Modellprojekt in elf Wohnungen

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Do, 04. April 2019

Lörrach

Die Lebenshilfe ermöglicht in der Kolpingstraße bis zu 24 Menschen mit Behinderung eine individuelle Lebensgestaltung.

LÖRRACH. Selbstbestimmtes Wohnen und individuelle Lebensgestaltung ist für Menschen mit Behinderung nicht selbstverständlich. Die Lebenshilfe realisiert derzeit ein Wohnprojekt in der Kolpingstraße, wo das möglich sein wird. Bis zu 24 Bewohner werden in ihren eigenen Wohnungen leben, in Wohngemeinschaften mit zwei bis vier Personen. Soziale und pflegerische Dienste können zusätzlich in Anspruch genommen werden.

Der Bau ist recht weit fortgeschritten, ab Ende September können die Wohnungen bezogen werden. Die Lebenshilfe Lörrach realisiert damit ein in Baden-Württemberg einzigartiges Modellprojekt. 24 Frauen und Männer mit geistiger oder körperlicher Behinderung können hier in elf ganz normalen Wohnungen leben. Zudem gibt es in dem Gebäude noch drei frei vermietbare Wohnungen. Auch diese sind, wie alle anderen, barrierefrei und rollstuhlgerecht ausgestattet.

Sollte der Bedarf für Menschen mit Behinderung irgendwann geringer sein, können auch weitere Wohnungen auf dem freien Markt vermietet werden. "Wir wollten kein Wohnheim bauen, weil wir das nicht für eine geeignete Lebensform halten", stellt Lebenshilfe-Geschäftsführer Helmut Ressel fest. Einen ganz ähnlichen Weg hat die Lebenshilfe schon mit dem Neubau und der Villa Am Blauenblick beschritten. Der Wohnheim-Altbau, der dort noch steht, wird derzeit noch von acht Personen bewohnt. Diese sollen in die Kolpingstraße umziehen, dann wird das Heim Am Blauenblick abgerissen und das Gelände zur Mitfinanzierung des Neubaus verkauft.

Den Rest der insgesamt 4,2 Millionen Euro hat die Lebenshilfe frei finanziert. Die Gesetzeslage ist noch nicht so weit, dass solche Projekte gefördert werden können. Der soziale Wohnungsbau zielt auf Familien ab, Wohngemeinschaften wie hier geplant, fallen durchs Raster. Immerhin konnte man sich mit dem Landratsamt, das die Lebenshilfe beauftragt hat, Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung zu schaffen, dahingehend einigen, dass die Mietkosten im notwendigen Rahmen übernommen werden, da die Bewohner überwiegend von Sozialleistungen leben. Der Kommunalverband für Jugend und Soziales hat die außerhalb der Wohnungen liegenden Büros, ein Servicebad und einen Mehrzweckraum gefördert, in dem Veranstaltungen stattfinden können und in dem sich auch die Volkshochschule engagieren möchte.

In diesem neu entwickelten Service-Wohnen gibt es zwei Bereiche, in denen die Bewohner ambulante Unterstützung erfahren können. Zum Einen geht es um den Bedarf an Teilhabe und Unterstützung in der praktischen Lebensführung. Das besorgt die Lebenshilfe, die Büros für Mitarbeiter in dem Gebäude hat. Zum Anderen kann man eine pflegerische Dienstleistung buchen, die von einem normalen Pflegedienst, in diesem Fall vom Evangelischen Altenwerk, besorgt wird. Das residiert direkt nebenan und kann deshalb eine Rufbereitschaft, auch nachts, anbieten. Am Blauenblick läuft diese Kooperation schon.

"Das war am Anfang ein spannender Prozess, das aufeinander abzustimmen, aber jetzt ist es eine gut verzahnte Sache", sagt Helmut Ressel. Das Grundstück hat die Lebenshilfe auch vom Evangelischen Altenwerk gekauft, das von dem ihm gehörenden Gesamtgrundstück ein Drittel abgeben konnte. Das Gebäude liegt relativ zentral in der Stadt und nahe an der S-Bahn-Haltestelle. Der Haupteingang ist von der Kolpingstraße aus erreichbar, ein Steg wird das Gebäude aber auch an die Schwarzwaldstraße anbinden.