Kultusministerium

Mitte kommender Woche soll klar sein, wie Schulen und Kitas wieder öffnen

Roland Muschel

Von Roland Muschel

Sa, 04. April 2020 um 17:04 Uhr

Südwest

Schulen und Kitas sind mindestens bis zum 19. April geschlossen. Am 20. April wird es wohl trotzdem keinen normalen Betrieb geben. Unterschiedliche Szenarien stehen im Raum.

Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) stimmt Eltern, Pädagogen und Schüler auf eine Verlängerung der seit drei Wochen anhaltenden Ausnahmesituation ein. Im Ministerium geht man davon aus, am Tag X schrittweise wieder mit dem Betrieb von Schulen und Kitas zu beginnen.

Kein schlagartiger Betrieb ab dem 20. April

"Bund und Länder haben sich zu Recht darauf geeinigt, die Kontaktsperren bis zum 19. April zu verlängern. Schon daraus leitet sich ab, dass es am 20. April an Schulen und Kitas nicht schlagartig normal weitergehen kann", sagte Ministerin Eisenmann der Badischen Zeitung. Erst an dem Tag, an dem erkennbar sei, "dass die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus wirken, können wir über einen Wiedereinstieg nachdenken."

Gleichwohl bereitet sich ihr Haus auf alle Optionen vor. "Wir müssen überlegen, wie wir am Tag X an Schulen und Kitas schrittweise wieder mit dem Betrieb beginnen können. Dafür arbeiten wir an unterschiedlichen Szenarien", so die Ministerin. Ein Szenario könne sein, "dass man zunächst die Prüfungsklassen in allen Schularten in ansonsten leeren Schulgebäuden und bei verschärften Hygienemaßnahmen unterrichtet".

Notfallbetreuung bleibe in jedem Fall aufrechterhalten

In den Grundschulen könnten an einigen Tagen die Klassen eins und zwei, an anderen die Klassen drei und vier kommen. "Das müssen wir auch noch mit den Verbänden und den Schulträgern besprechen." Ihr Haus bereite sich auch für den Fall vor, dass Schulen bundesweit bis zum Sommer geschlossen bleiben. Allerdings gehe sie davon aus, dass die auf Mitte Mai verlegten Prüfungen stattfinden könnten.

Komplizierter sei die Situation an den Kitas, so die CDU-Politikerin. "Da können wir schlecht sagen: Heute kommen die fünf Kinder und morgen die anderen fünf. Da müssen sich alle im Klaren darüber sein, dass sich das noch ziehen kann." Die Notfallbetreuung bleibe aber in jedem Fall aufrechterhalten.

Entscheidung "spätestens Mitte kommender Woche"

Eine Entscheidung für eines der möglichen Szenarien gebe es noch nicht, diese hänge von der weiteren Entwicklung und der Einschätzung der Gesundheitsbehörden ab. Eisenmann kündigte an, dass sie Schulen und Kitas "spätestens Mitte kommender Woche" sagen werde, wie es konkret weitergeht, um ihnen eine gewisse Planungssicherheit zu gewährleisten.

"Wir brauchen auch einen gewissen Vorlauf, weil wir auch bei den Lehrerinnen und Lehrern Risikogruppen haben wie Ältere oder Schwangere." Nach ersten Schätzungen, so die Ministerin, werden etwa 20 Prozent der Pädagogen gar nicht arbeiten können. "Auch deshalb müssen wir frühzeitig planen." Dass die Rückkehr zum Normalbetrieb noch dauern wird, steht fest. "Klar ist: Wir können nach den Osterferien nicht von null auf hundert starten. Das will ich auch den Eltern frühzeitig kommunizieren, damit sich niemand falsche Hoffnungen macht."

"Ich gehe nicht davon aus, dass vor Mitte Mai irgendein Unterrichtsbetrieb an den Schulen stattfinden kann." Ralf Scholl
Die macht sich der Philologenverband auf keinen Fall. Landeschef Ralf Scholl sieht einen möglichen Wiederbeginn des Schulbetriebs nach den Osterferien skeptisch: "Ich gehe nicht davon aus, dass vor Mitte Mai irgendein Unterrichtsbetrieb an den Schulen stattfinden kann." Dass dies der früheste realistische Zeitpunkt sei, zeigten die Erfahrungen in China. Die Vorbereitung des Kultusressorts auf verschiedene Szenarien mache aber Sinn. Der Verband rief die Schulträger auf, die sanitären und hygienischen Bedingungen an den Schulen rasch zu verbessern.