Forstwirtschaft

Die Debatte um den Müllheimer Eichwald geht lebhaft weiter

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Fr, 15. Februar 2019 um 16:15 Uhr

Müllheim

2000 Unterschriften hat die Bürgerinitiative "Rettet den Eichwald" gesammelt, die gegen die Müllheimer Forstpolitik protestieren. Derweil positionieren sich auch die Fraktionen im Gemeinderat.

Die Debatte um den Müllheimer Eichwald dreht sich lebhaft weiter. Am Donnerstag haben Vertreter der Bürgerinitiative "Rettet den Eichwald" 2000 Unterschriften an Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich übergeben, mit denen aktuell ein Fäll-Stopp und eine andere Bewirtschaftungsstrategie im Eichwald gefordert wird. Derweil haben die Gemeinderatsfraktionen von CDU und SPD Stellungnahmen abgegeben – mit unterschiedlichen Stoßrichtungen.

Gut 20 Vertreter der Bürgerinitiative waren am Donnerstagnachmittag ins Rathaus gekommen – mit einem großen, bunten "Rettet den Eichwald"-Transparent, einem liebevoll aus Moos und Eicheln gebastelten Gesteck als persönliches Geschenk für die Bürgermeisterin, vor allem aber mit einem gut gefüllten Aktenordner. Darin: Gut 2000 Unterschriften von Menschen aus Müllheim und Umgebung, die damit ihren Protest gegen die aktuellen Holzfällarbeiten sowie generell gegen die Forstwirtschaftsstrategie im Eichwald zum Ausdruck bringen. Man habe damit eine wichtige Diskussion angestoßen, erklärte Hubert Kohler für die BI, und hoffe weiter auf ein Einlenken der Stadt.

"Abholzen tun wir definitiv nicht."


Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich würdigte die Unterschriftenaktion als eine gute Gepflogenheit des bürgerschaftlichen Engagements und des demokratischen Diskurses, hielt aber auch mit ihrer Kritik nicht hinterm Berg. Sie selbst habe es beobachtet und es sei ihr auch mehrfach zugetragen worden, dass auf Nachfragen, wofür hier Unterschriften gesammelt würden, die pauschale Antwort gekommen sei, man wolle die Stadt davon abhalten, den Eichwald abzuholzen. "Abholzen tun wir definitiv nicht", stellte Siemes-Knoblich klar. Anwesende Vertreter der BI widersprachen: Wenn überhaupt, dann seien das absolute Ausnahmefälle gewesen. Mündige Bürger hätten hier unterschrieben, die schon genau wissen würden, wofür beziehungsweise wogegen, lautete der Tenor aus der Bürgerinitiative.
Forstwissenschaftler zum Eichwald: "Das sind keine Kahlschläge" (BZ-Plus)

Durchaus kritisch zur aktuellen Waldpolitik der Stadt hat sich die SDP-Fraktion im Gemeinderat geäußert. "Die SPD-Fraktion in ihrer Mehrheit schließt sich nicht der Forderung nach einem Abholzungsstopp an. Sie ist aber der Meinung, dass der Aspekt des Wirtschaftswaldes zu Ungunsten des Erholungswaldes in den Vordergrund gerückt wurde. Beide Nutzungsziele müssen im Einklang stehen. Ein rücksichtsvollerer Umgang mit dem Erholungswald ist dringend erforderlich", heißt es in einer Mitteilung der Sozialdemokraten von Anfang der Woche. Von einer Zerstörung, Raubbau oder einem Kahlschlag könne allerdings keine Rede sein, erklärt die SPD.

Weiter stellen die Sozialdemokraten fest, "dass die an der damaligen Abstimmung beteiligten Gemeinderäte keine Vorstellung von dem Ausmaß und der Tragweite des Forstplans hatten. Allerdings wurde den Forstleuten eine rücksichtsvolle und sensible Durchforstung insbesondere im Bereich der Hauptwege aufgetragen." Insofern könne selbstverständlich ein Beschluss, sollten Zweifel an seinem Sinn erhoben oder nachträglich neue relevante Tatsachen bekannt werden, durch einen neuerlichen Antrag in Frage gestellt werden. "Das ist kommunale Demokratie", erklärt die SPD.

Aufregung nicht gerechtfertigt

Keinerlei Bedarf an einer Nachjustierung sieht die CDU im Müllheimer Gemeinderat. Die Fraktion schreibt in einer Stellungnahme vom Donnerstag: "Es gab nichts zu sehen, was die Aufregung um die Verjüngungsmaßnahmen im Eichwald rechtfertigen würde – das ist die Erkenntnis, die die CDU-Stadträte nach einer mehrstündigen Waldbegehung gewonnen haben. Keiner der von der BI erhobenen Vorwürfe konnte nachvollzogen werden." Die CDU setzte sich dafür ein, den Eichwald als solchen für kommende Generationen zu erhalten. "Um dieses Ziel zu erreichen, sind die getroffenen Maßnahmen unverzichtbar, und sie bewegen sich im Rahmen dessen, was vor zwei Jahren im Gemeinderat ausführlich diskutiert und beschlossen wurde."
Eichwald-Bürgerinitiative: "Das ist doch kein Wald mehr!" (BZ-Plus)

Die Christdemokraten üben deutliche Kritik an der grünen Stadträtin Dora Pfeifer-Suger. "Vor zwei Jahren wurde in bestem demokratischem Sinne beraten und beschlossen. Nun heizt ALM/Grüne-Stadträtin Pfeifer-Suger die aktuelle Diskussion mit sachfremden Argumenten an und bringt die Zielsetzung in Gefahr."

Unangemessen seien, so die Christdemokraten, die Vorwürfe gegenüber der Forstverwaltung. "Der Vorwurf des Raubbaus ist absurd und es gibt keinen Grund, die Kompetenz der Fachleute in Frage zu stellen." Einziger Kritikpunkt: "Die Vögisheimer Grillhütte ist für die Vögisheimer ein wichtiger Treffpunkt, für private Feiern und Vereinsaktivitäten. In solchen Bereichen würde die CDU-Fraktion zukünftig zu behutsameren Durchforstungsmaßnahmen raten."

Zu Wort gemeldet hat sich in der Debatte auch Albert Reif, Professor für Standorts- und Vegetationskunde an der Uni Freiburg. Wie er in einem Brief an die BZ darlegt, hat sich Reif jahrelang intensiv mit dem Thema der Eichenverjüngung befasst. Er schreibt: "Um Eichenbestände zu verjüngen, benötigt man Licht und wenig Konkurrenzvegetation. Am besten für dieses Ziel wären sogar ’größere Kleinkahlschläge’ nach einem Mastjahr. Das forstliche Vorgehen in Müllheim ist so durchaus sinnvoll. Es ist zwar nötig, Alteichenbestände ’lange’ zu halten und zu pflegen; jedoch muss auch rechtzeitig (!) an die Verjüngung der Eichenwälder gedacht werden, und das geht nicht ohne auffällige, größere Eingriffe."
Die Forstwirtschaft im Eichwald ist auch ausführlicher Tagesordnungspunkt der öffentlichen Gemeinderatssitzung am Mittwoch, 20. Februar, 18 Uhr im Rathaus.