Verhärtete Fronten im Eichwald-Streit

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Do, 07. Februar 2019

Müllheim

Nach einem Gespräch zwischen Stadt Müllheim und Bürgerinitiative unterstreichen beide Seite nochmal ihre jeweiligen Positionen.

MÜLLHEIM (BZ/hub). Die Fronten im Streit um die Baumfällarbeiten im Müllheimer Eichwald sind verhärtet. Ein Gespräch zwischen Vertretern der Stadt- und Forstverwaltung sowie der Bürgerinitiative "Rettet den Eichwald" am Montag hat keine Annäherung in wesentlichen Punkten ergeben. Beide Seiten unterstrichen in Stellungnahmen nach dem Gespräch ihre jeweiligen Standpunkte. Derweil fordern auch regionale Vertreter des Nabu und des Landesnaturschutzverbandes ein Umdenken bei der Nutzung des Eichwalds.

Man ist sich einig, sich nicht einig zu sein – auf diesen Nenner könnte man die Botschaft zusammenfassen, die aus den Reaktionen von BI und Stadt Müllheim herauszulesen ist, nachdem man sich am Montag zum ersten Mal quasi in offizieller Runde zusammengesetzt hatte. Ganz offen ist in einer Pressemitteilung der Stadt von "unterschiedlichen Zielsetzungen" die Rede, die es im Bezug auf die Zukunft des Eichwaldes gebe. Die Stadt nimmt die Position der Kritiker wie folgt wahr: "Die Bürgerinitiative möchte den Eichwald vorrangig als Erholungswald erhalten, das
Waldbild möglichst unangetastet so belassen, Pflege und Bewirtschaftung auf ein
Minimum beschränken. Die Stadt Müllheim hat sich dagegen dem Ziel verpflichtet, den Eichwald tatsächlich noch als Eichenwald auch für die nachfolgenden Generationen zu erhalten, in all seiner kulturellen, ökologischen und ökonomischen Bedeutung für die Stadt und die Bürgerinnen und Bürger."

Dafür, so heißt es vonseiten der Stadt weiter, habe der Gemeinderat vor zwei Jahren mit dem Forsteinrichtungswerk "ein nachhaltiges, in sich schlüssiges forstfachliches Konzept beschlossen. Dieses fußt auf den besten, je verfügbaren Informationen über den Eichwald aus den Ergebnissen der Betriebsinventur und der anerkannten Waldbauverfahren, gepaart mit dem langjährigen Expertenwissen unserer Förster", heißt es aus dem Müllheimer Rathaus. Vehement widerspricht die Stadt dem Vorwurf, es werde im Eichwald Kahlschlag betrieben. "Schlagworte wie Raubbau, Kahlschlag- und Kahlhiebe, sowie Fotos in der Presse und in den sozialen Medien beschreiben dabei ein Schreckensszenario, das es so gar nicht gibt", erklärt die Rathausspitze. Auf der Homepage der Stadt Müllheim soll eine Stellungnahme veröffentlicht werden, die detailliert auf einzelne Vorwürfe der BI eingeht, wie sie im Rahmen der Unterschriftenaktion erhoben worden sind.

Vertreter der Bürgerinitiative bedauerten, dass das Gespräch aus ihrer Sicht ergebnislos verlaufen sei und Bürgermeisterin Astrid Siemes-Knoblich die Forderung nach einem sofortigen Fäll-Stopp abgelehnt habe. Das Hauptargument der Kritiker, dass die Funktion des Waldes als Erholungsfunktion verloren gehe, habe bei dem Gespräch kaum Gehör gefunden. Das forstliche Planungswerk für die kommenden zehn Jahre sieht nach Ansicht der BI eine Verschiebung zu einem vorwiegenden Wirtschaftswald vor. Der Erholungsfunktion werde explizit eine untergeordnete Rolle zugesprochen, kritisiert die BI. "Das bedeutet, der Müllheimer Stadtwald wird in den nächsten Jahren stark ausgelichtet. Die Folgen für Mensch und Natur sind dabei schwer abzuschätzen. In diesem Jahr werden, wenn es jetzt nicht zu einem baldigen Fäll-Stopp kommt, bis zum Frühjahr weiterhin Bäume geschlagen."

"Aus unserer Sicht hat die Stadt eine erneute Chance vertan, im Zeitalter des Klimawandels und in einer Zeit in der bereits zahlreiche junge Menschen aus Sorge um ihre Zukunft auf die Straße gehen, den Weg zu bereiten für eine wirklich nachhaltige Waldpolitik in Müllheim", bilanzieren die Vertreter der BI. Nun sei es am Gemeinderat, über einen Fäll-Stopp und eine Neubewertung der Forst-Planung zu entscheiden. Auf das Ratsgremium verweist auch das Rathaus. In der Sitzung am 20. Februar sollen in öffentlicher Sitzung noch einmal das Forsteinrichtungswerk und die aktuellen Maßnahmen erläutert werden.

Unterdessen haben auch die Nabu-Gruppe Müllheim und der Arbeitskreis Nördliches Markgräflerland des Landesnaturschutzverbandes (LNV) in der Debatte Position bezogen. In einer gemeinsamen Stellungnahme fordern die beiden Naturschutzverbände eine andere Gewichtung der Waldfunktionen im Eichwald zugunsten eines Natur- und Erholungsraums, eine höheren Schutzstatus für einen Teil der über 200 Jahre alten Eichen sowie eine transparente Darlegung des Alt- und Totholzkonzeptes. Der Forstverwaltung Staufen werfen die Verbände vor, sich mit dem Forsteinrichtungswerk für 2017 bis 2027 auf die "unmittelbar kapitalisierbaren Holzwerte" im Eichwald zu konzentrieren.

Gleichwohl sprechen sich Nabu und LNV nicht grundsätzlich gegen die Nutzung des nachwachsenden und regional verfügbaren Rohstoffes Holz aus. Und auch nicht gegen den Einschlag ökonomisch wertvoller Eichen oder die ebenfalls gebotene Verjüngung des Waldes. "Die verschiedenen Zielsetzungen sollten jedoch ausgewogen verfolgt und mit der entsprechenden Sensibilität behutsam umgesetzt werden", heißt es in der Stellungnahme. Die vorliegende Planung, den festgelegten Hiebsatz und die vorgesehene Nutzung der Alteichen lehnen Nabu und LNV ab.