"Mit zwei zerrissenen T-Shirts nach Hause"

Uwe Schwerer

Von Uwe Schwerer

Di, 22. Dezember 2020

Handball Allgemein

SPIEL MEINES LEBENS: Stefan Heimburger aus Ottenheim, hat in seiner Handball-Laufbahn, die wegen einer Verletzung früh endete, einiges erlebt.

. Die Erinnerungen an dieses eine Spiel, das die eigene Laufbahn in besonderem Maße beförderte, krönte oder auch unvollendet werden ließ, sind oft sofort präsent. Manchmal aber tut man sich schwer mit einer Entscheidung. Es ist ein ganz persönlicher Blick auf Meilensteine und Momente von prägender Kraft. Regionale Sportgrößen schauen zurück auf ihre Siege, aber auch auf Niederlagen und Gänsehaut-Augenblicke. Heute tut dies der Handballer Stefan Heimburger.

Er ist einer der zahlreichen Heimburgers, die dem Handball im Ried ihren Stempel aufgedrückt haben. Der Risikomanager Stefan Heimburger, heute 37 Jahre alt, hat seine sportive Laufbahn früh beendet: nach einem Kreuzbandriss im Jahr 2010, bei seinem Heimatverein, dem TuS Ottenheim. Dort hatte er mit vier Jahren mit dem Sport begonnen und sich schließlich zu einem absoluten Leistungsträger entwickelt. In der Saison 2004/2005 wagte er den Schritt zum Regionalligisten SG Köndringen/Teningen, danach kehrte er zurück nach Ottenheim. Seit drei Jahren wirkt der Familienvater als Vorstand im Förderverein Handball Ottenheim.

» Was war für Sie das Spiel Ihres Lebens als aktiver Handballer?
"Mir fallen da sofort zwei Spiele ein, eines emotional und das andere sicher sportlich gesehen. Sportlich gesehen habe ich nach meinem Wechsel von der Bezirksklasse zur SG Köndringen/Teningen zu allererst einige Tiefschläge erlitten; Bänderriss im Fuß und Meniskusoperation. Da war programmiert, dass der Wechsel fünf Ligen nach oben umso schwerer wurde. Eine Anekdote hierzu, erstes Training bei der SG mit gestanden und von noch immer sehr geschätzten Regionalliga-Handballern wie Oliver Rösch, Christian Hefter, Pirmin Bender, Frank Klompfass und Steffen Danner. Da ging es im Training gleich so zur Sache, dass ich mit zwei zerrissenen T-Shirts nach Hause kam. Da hat man den Unterschied von Bezirksklasse zu Regionalliga doch gleich gemerkt. Sportlich gesehen ein Highlight war das DHB-Pokal-Spiel gegen den Bundesligisten SG Wallau-Massenheim, in welchem ich zwei Tore gemacht habe. Lustiges am Rande: "Beide Teams waren hernach von Bundesliga-Spielleiter Uwe Stemberg disqualifiziert worden, weil sie 14 anstatt der bei Regionalliga-Beteiligung nur erlaubten zwölf Spieler eingesetzt hatten. Stembergs Entscheidung wurde in erster Instanz vom DHB-Bundessportgericht zwar bestätigt. Doch das Bundesgericht, das letztinstanzlich für Streitereien innerhalb des DHB zuständig ist, hob diese Entscheidung aus sportlichen Gründen wieder auf, weil es im ersten Spiel nach Rechtslage keinen Sieger gegeben hat, es aber einen geben müsse." Emotional war das Spiel meines Lebens sicherlich das Spiel gegen Meißenheim in der Saison 2009, volle Ränge, geschätzte 400 bis 500 Zuschauer und wir gewinnen 39:33. Ich selbst habe ein top Spiel abgeliefert in diesem Derby, 17 Tore selbst geschossen, in der Abwehr gut gestanden und Stefan Graf am Kreis noch gut bedient. An diesem Tag hat einfach alles funktioniert, so dass Nico Baumann (Co-Coach des HTV, zum damaligen Zeitpunkt und heute ein guter Kumpel, nach dem Spiel meinte: "Egal was wir probierten, wir haben Stefan Heimburger einfach nicht in den Griff bekommen." Das geht natürlich runter wie Butter.

Welche Pleite schmerzt noch heute?
"Es schmerzt mich heute noch dass ich als Handballer nach meinem Kreuzbandriss 2010 eigentlich still aus dem aktiven Handball abgetreten bin. Ich habe dann zwar meine Prioritäten auf meine berufliche Laufbahn gelegt, aber es gab nie einen wirklich richtigen Cut. Danach war einfach klar, dass es im Leben noch andere Dinge als Handball geben muss für mich. Ich bin nach und bereits während meines Studiums viel im Ausland unterwegs gewesen, jeweils ein halbes Jahr in den USA und in China. In den Jahren nach meinem Kreuzbandriss bin ich bis heute viel in der Welt unterwegs gewesen, beruflich, sowie privat mit meiner Familie. Seit die Kinder da sind, hat sich das etwas reduziert, und ich habe wieder angefangen, einmal die Woche zu den Herren 4 ins Training zu gehen – bevor Corona uns die Halle dicht gemacht hat. Dennoch bin ich heute froh um meine Zeit als aktiver Spieler. Ich durfte viele Jahre mit meinem Bruder Achim und vielen guten Freuden zusammen spielen, und schätzen lernen, was einem der TuS Ottenheim als Verein bietet. Zudem bin ich heute im Förderverein tätig, der die Jugend des TuS unterstützt."

Was waren Ihre weiteren ganz persönlichen Karriere-Highlights?
"Ich denke, der Wechsel nach Köndringen war sportlich gesehen schon das Highlight, wenn ich es auch nicht geschafft habe mich zu etablieren. Aber es war für mich toll, zu sehen, wie ich aufgenommen wurde, wie die Methoden in einem semi-professionellen Umfeld sind. Das war eine echt coole Mannschaft. Mit den Spielern habe ich hin und wieder mal am Wochenende nach den Spielen etwas unternommen, speziell mit der Oberhausen-Connection. Ich erinnere mich aber auch noch gerne an die Spiele gegen Schiltach in der Landesliga mit dem TuS Ottenheim. Wir sind mit Bussen angereist, es lag Schnee, und die Halle war ein richtiger Hexenkessel. Beide Fanlager boten auf, was vorhanden war und diese Stimmung bereitet mir heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Einige der Trommel-Kids von damals sind heute Spieler in den Herren. Gegen den gleichen Gegner in Ottenheim: Die Riäd-Schlurigi haben gespielt und dann haben wir den Haken an den Aufstieg dran gemacht. Die anschließend überreichte Riesentorte, das Versprechen von Bürgermeister Brucker für eine neue Sporthalle (Kapazitäten sind bis heute sehr knapp) und die bis lange in die Nacht andauernde Aufstiegsparty bleiben in Erinnerung."