Filmprojekt

Müllheimer Filmemacherin führte Zeitzeugen-Interviews zur Nachkriegsgeschichte

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Mo, 13. September 2021 um 17:03 Uhr

Müllheim

Für das Markgräfler Museum hat die Müllheimer Filmemacherin Kerstin Pommerenke ein aufwändiges Projekt erstellt. Fünf Senioren berichten darin über ihre Kindheits- und Jugenderinnerungen.

Teil der aktuellen Ausstellung zur Nachkriegszeit in Müllheim, die noch bis Ende Februar 2022 im Markgräfler Museum zu sehen ist, ist ein Filmprojekt mit Zeitzeugen-Interviews, die einen sehr persönlichen Blick auf die 1940er-Jahre in Müllheim bieten. Realisiert wurde das Projekt mit Unterstützung des Markgräfler Museumsvereins von der Filmemacherin Kerstin Pommerenke, die sich nach vielen Jahren unterschiedlicher Tätigkeiten in der Filmbranche mit einer kleinen Produktionsfirma in Müllheim selbständig gemacht hat.

Drei Damen und zwei Herren der Jahrgänge 1925 bis 1938 begaben sich unter der behutsamen Begleitung von Kerstin Pommerenke vor Kamera und Mikrofon auf eine intensive Erinnerungsreise in ihre Kindheit und Jugend in Müllheim. Ein Projekt mit diesem Aufwand ist vom Markgräfler Museum noch nie gestemmt worden. Die Endfassung der Zeitzeugen-Interviews bringt es auf mehr als fünf Stunden – komprimiert aus nochmal deutlich mehr Rohmaterial. Für den Mittwochabend im Hof des Markgräfler Museums hat Pommerenke eine rund anderthalb Stunden laufende Fassung erstellt.

Für Museumsbesucher wäre auch das in der Regel deutlich zu lang, also haben die Verantwortlichen eine findige Idee entwickelt: Da das Interviewmaterial ohnehin in thematische Kapitel gegliedert ist, lassen sich diese Kapitel pro Interviewpartner an einem Computer im Museum nach Wunsch der Besucher abrufen. Das ermöglicht auch eine recht gute Vergleichbarkeit der Erinnerungen der Zeitzeuginnen und -zeugen, die Überschneidungen, aber auch teils sehr unterschiedliche Wahrnehmungen der Geschehnisse von damals widerspiegeln.

Auch für Kerstin Pommerenke war das Projekt, das bereits 2019 startete und dessen Fertigstellung leider nicht mehr alle Beteiligten erleben konnten, von ungewöhnlichen Ausmaßen. Dabei bringt die 45-Jährige reiche Erfahrungen aus ihrem Metier mit. Nach der Schulzeit in Müllheim zog es sie in die weite Welt, sie ging auf ausgedehnte Reisen, auf denen der Wunsch reifte, in der Filmbranche tätig zu werden. Erste Schritte machte sie als Kameraassistentin in Berlin, es folgte diverse Aus- und Weiterbildungen, darunter das Studium Audiovisueller Medien mit einem Diplom als Kamerafrau und eine Weiterbildung zur Film- und Fernsehproducerin. Sowohl an Spielfilmen als auch Dokumentationen war sie beteiligt – im In- und Ausland.

"Es war eine sehr spannende Zeit", erinnert sich Kerstin Pommerenke, doch der unstete Job in ständig wechselnden Projekten wurde ihr irgendwann zu viel. Die speziellen Arbeitszeiten und Arbeitsbedingungen ließen ein Familienleben und die Pflege eines Freundeskreises kaum zu. "Es ist im Grunde ein Vagabundenleben", sagt sie. Hinzu kam: In den teils sehr großen Produktionen, an denen sie mitwirkte, war sie in der Regel ein Rad im Getriebe, mit klar definierten Aufgaben, aber ohne allzu große Möglichkeiten, auf andere Bereiche Einfluss nehmen zu können.

Filme für Unternehmen und soziale Einrichtungen

In ihrer eigenen Produktionsfirma Pommerenke Medien, die sie 2016 nach ihrer Rückkehr nach Müllheim gründete, ist sie nun selbst am Ruder. Sie produziert Image- und Produktfilme sowie Dokumentationen. Zu den bisherigen Kunden gehören regionale Unternehmen wie die Sparkasse Markgräflerland oder die Sanitärtechnikfirma Degen in Müllheim, aber auch Einrichtungen aus dem sozial-pflegerischen Bereich wie die Jugendhilfeeinrichtung Kirschbäumleboden oder das Elisabethenheim.

Neben einer produktionstechnisch professionellen Herangehensweise bei den Projekten – bei denen sie je nach Aufgabenstellung noch Partner etwa für Drohnenaufnahmen oder für die Tontechnik mit ins Boot holt – ist Kerstin Pommerenke die Begegnung mit den Menschen sehr wichtig, die in den Produktionen eine Rolle spielen. "Beim Imagefilm ist es die Freude, gemeinsam mit dem Kunden eine Vision oder ein Image zu entwerfen und darzustellen. Beim Dokumentarischen liebe ich den Umstand, dass man die Situation im Hier und Jetzt einfangen muss, da nichts wiederholt werden kann. Dass man mit dem echten Leben konfrontiert ist und beim Filmen mit den Menschen eine Verbindung aufbauen kann."

Eben diese Aspekte spielten auch bei den Zeitzeugen-Interviews für die Ausstellung im Markgräfler Museum eine besondere Rolle. Die Gespräche, die Pommerenke ohne allzu große Eingriffe sich entwickeln ließ, führten zu einer intensiven Begegnung, die auch der Zuschauer spürt. Das Projekt war dadurch auch anstrengend, erinnert sich die Filmemacherin, verlangte allen Beteiligte einiges ab. Kerstin Pommerenke faszinierte, wie ihre hochbetagten Interviewpartner vor der Kamera agierten: "Das war sehr souverän."

Ein Filmabend zu den Zeitzeugen-Interviews findet am Mittwoch, 15. September, 20 Uhr im Innenhof des Markgräfler Museums statt. Filmemacherin Kerstin Pommerenke und Joachim Heitz als Zeitzeuge erläutern im Gespräch mit Museumsleiter Jan Merk die Herangehensweise und die Themen des Filmprojekts. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Bei schlechtem Wetter wird die Veranstaltung auf Donnerstag, 16. September, verschoben. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.