Organisator gesucht

Müllheimer Scheibenfeuer droht nach fast 1000-jähriger Tradition das Aus

Volker Münch

Von Volker Münch

Do, 27. Juni 2019 um 18:28 Uhr

Müllheim

Die Narrenzunft Dorfzottel sucht – bislang vergeblich – einen Nachfolger für die Organisation des Traditionsevents. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in Müllheim zwei Scheibenfeuer.

Das Scheibenfeuer in Müllheim steht vor dem Aus: Die Narrenzunft Müllheimer Dorfzottel hat vor wenigen Wochen in ihrer Generalversammlung beschlossen, die Organisation für diese Veranstaltung abzugeben. Neun Jahre lang hatten die Mitglieder für das Scheibenfeuer auf dem Bismarckplatz oberhalb des Hachbergs verantwortlich gezeichnet. Nun suchen die Dorfzottel einen Nachfolger, damit die alte Tradition des Scheibenfeuers nicht stirbt.

Fast 1000 Jahre reicht diese zurück. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es in Müllheim zwei Scheibenfeuer. Sie wurden von den damaligen Dörfern Unter- und Obermüllheim organisiert. Etwa 1914 führten die Bürger der beiden Ortsteile das Scheibenfeuer zusammen und richteten dieses Brauchtum gemeinsam auf der Anhöhe Himmelreich in Obermüllheim aus. Erst später wechselte das Scheibenfeuer auf den Hachberg oberhalb der heutigen Südtangente. Bei den Müllheimern ist die Anhöhe, auf der gleich mehrere Feuer entzündet werden, als Bismarckplatz bekannt.

Früher war es die Dorfjugend, die das Scheibenfeuer organisiert hatte, später übernahm die ehemalige Fasnachtsclique "Die Türken" aus der Unterstadt für mehr als zwei Jahrzehnte die Aufgabe. Aber auch diese Fasnachtsclique litt unter Nachwuchssorgen und suchte Nachfolger. Nachdem sich die Fasnachtsclique der Unterstadt Ende der 1980er-Jahre aufgelöst hatte, wurden die übriggebliebenen Helfer von Mitgliedern der Feuerwehr unterstützt. 2011 wechselte die Verantwortung zur Narrenzunft "Müllheimer Dorfzottel", nachdem die Helfer der Unterstadt-Türken in die Jahre gekommen waren.

In ihrem ersten Jahr erhielten sie die Unterstützung der "Unterstädtler" rund um den Fuhrunternehmer Waldemar Redle. Bis heute sammelt dessen Firma das notwendige Holz und lagert es in Containern. Mit den Dorfzotteln als Organisatoren wechselte auch der Tag des Scheibenfeuers. War bis zu jenem Jahr der Sonntag in Müllheim Scheibenfeuertag, so verlegten sie ihn aus organisatorischen Gründen auf den Samstagabend. In den ersten Jahren fand am Sonntag noch das "Nachschlagen" statt. Aber auch das wurde aus personellen Gründen und wegen der geringen Nachfrage nach zwei Jahren eingestellt.

Der Personalaufwand ist groß

Jetzt allerdings stehen auch die Dorfzottel vor einem großen Umbruch, nachdem die vergangenen fünf Jahre hintereinander von schlechtem Wetter geprägt waren, berichtet Zunftmeister und Vorsitzender Manuel Müller. Damit verbunden waren auch Umsatzeinbrüche, die das Risiko für den Fasnachtsverein erhöhten. Bereits seit zwei Jahren suchte die Zunft potenzielle Nachfolger. "Wir haben viele Leute gefragt, ob sie das Scheibenfeuer weiterführen wollen", erzählt Manuel Müller. Die Suche blieb bislang erfolglos. Nun folgte die endgültige Entscheidung bei der jüngsten Generalversammlung: Die Narrenzunft beendet ihr Engagement. Sollte sich nicht doch noch ein anderes Organisationsteam finden bedeutet das das endgültige Aus dieser Tradition in der Müllheimer Kernstadt.

In den vergangenen Jahren war die Zunft auf externe Unterstützung angewiesen. So sammelte die Firma Redle bis zuletzt das Holz und lagerte es, das Unternehmen Ritter und Schwald stellte einen Radlader zur Verfügung, mit dem die großen Holzhaufen aufgeschüttet wurden. "Wir waren immer auf Hilfe von anderen angewiesen", erklärt Müller. Sollte sich ein neues Organisationsteam zusammenfinden, wäre Manuel Müller bereit, im ersten Jahr mitzuhelfen und beratend zur Seite zu stehen.

Doch schon der Personalaufwand lässt erahnen, welcher Aufwand auf die neuen Organisatoren zukäme. Die Dorfzottel benötigten etwa zehn Personen für den Aufbau, sieben weitere Helfer waren dann am Abend mit der Bewirtung und dem Verkauf der Scheiben beschäftigt. Danach wurde das Gelände wieder aufgeräumt. Hier erfuhren die Dorfzottel eine engagierte Unterstützung durch den städtischen Bauhof. Dort sind die Schlagbänke gelagert, die rechtzeitig zum Scheibenfeuer von den städtischen Mitarbeitern aufgebaut und auch wieder abgebaut und eingelagert werden. "Wir wenden uns nun an die Öffentlichkeit, um Nachfolger zu finden. Wir machen es definitiv nicht mehr", betont Müller.
Interessierte können sich direkt an Manuel Müller wenden. Er ist unter der Mobilnummer Tel. 0151/25337695 erreichbar.