Schwarzwaldhaus der Sinne

Mitmach-Museum in Grafenhausen

Anita Fertl

Von Anita Fertl

Fr, 20. Februar 2015

Grafenhausen

Anfassen, sehen, hören und riechen im Mitmachmuseum nach Schwarzwälder Art in Grafenhausen.

Gugge, mache, wunderfitze – das sollen Kinder und Familien im Schwarzwaldhaus der Sinne in Grafenhausen. Was "wunderfitze" ist? Keine Ahnung, sagen die Jungs. Das übliche "Guck doch mal im Internet" hilft auch nicht weiter, denn weder der Duden noch die Synonymsuche kennen ein solches Verb. Doch zumindest mit den ersten beiden Worten kommen unsere nicht-alemannisch-sprechenden Kinder noch klar.

Wohl, weil man den Schwarzwald am besten draußen im Wald begreift, haben die Planer des Mitmachmuseums ihn in die Ausstellungsräume geholt und täuschend echt mit Fototapeten und riesigen Baumstämmen nachgebaut. Wer in den dämmrigen Wald will, muss aber zuerst die Schuhe ausziehen. Hastig tun das die Jungs und laufen los. Der Pfad ist gepflastert mit Korken, Steinen, glatten Glasstücken, Sand oder Holzstämmen. Er ist extra gemacht für nackte Füße und fühlt sich mal hart, weich, kantig, federnd, kühl an oder auch "Autsch!".

Damit auch die Augen etwas zu tun haben, bevölkern besondere Gestalten den Kunstwald: Wir begegnen lebensgroßen Fasnachtspuppen, die ebenso typisch für den Schwarzwald sind wie Bollenhut und Kirschtorte. So glotzt unter buschigen Brauen der Bollimänkl auf uns herab und soll Kindern Angst machen, sagt das Schild – fast geschafft.Wir sehen uns Auge in Auge mit der lebensgroßen Stiegle-Chatz, einer Katze, die angeblich nächtlichen Heimkehrern den Weg verstellte.

Wie sich der Schwarzwald anfühlt, schmeckt und riecht, soll diese Erlebniswelt Familien, Kindergarten- und Schulkindern zeigen. Nicht verstaubt und trocken, sondern bunt, witzig und manchmal auch Pop-Art-mäßig werden uralte Traditionen vermittelt – dazu beigetragen hat auch die Freiburger Künstlerin Anne Deutsch (Planet Schwarzwald), die Exponate mitgestaltet hat. Konzipiert und umgesetzt haben dieses Museum ohne Vitrinen der Planer Matthias Wild und der Holzbildhauer Simon Stiegeler.

Bei der nächsten Station können wir die Welt durch Bienenaugen sehen ("Kein Rot", stellen die Jungs fest), in einen Bienenstock hineinhören ("Boah, ist das laut") und ums Eck einen duften Bauerngarten beschnuppern. Als wir davon die Nase voll haben, ziehen wir weiter, denn es gibt noch jede Menge Mitmachstationen.

Was den Kindern nicht auffällt, aber uns Erwachsene anspricht, sind die vielen, fein verpackten regionalen Bezüge: Auf einer großen Tafel ist der Erzabbau im dunklen Stollen erklärt, eine kinderleichte Zusammenfassung gibt’s am Ende des Schilds jeweils mit Schmetterlingssymbol. Doch wie hat sich das angefühlt im dunklen Stollen? Wir schieben die schweren Vorhänge beiseite und tauchen ein in den Dunkelgang. So pechschwarz wie in der Erdmanns- oder Tschamberhöhle nach Stromausfall ist es in diesem dunklen Raum, in dem man noch nicht einmal leichte Umrisse von irgendetwas erkennen kann. Egal wie angestrengt das Auge guckt, es sieht – nichts. "Mann, ist das dunkel hier, wo geht es denn lang?", murmelt eine Stimme ein paar Meter weiter. Vorsichtig und zaghaft, Schritt für Schritt tasten sich die Hände an den Wänden entlang. Ewigkeiten, so scheint es. Endlich! Die Hände ertasten wieder einen Vorhang, pfriemeln dranrum, nesteln ihn beiseite. Erst durch einen schmalen Spalt, schließlich in seiner ganzen Breite dringt Licht herein.

Die Jungs sind schon weitergezogen, machen sich über die Tierspuren im Schwarzwald schlau: Stempel nehmen, in den Sand drücken, raten, zuordnen. Daneben sind Kästen angebracht zum Hineingreifen und Fühlen. Und was zum Kuckuck ist in der Kuckucksuhr, in die man hineingreifen und das seltsame Etwas drücken und betasten kann?
Der Schall kitzelt

Bauch und Lachmuskeln

Hände, Augen, Ohren, Mund: Alles ist gefordert. Wie man Sandkörner zum Hüpfen bringt? Klappt mit Hilfe eines Phonoskops: Kräftig reinpusten, das Fell vibriert und schon tanzen die Sandkörner Samba. Die Schallgeschwindigkeit begreifbar macht ein fünfzig Meter langer Schlauch, der zwischen zwei Bechern gespannt ist. Durch dieses Telefon mit Kichergarantie hört man das Gesagte Zehntelsekunden später. Boooooonnnggg! Nach einem satten Schlag auf den großen Gong können die Jungs nun sogar die Schallwellen im Bauch spüren. Schilder schlagen Brücken zu Schwarzwälder Persönlichkeiten und Erfindungen: Grafenhausen gilt als Geburtsstätte des Alemannischen Geigenbaus, und durch das Streichen auf einer übergroßen Geige malen die Kinder akustische Muster.

"Da! Ich hab’s!" Hä? Wo? "Na da! Da ist der Hirsch!" Wir hängen mit Fernglas am Fenster, starren nach draußen, suchen Porträts irgendwo in der Landschaft. Dort hat es Anne Deutsch künstlerisch besonders bunt getrieben und mit ihren Werken ein überdimensioniertes Suchspiel geschaffen. Wer ihre frech-fröhlichen Schwarzwaldmädchen und Hirsche gefunden hat, darf die kleinen Magnet-Porträts an die richtige Stelle auf der Fotowand im Museum pinnen.

Und zum Schluss bekommen wir verdutzten Eltern dann erklärt, dass die Kinder unsichtbares Licht gesehen haben. Wie sie das herausgefunden haben? "Wir waren halt neugierig" – aha, wunderfitzig eben.