gesamtangebot der Gemeinde attraktiv umzugestalten und zu untersuchen, in welcher touristischen Kooperation Bad Bellingen eine Vermarktung des eigenen Angebots am besten betreiben kann. Hier wurde bereits zusammen mit den Nachbargemeinden Schliengen, Kandern und Malsburg-Marzell ein Werbekonzept in Sachen Übernachtungen, Veranstaltungen, Kultur und Kulinarik in Gang gesetzt. Weitere Gemeinden aus dem Landkreis zeigten bereits auf der Stuttgarter Tourismusmesse Interesse, sich anzuschließen, berichtete Dennis Schneider als Geschäftsführer der Bade- und Kurverwaltung (BuK), der so wie Monath darauf verwies, dass die Bade- und Kurverwaltung sehr gute Fachleute im Bereich Werbung und Touristik in ihren Reihen habe.

Kritik äußerte Monath an der Strategie der Werbegemeinschaft Markgräflerland GmbH, in der Bad Bellingen mit anderen Gemeinden Mitglied ist. Denn in Sachen Gästewerbung bringe die Mitgliedschaft für den Kurort zu wenig, der "Wille zur Veränderung" sei bei der Werbegemeinschaft nicht da, meinte Monath und riet, sich mit dem Know-how der BuK, das man sich auch bezahlen lassen könne, auf eigene Beine zu stellen

Hotels und kleine Betriebe sind "up to date"

Knapp 205 000 Übernachtungen verzeichnete der Kurort in letzter Zeit, 2012 waren es noch 250 000. Das liegt an der gesunkenen Aufenthaltsdauer und auch an der "gesunkenen Zahl der Übernachtungsbetriebe", so Monath. Die Hotels im Ort und auch manche kleineren Betriebe seien "up to date" – sie haben modernisiert und sich auf neue Wünsche der Gäste eingestellt. Deshalb seien auch ein mögliches neues Hotel an der Therme und ein schon lange von Golfplatzbesitzer Heinz Wolters beworbener Golfhotelneubau eher ein Plus in der Werbung auch für bestehende Betriebe, konstatierte Monath. Zudem gehe es darum, mit mehr Attraktivität den Nutzen der touristischen Anbieter im Landkreis Lörrach zu optimieren. Der Landkreis hat finanziell die Erstellung der Studie unterstützt.

Ein breit aufgestellter Tourismus sei ein Wirtschafts- und Standortfaktor für Bad Bellingen, denn eine Therme allein sei mittlerweile für Gäste kein besonderes Zugpferd mehr. Touristen wünschen weitere Attraktionen nicht nur in der Umgebung, sondern auch in der Gemeinde, in der sie übernachten.

Die thematische Aufwertung des Kurparks (Stichworte kleine Gartenschau und Gartentourismus), die bessere Verbindung von Kernort und Kurgebiet – "der Lift ist schlichtweg hässlich", so Monath – und die Belebung des alten Dorfzentrums in der Rheinstraße, stehen auf der To-do-Liste. Dazu kommt die bessere Vernetzung mit den Teilorten, mit dem Landhaus Ettenbühl in Hertingen und mit den Umlandgemeinden.

"Trotzdem hat die Sanierung der Therme Priorität, Bad Krozingen ist schon wesentlich weiter", ergänzte Schneider. Bad Bellingen könne im Gegensatz zu Bad Krozingen aber mit einer schöneren Landschaft punkten, so Monath. Mineral- und Thermalwasser, Wein und Kulinarik, Wander- und Radwege, die Golfplatzdichte, die gute Verkehrsanbindung und das Dreiländereck, all das muss verstärkt in Bezug auf Zielgruppen wie Gartenliebhabern, Kultur- und Genussreisende, Gesundheits- und Wellnessurlauber, Golfurlauber beworben werden, dazu gehören auch Spezialarrangements", fuhr Monath fort.

Eine Maßnahmenplanung zur Umsetzung von acht Projekten von kleiner Gartenschau, der Golfwerbung bis hin zum Aufbau eines Smovey-Pfads – Bewegung mit Schwingringen – , steht bereits. Gleichzeitig gibt es ein Forum zu verschiedenen Schulungsthemen, das die BuK anbieten wird. Monath und die Tourismusbeauftragte des Landkreises Madeline Siebert sowie Schneider regten auch an, in Sachen Werbung als Region aufzutreten, der Begriff "Markgräflerland" sei dem Publikum immer noch zu wenig bekannt

Gemeinderat Wolfgang Schwab (CDU/Unabhängige) fragte nach dem weiteren Vorgehen in Sachen Planung. Monath war es hier wichtig zu bemerken, "dass das neue Konzept nicht in der Schublade verschwindet, sondern weiterzuentwickeln ist", sagte er. Dorothea Dosenbach (CDU/Unabhängige) fehlte im Dossier ein konkreter Handlungsleitfaden für die Gemeinde. Bürgermeister Carsten Vogelpohl wies darauf hin, dass nun zeitnah eine Vermieterversammlung erfolgen solle, um den Maßnahmenkatalog zu besprechen.